Adliswil

Der Ultramarathon-Mann ist auf Rekordjagd

Andrea Brunold scheut keine Strapazen, er gewinnt ihnen vielmehr einiges ab. Am Sonntag startet der 60-Jährige zum 20. Mal in Folge am Ultramarathon in Südafrika. Ihm winkt dabei ein Eintrag ins Rekordbuch.

Der Laufsport habe ihn zum «Millionär in Sachen Erlebnisse» gemacht, sagt der Adliswiler Andrea Brunold. Auch zahlreiche Auszeichnungen gab es für ihn.

Der Laufsport habe ihn zum «Millionär in Sachen Erlebnisse» gemacht, sagt der Adliswiler Andrea Brunold. Auch zahlreiche Auszeichnungen gab es für ihn. Bild: Moritz Hager

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Andere Hobbysportler geraten ins Schwärmen, wenn sie einen Halbmarathon bewältigt oder die 42,195 Kilometer eines Marathons geschafft haben. Für den Adliswiler Andrea Brunold sind solche Distanzen kaum der Rede wert. Der gebürtige Bündner macht es nicht unter der mindestens doppelt so langen Strecke, und dies seit Jahren. Besonders angetan ist er vom Comrades Marathon über 90 Kilometer in Südafrika, den er bereits 19-mal in Serie beendet hat. «Der Körper wird schon extrem belastet», sagt der Extremsportler. Aber zur Begegnung mit dem Hammermann, wenn das Gefühl aufkomme, man renne plötzlich gegen eine Wand, sei es bei ihm noch nie gekommen.

Andrea Brunold redet lieber über das obere Ende der Gefühlsskala, über die Glücksgefühle, die Endorphine, die der Körper während eines Dauerlaufs mehr oder weniger ausschüttet. Dieses «Runner’s High» stelle sich bei ihm immer wieder ein. Wie es ihm erging, als er in früheren Jahren zum ersten Mal den Ironman Zürich als Finisher gemeistert hatte, schildert er wie folgt: «Nach dem Wettkampf schwebte ich eine Woche lange einen Meter über dem Boden.»

Er fügt an: «Geld habe ich mit dem Laufsport keins gewonnen.» Aber er sei Millionär in Sachen Erlebnisse, die er auf all den Laufstrecken erfahren habe. Die reiche Erlebniswelt bezieht sich für Brunold vor allem auf den Comrades Marathon. «Es ist nie der gleiche Lauf.» Die Begegnungen mit den Leuten seien immer neu. «Die Stimmung am Start, unterwegs und am Ziel ist unbeschreiblich.»

Vor europäischer Bestleistung

Die erste Austragung des «Kameraden-Marathons» geht aufs Jahr 1921 zurück, im Gedenken an die Opfer der alliierten Streitkräfte an der afrikanischen Ostküste während des 1. Weltkrieges. Aus dem ältesten wurde auch der weltweit bekannteste Ultramarathon, der seit einiger Zeit zu einem der wichtigsten Sportanlässe in Südafrika geworden ist.

«Geld habe ich mit dem Laufsport keins gewonnen.»

Brunold überlässt nun die Arbeit in seiner Garage in Gattikon den Angestellten und wird am kommenden Sonntag zu jenen rund 20000 Männern und Frauen aus aller Herren Länder gehören, die sich frühmorgens zum Start vor dem Rathaus in Durban einfinden. Es ist seine 20. Teilnahme am Rennen, was vor ihm zumindest noch keinem Europäer gelungen ist. «Es gibt zwei, drei Deutsche, die über 20 Läufe bestritten haben, aber nicht hintereinander.» Der Adliswiler hat genau 12 Stunden Zeit, um die 90 km bis ins Ziel auf der Scottsville-Pferderennbahn in Pietermaritzburg zu absolvieren und wiederum als Finisher anzukommen. Er sollte dieses Zeitlimit problemlos unterbieten. Vorsichtshalber spricht er allerdings einen Satz aus, wie ihn viele Sportler vor einem Wettkampf äussern: «Es braucht einen Tag, an dem alles stimmt.»

Immer die gleiche Startnummer

Brunold wird erneut mit der Startnummer 24927, die er bei seiner ersten Teilnahme im Jahr 2000 erhalten hat, ins Rennen gehen. Diese Nummer ist bei Hälfte der Distanz an der 200 Meter langen «Wall of Honour» verewigt. Die Ehrentafel umfasst alle bisherigen Sieger und jene Läufer, die mindestens zehnmal erfolgreich den Lauf beendet haben.

Zu Hause in Adliswil zeigt er nicht ohne Stolz die «Green Number» mit einem Lorbeerkranz, mit der er 2009 für seinen zehnten Start ausgezeichnet worden ist. In einer Vitrine sind zudem all die Medaillen ausgestellt, die er am Comrades Marathon, am Swiss Alpine Marathon sowie am Gigathlon Switzerland gewonnen hat.

Eine weitere ehrenvolle Auszeichnung liegt für Andrea Brunold am kommenden Sonntagabend bereit.

Erstellt: 07.06.2019, 13:10 Uhr

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