Immobilienmarkt

Am Zürichsee steigen die Wohnpreise weiter

Liegenschaften bleiben ein Favorit für Investoren. Deshalb steigen die Preise weiter, vor allem in den Zentren. Das zeigt eine Studie der UBS zum Schweizer Immobilienmarkt. Allerdings gibt es Unterschiede – selbst zwischen den beiden Seebezirken.

Thalwil gehört zu den Gemeinden mit den höchsten Preisanstiegen für Wohnliegenschaften in der Region Zürichsee.

Thalwil gehört zu den Gemeinden mit den höchsten Preisanstiegen für Wohnliegenschaften in der Region Zürichsee. Bild: Keystone

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Der abschätzige Vergleich von Pfnüselküste und Goldküste hinkt immer stärker. Wenn es um die Preise bei Wohneigentum geht, gibt es fast keine Unterschiede mehr. Gemäss der gestern von der UBS veröffentlichten Studie «Real Estate Focus 2020» holt der Bezirk Horgen kräftig auf. Das bestätigt Matthias Holzhey, Immobilienanalyst der Grossbank: «Am linken Seeufer war die Preisentwicklung stärker als am rechten.»

Im Vorjahr gab es in der Region Zürichsee sieben Gemeinden mit Anstiegsraten von über 5 Prozent bei den Angebotspreisen. Nur eine davon befindet sich am rechten Ufer: Zollikon. Die übrigen liegen auf der anderen Seeseite: Adliswil, Langnau, Kilchberg, Oberrieden, Rüschlikon und Thalwil. In den übrigen Gemeinden zogen die Preise fast überall um 3 bis 5 Prozent an. Lediglich in Herrliberg, Hombrechtikon, Oetwil und Wädenswil stiegen sie nur leicht um 1 bis 3 Prozent. Gleich geblieben oder gar bis 1 Prozent gefallen sind die Preise in Richterswil.

Kaum sinkende Mieten

Die Preise sind gemäss UBS abhängig von der Erreichbarkeit des Stadtzentrums und der Steuerhöhe. Am Zürichsee hat «das linke Ufer generell verkehrstechnisch die besseren Karten», hebt Holzhey einen regionalen Unterschied hervor. Es gibt auch hier ein Gefälle mit der Distanz zur Stadt. Bis Wädenswil sinken die Preise, danach steigen sie wieder an wegen der tiefen Steuern im Kanton Schwyz.

«Das Tempo wird sich stark verlangsamen»Matthias Holzhey, Immobilienanalyst

Auch für das laufende Jahr rechnen die Analysten der Bank mit einem leichten Anstieg der Eigenheimpreise. «Aber das Tempo wird sich stark verlangsamen», sagt Holzhey. Er untermalt diese Prognose mit einem erwarteten schwächeren Wirtschaftsumfeld. Darunter leide die Nachfrage nach Luxuslagen besonders stark, insbesondere wenn die Zahl zahlungskräftiger Expats sinken sollte.

Platz für 30000

Für den Preisanstieg bei Eigenheimen spricht das immer noch tiefe Neuangebot im Vergleich zu Mietwohnungen. In den beiden Seebezirken betreffen nur rund 40 Prozent der Baugesuche solche für Ein- und Zweifamilienhäuser. Bei den Eigenheimen wirkt sich ein noch junges Phänomen auf das Verhältnis von grosser Nachfrage und kleinem Angebot aus. Es heisst Buy-to-let (Kauf von Wohneigentum zur Vermietung).

In den Zentren in und rund um Genf, Zürich und Basel trägt es zusammen mit der Zweitwohnungsnachfrage zur Austrocknung des Eigenheimmarkts bei. Gemäss der Studie wird rund jede sechste als Eigenheim verkaufte Wohnung weitervermietet, jede weitere fünfte für den Zweitwohnsitz erworben. Diesen Trend bestätigt UBS-Analyst Holzhey für den Raum Zürichsee, obschon er über keine regionalen Zahlen verfügt.

Eine weitere Erkenntnis ist, dass sich der Wohnungsbau hin zu Regionen mit tiefen Leerstand verlagert. Das würde für eine rege Bautätigkeit am Zürichsee sprechen und löst auch Druck auf die Baulandreserven aus. In den Regionen Zimmerberg und Pfannenstiel dürften gemäss einer Statistik des Bundesamts für Raumplanung rund 10 Prozent aller Wohnbauzonen unüberbaut sein.

«Dieser Wert liegt zwar unter dem Landesdurchschnitt von 15 Prozent, dürfte aber für weitere 30'000 Einwohner ausreichend sein», sagt Holzhey. Grosse Reserven an verfügbaren Wohnflächen sieht er zudem im aktuellen Gebäudebestand. Diese können durch Verdichtung genutzt werden können.

Lage für Läden stabil

Die Büroflächennachfrage war gerade am linken Seeufer relativ stark, heisst es in der Studie. Allerdings sei hier der Büroflächen-Markt relativ klein und profitiere momentan von der Knappheit an Büroflächen in der Stadt Zürich.

In der Schweiz geraten die Ladenflächenmieten wegen des wachsenden Onlinehandels unter Druck – kaum aber in der Region Zürichsee.Die ausgeschriebenen Ladenflächenmieten seien hier «generell relativ stabil», sagt Analyst Holzhey. «In einer stark wachsenden Region wie am Zürichsee ist der Anpassungsdruck zudem etwas geringer als wenn die Einkommen stagnieren.»





Erstellt: 23.01.2020, 17:05 Uhr

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