Wädenswil

In Wädenswil wird ums Energiesparen gestritten

Sind Gasheizungen Segen oder Fluch? Wädenswil fördert Gasheizungen mit Prämien. Die Grünen üben Kritik an den Subventionen.

Heizung in einem älteren Gebäude: Oft wollen Hausbesitzer aus Kostengründen nicht auf eine Wärmepumpe umstellen.

Heizung in einem älteren Gebäude: Oft wollen Hausbesitzer aus Kostengründen nicht auf eine Wärmepumpe umstellen. Bild: Archiv Marc Dahinden

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Wärme in Wädenswil kommt zu mehr als der Hälfte von Gasheizungen. Im Jahr 2005 wurde noch 37 Prozent der Wärme für Heizungen und Warmwasser auf Stadtgebiet mit Gas erzeugt. Bis 2018 stieg der Anteil auf 56 Prozent. Dieser Gas-Boom hat auch mit dem Förderprogramm der Werke zu tun. Sie richten Hausbesitzern eine Prämie aus, wenn sie ihre alte Ölheizung durch eine Gasheizung ersetzen. Die Prämie erhöht sich, je mehr Anteile Biogas gewählt werden. Letztes Jahr bezahlte die Stadt Wädenswil insgesamt 70'000 Franken.

Die Entwicklung der Energieträger zeigt in die von der Stadt gewünschte Richtung. Der Anteil der Wärme aus Ölheizungen reduzierte sich in den letzten 13 Jahren auf rund die Hälfte, nämlich von 55 auf 27 Prozent. Demgegenüber vervierfachte sich die Wärmenutzung aus Holz sowie aus Umweltwärme auf 13 Prozent. Der Anteil an Wärme aus Gasheizungen erhöhte sich um gut die Hälfte auf 56 Prozent. Der CO2-Ausstoss im Wärmebereich sank um 40 Prozent.

Wädenswil ist seit zehn Jahren Energiestadt und strebt für 2022 das Goldlabel an. Vor fünf Jahren hat sie einen Masterplan Energie 2020+ beschlossen, mit dem sie den CO2-Ausstoss massiv reduzieren und die Nutzung erneuerbarer Energien ausbauen will. Die Stadt nimmt es mit der Energiepolitik ernst. Sie setzte viele Massnahmen wie Fernwärme und Sonnenkollektoren um, baute das Beratungsprogramm aus und veranlasste ein Energiemonitoring, um den Energieverbrauch und die Emissionen auf dem Stadtgebiet zu erfassen.

Kritik der Grünen

Den Grünen ist das Gas-Förderprogramm jedoch ein Dorn im Auge. Schon 2017 forderten sie mit einem parlamentarischen Vorstoss vom Stadtrat, er soll auf Subventionen von wirtschaftlichen und fossilen Technologien verzichten. Die Grünen frischten ihre Forderung in einer aktuellen Interpellation auf und verlangen vom Stadtrat eine neue Strategie. Sie kritisieren, Gas sei wie Öl ein nicht-erneuerbarer Energieträger und erzeuge fossiles CO2. Die Schweiz müsse aber die CO2-Emissionen bis 2050 gemäss Pariser Klimaziele und neuer Energiestrategie des Bundes auf null reduzieren. Deshalb soll Wädenswil ganz auf erneuerbare Energien setzen und, wo nötig, diese finanziell unterstützen.

«Die Subventionierung von Gasheizungen steht quer in der Landschaft.»Ulrich Reiter

Gemeinderat Ulrich Reiter von den Grünen sagt: «Die Subventionierung von Gasheizungen steht quer in der Landschaft.» Erdgas soll nicht gefördert werden, und die Hauseigentümer in Wädenswil erhalten einen falschen Anreiz. Auch die Vorgaben des Bundes zielten in eine andere Richtung, hält Reiter fest, der beruflich in diesem Bereich arbeitet und in seiner Rolle als Energiewirtschafter Dekarbonisierungsstrategien aufzeigt.

Stadtrat Ernst Brupbacher (BFPW), zuständig für die Werke, verteidigt die Förderbeiträge für Gas. Zwar stossen Gasheizungen auch CO2 aus, aber weniger als Öl, hält er fest. Mit einer modernen Gasheizung sinken die CO2-Emissionen gegenüber dem Öl um über 50 Prozent, wenn dem Erdgas ein Biogasanteil von 20 Prozent beigefügt wird. Ernst Brupbacher verweist darauf, dass seit Juli 2019 dem Wädenswiler Gas-Standardprodukt 10 Prozent Biogas beigemischt werden. Seit dem 1. Januar enthalte das Gas-Standardprodukt sogar 20 Prozent Biogas. Damit werde auf effektive Art eine grosse Menge CO2 reduziert, nämlich gegen 5000 Tonnen jährlich. Individuell können Hausbesitzer ihren Biogasanteil bis 100 Prozent erhöhen.

