Wädenswil

Der Wandel fängt im Kleinen an

Öffentliches Gärtnern, das Repair-Café und die Einführung einer lokalen Währung: Hinter all dem steht der Verein Transition Wädenswil. Die Bürgerbewegung fördert den Umweltschutz und den Aufbau eines lokalen Marktes.

Inis Koslowski, Isabel Metzler und Undine Gellner (v.l.) machen mit Plakaten auf ihren Verein Transition aufmerksam.

Inis Koslowski, Isabel Metzler und Undine Gellner (v.l.) machen mit Plakaten auf ihren Verein Transition aufmerksam. Bild: Sabine Rock

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Wädenswiler sollten Hand anlegen und sich für eine nachhaltige Regionalentwicklung einsetzen. Dafür werben die Plakate des Vereins Transition, welche an rund 30 Bushaltestellen in ganz Wädenswil angebracht wurden. «Die Plakate sollen auf den Verein Transition aufmerksam machen und die Leute dazu auffordern, aktiv tätig zu werden und die Gemeinschaft in ihrem Sinne mitzugestalten», sagt Undine Gellner, Pfarrerin und Mitglied bei Transition Wädenswil.

Die Plakataktion konnte sich der Verein, der sich vorwiegend durch Beiträge der 40 Mitglieder und Spenden finanziert, nur mit gezieltem Crowdfunding leisten. «Überraschenderweise kamen sehr schnell genügend Mittel zusammen», sagt die 54-Jährige. «Die Themen Umweltschutz, Nachhaltigkeit und Gemeinschaftsförderung stossen derzeit auf viel Resonanz. Das kommt uns sicher zugute.»

Denn bei Transition gehe es genau darum, kleine Projekte auf lokaler Ebene zu fördern und ein Forum zu bieten, um Ideen auszutauschen und diese dann auch in die Realität umzusetzen. Dadurch könne etwa die Nachbarschaftlichkeit gestärkt und so der steigenden Einsamkeit entgegengewirkt werden.

Mit Wädi-Taler Läden retten

Ins Leben gerufen wurde die Transition-Bewegung, welche weltweit aktiv ist, 2006 vom Iren Rob Hopkins. Es handelt sich dabei um eine Graswurzelbewegung (engl. grass-roots movement), also eine gesellschaftliche Initiative, die aus der Basis der Bevölkerung heraus entsteht. In der Schweiz gibt es derzeit zehn Transition-Gruppierungen, die einen Wandel in ihrer Umgebung herbeiführen wollen. Die Idee, in Wädenswil einen Transition-Verein zu gründen, ging von den beiden Bachelorstudenten Lucas Meile und Sandra Hollenstein aus, welche eine Abschlussarbeit zu diesem Thema an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) verfassten.

Mehrere Studenten steuerten eigene Projekte bei, wie etwa das Projekt «Delikatrestessen», das mittels eines öffentlichen Kühlschranks dem Food-Waste entgegenwirken will. Die Studentenbewegung stiess auf viel Interesse bei der Wädenswiler Bevölkerung, sodass der Verein im März 2018 ins Leben gerufen wurde. «Die Bewegung profitiert sehr stark vom Know-how der Fachhochschule», sagt Inis Koslowski, ehemalige Jugendarbeiterin und Mitverantwortliche für die Gemeinschaftsgärten, welche auf mehreren öffentlichen Flächen in Wädenswil angelegt wurden. Gerade bei der Bepflanzung der Gärten helfe das Wissen der Studenten, insektenfreundliche Pflanzen auszuwählen, welche zudem die Biodiversität fördern.

Mittlerweile habe sich die Bewegung aber ein Stück von der Hochschule abgelöst und vernetze auch mehrere regionale Projekte wie das Repair-Café, das Wädichörbli, einen abholbereiten Gemüsekorb oder den Kiosk am Badeplatz Seegüetli.

Bauern miteinander vernetzen

«Wir arbeiten eng mit dem lokalen Naturschutz und den hiesigen Biobauern zusammen, welche als Pioniere auf ihrem Gebiet gelten», sagt die 64-Jährige, die früher als Architektin arbeitete. Wädenswil biete einen guten Nährboden für die Bürgerbewegung, da sich die Menschen seit je sozial engagieren würden und ein gewisser Pioniergeist vorhanden sei. «Das Ziel ist es, die Bauern miteinander zu vernetzen und einen lokalen Markt zu etablieren, sodass Wädenswil sich als Gemeinschaft selbst versorgen kann.»

Eine Idee wäre, ein Verkaufslokal aufzubauen, in dem alle lokalen Bioproduzenten ihre Waren vertreiben könnten. Auch gäbe es Überlegungen, eine lokale Währung einzuführen – den Wädi-Taler. «Eine regionale Währung würde dazu beitragen, dass die Wertschöpfung vor Ort abläuft, wodurch die lokalwirtschaftliche Entwicklung gefördert und das Lädelisterben bekämpft werden könnte», sagt Koslowski. Technisch sei die Einführung einer digitalen Währung ohne grosse Kosten machbar, allerdings müssten sich mindestens zwanzig Betriebe an der Aktion beteiligen, damit sich die Währung etabliert. Die Transition-Mitglieder sind positiv gestimmt, dass eine regionale Währung zustande kommen könnte, allerdings müssten noch einige Fragen geklärt werden. Etwa, wie man dann Löhne auszahle oder die Steuern bezahle.

Kraft für weiteren Einsatz

Die globale Transition-Bewegung wird oft mit dem Vorwurf konfrontiert, dass man mit Veränderungen im Verhalten von Einzelpersonen nicht die Welt retten könne. «Die Einstellung, dass ich als Individuum ja sowieso nichts erreichen kann, finde ich falsch», sagt Isabel Metzler, die sich schon in jungen Jahren für den Umweltschutz und Bioprodukte eingesetzt hatte. «Wenn Menschen sich zusammentun und gegenseitig motivieren, kann Grosses bewirkt werden», sagt die 70-Jährige.

Die Schwedin Greta Thunberg, die mit ihren Klimastreiks eine globale Bewegung ins Leben rief, welche auch hierzulande politische Auswirkungen hat, sei das beste Beispiel dafür, dass jeder einen Wandel herbeiführen könne. «Jeder, der die Möglichkeit hat, auf die Politik einzuwirken, sollte dies auch tun», sagt Metzler. Allerdings heisse das nicht, dass man den Wandel auf lokaler Ebene vernachlässigen sollte. «Denn oftmals sind die Effekte auf tieferen Ebenen deutlich spürbarer. Zu sehen, dass unsere Projekte eine Wirkung zeigen, gibt Kraft, weiterhin aktiv zu sein und sich zu engagieren.»

Weitere Informationen unter www.transition-waedenswil.ch und www.transitionnetwork.org.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 14.04.2019, 17:01 Uhr

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!