Langnau

Der Wolf geht bald um im Sihlwald

Das Freilichttheater im Sihlwald verspricht diesen Sommer Spannung und Spektakel. Die Schauspielcrew um Peter Niklaus Steiner wagt eine Premiere: Zum ersten Mal zeigt sie mit dem Stück «Der Wolf im Sihlwald» eine Uraufführung.

Dem Wolf auf der Spur: Stephan Pörtner (links) hat für das Freilichttheater einen Sihlwald-Krimi geschrieben. Peter Steiner spielt die Hauptrolle.

Dem Wolf auf der Spur: Stephan Pörtner (links) hat für das Freilichttheater einen Sihlwald-Krimi geschrieben. Peter Steiner spielt die Hauptrolle. Bild: André Springer

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Noch ist es still beim Besucherzentrum Sihlwald. Wo in etwas mehr als einem Monat 19 Theateraufführungen unter freiem Himmel stattfinden, murmelt leise ein Bach, der Pavillon steht verwaist in der Sonne. Am Bachrand entlang schlendernd, lassen Theaterproduzent Peter Niklaus Steiner und Autor Stephan Pörtner schon jetzt eine Vorstellung wach werden, wie das Stück «Der Wolf im Sihlwald» diesen Sommer aussehen wird.

Nachdem in den letzten Jahren oft klassische Stoffe von Molière oder Kleist im Sihlwald-Freilichttheater zur Aufführung kamen, steht dieses Jahr eine Premiere bevor: die Uraufführung eines ureigenen, fiktiven Theaterstücks. Steiner, Leiter des Freilicht- und Turbine-Theaters, erteilte dem Zürcher Autor Stephan Pörtner den Auftrag, ein Stück, zugeschnitten auf den Ort, zu verfassen. Die Inspiration für das Stück war allein der Ort. Entstanden ist: ein Sihlwaldkrimi.

Einzig die Natur sei die Kulisse, darin erwache das Stück, schildert Pörtner die Vorteile einer Vorstellung in situ, also gleich vor Ort. «Das Theater ist eine Kunstform des Hier und Jetzt. Diese Unmittelbarkeit könnte sich noch erhöhen, indem das Stück genau dort spielt, wo der Aufführungsort ist», fügt Steiner hinzu.

Senkt sich vom 6. bis 30. Juli derweil langsam die Nacht über die Lichtung, erwacht auf der Freilichtbühne im Wildnispark eine kunterbunte Schar – gespielt von einem professionellen Schauspieler-Cast.

Mal wild, mal domestiziert

Die Figuren werden aus unterschiedlichsten Motiven durch das Zwielicht im Sihlwald huschen. Unter ihnen: ein Wolf. Ein vermeintlicher, ein echter und einer im Schafspelz.

Im Wolf vereinen sich Ängste und Sehnsüchte. Er sei zugleich Sinnbild einer realen Gefahr wie auch Projektionsfläche einer uns innewohnenden Sehnsucht nach Wildheit, sagt Pörtner. In diesem Spannungsfeld zwischen domestizierter Natur und archaischer Wildheit bewege sich die zentrale Fragestellung des Stücks. Diejenige, ob man die Natur sich selbst überlasse oder nutzbar mache.

War also der Wolf, den Wildnispark-Geschäftsführerin Karin Hindenlang im April gesichtet hat, bloss ein Marketing-Gag,um den Vorverkauf anzukurbeln? Natürlich nicht, winkt Steiner ab. Hindenlang habe ihm gegenüber eben nochmals beteuert, tatsächlich einen Wolf gesehen zu haben. Nicht die Fiktion ist hier Vater der Realität, sondern – womöglich – umgekehrt: «Vielleicht werden wir diese aktuelle Entdeckung noch im Script einbauen», stellt Pörtner schmunzelnd in Aussicht.

19-mal spielt Steiner im Sihlwaldkrimi die Hauptperson Henry Kummer. Ein freigestellter Kriminalpolizist, der wider Willen – als einziger Augenzeuge – in einen Mordfall hineingezogen wird. Eigentlich hätte er sich auf den Campingplatz in die abgeschiedene Idylle der Natur flüchten wollen. Doch holt ihn der Mordfall vor seiner Wohnwagentür zurück in die Welt von Mord und Totschlag.

Mystischer Felsbrocken

Doch die Krimigeschichte ist weit mehr als eine klassische Suche eines Übeltäters. Sie «greift verschiedene Facetten der Sihlwaldaktualität auf und verknüpft sie mit der Mystik des geschichtsträchtigen Ortes», schreibt Geschäftsführerin Hindenlang über Pörtners Theater-Krimi.

Eine spirituelle Ebene bringt Pörtner über einen immensen Stein auf die Bühne: Kaum entdeckt, wird diesem Felsbrocken bald eine mystische Bedeutung beigemessen. Dies ruft zahlreiche Interessenparteien auf den Plan. Druiden, Inspektoren, Biker und Wildnispark-Ranger kommen sich in die Quere. Einvisuell attraktives Ritual, inszeniert von Los del Fuego, befeuert das Tohuwabohu buchstäblich.

Doch was hat dieser Stein eigentlich mit dem Mord zu tun? «An diesem idyllischen Ort an der Sihl prallen die verschiedensten Vorstellungen aufeinander», sagt Pörtner. Es sei ein Krimi, der unterschiedliche Auffassungen, was es heisst, in der Natur zu sein, beleuchtet. Vom Raum der Flucht vor der Zivilisation über Mystifizierung und Nutzung als Naherholungsgebiet. Dieser Konflikt führe schliesslich zu dem Verbrechen, das Henry Kummer auf­kläre.

Vorstellungen «Der Wolf im Sihlwald», Pavillon Freilichttheater Sihlwald, 6. bis 30. Juli. Vorverkauf: www.turbinetheater.com/der-wolf-im-sihlwald. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.06.2017, 16:05 Uhr

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