Kosten schrecken ab

Solange in der Schweiz Ölheizungen erlaubt sind, macht es laut Stadtrat Brupbacher Sinn, Gasheizungen mit höheren Biogasanteilen zu fördern. «Wir machen nämlich die Erfahrung, dass Kunden mit einer Ölheizung in den meisten Fällen beim Öl bleiben wollen, wenn sie die alte Heizung ersetzen müssen», ergänzt Rolf Baumbach, Leiter der Werke Wädenswil. Dies, auch wenn der Wechsel auf Wärmepumpen beispielsweise ebenfalls gefördert werde.

Das habe neben technischen Gründen vor allem mit den Kosten zu tun, sagt Baumbach. Um in einem alten und schlecht isolierten Gebäude eine Ölheizung durch eine Wärmepumpe zu ersetzen, können Investitionen von bis zu 80'000 Franken anfallen. «Das schreckt viele Eigentümer ab», sagt der Leiter Werke. Eine neue Öl- oder Gasheizung koste wesentlich weniger, 10'000 bis 15'000 Franken. Die Gasheizung sei daher in solchen Fällen die ökologischere Alternative.

Bei diesem Punkt setzt die städtische Förderung von Gasheizungen ein. Mit der Prämie wollen die Werke Hausbesitzern die Gasheizung schmackhaft machen. Ziel ist es, dass bis zum Jahr 2035 in Wädenswil kein Öl mehr für die Beheizung der Gebäude verwendet wird. Dies bedingt, dass pro Jahr rund 75 ältere Ölheizungen ersetzt werden. Der Gasanteil steigt deshalb vorübergehend an. Gleichzeitig soll bis 2025 der Anteil des erneuerbaren Gases auf 30 Prozent und bis 2030 auf 50 Prozent erhöht werden.

Eigenes Gasnetz

Ulrich Reiter lässt die Gasheizung aber auch als Zwischenlösung nicht gelten. Wenn Hausbesitzer heute in eine Gasheizung investieren, bleiben sie dabei, sagt er. «Es ist absehbar, dass sie auch 2050 noch auf ihrer Gasheizung sitzen.»

Wädenswil betreibt ein eigenes Gasnetz. Im Raum steht deshalb der Vorwurf, sie schanze sich mit der Förderung von Gasheizungen neue Kunden zu und binde diese lange Zeit an sich. Stadtrat Ernst Brupbacher lässt ein finanzielles Eigeninteresse nicht gelten, räumt aber ein, dass die Stadt in den letzten Jahrzehnten viel Geld ins Gasnetz gesteckt habe. Es liege im Interesse der Stadt, dass mit dem investierten Kapital sorgsam und vernünftig umgegangen werde.

Der Energieträger Gas habe auch wirtschaftlich eine Bedeutung, schliesslich deckt er einen Wärmemarktanteil von über 50 Prozent ab. Auch das lokale Gewerbe und die Industrie hängen vom Gas ab. Das Gasnetz der Stadt transportiere heute noch überwiegend Erdgas. Es werde aber in Zukunft neben dem heute bereits eingesetzten Biogas auch weitere erneuerbare Gase wie aus überschüssigem Sonnen- oder Windstrom umgewandeltes Methan oder Wasserstoff transportieren.

«Hier gilt es, die Entwicklung genau zu beobachten und entsprechend zu reagieren», hält Stadtrat Ernst Brupbacher fest. Er versichert, die städtischen entwickelten eine Strategie, wie langfristig die Wärmeversorgung in Wädenswil zu noch mehr erneuerbaren Energien hin entwickelt werden könne.





Erstellt: 22.01.2020, 06:42 Uhr

Gas ist im Gespräch

Auch die Gemeinde Thalwil richtet Hausbesitzern eine Prämie aus, wenn sie eine neue Heizungsanlage in Betrieb nehmen. Die Gasversorgung Thalwil gewährt bei einem Bezug von mindestens 35 Prozent erneuerbaren Gasen einen einmaligen Beitrag von 2950 Franken für ein Einfamilienhaus und 14000 Franken für eine Wohnüberbauung. Das Gebäude, für das die Prämie beantragt wird, muss sich gemäss kommunalem Energieplan in einem Eignungsgebiet für Gas befinden oder in einem Gebiet, in dem sich ein Anschluss an die Fernwärmeversorgung nachweislich ausscheidet. Die «Umweltprämie» in Thalwil lief ursprünglich Ende September letzten Jahres aus, wurde aber bis Ende 2020 verlängert.

In Adliswil ist die Energieversorgung ebenfalls Gegenstand eines parlamentarischen Vorstosses. Simon Schanz (CVP) hat zusammen mit fünf Mitunterzeichnern eine Interpellation eingereicht. Er fragt unter anderem, wie viele Öl- und Gasheizungen in Betrieb sind und wie sich der Einsatz von Erd- und Fernwärme entwickelt hat. Die Interpellanten wollen auch wissen, in welchem Zeitraum die Öl- und Gasheizungen abgelöst werden. (dh)

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!