Adliswil

Der Stoff, aus dem die wetterfesten Träume sind

Wer beim Thema Innovation mit den Besten mithalten will, muss oft eigene und beschwerliche Wege gehen. Genau dies hat die kleine Firma DNS im Bereich Hightech­sportbekleidung getan.

Gehört heute zu den weltbesten Spezialanbietern von angewandter Textilinnovation: Die Firma DNS in Adliswil mit Co-Chef Marcel Geser.

Gehört heute zu den weltbesten Spezialanbietern von angewandter Textilinnovation: Die Firma DNS in Adliswil mit Co-Chef Marcel Geser. Bild: Michael Trost

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Das Idyll am Ufer der träge fliessenden Sihl trügt: Im Gebäude der früheren Seidenstoffweberei MSA geht es äusserst geschäftig zu und her. Hier setzt die Firma Development Never Stops (DNS) die textile Tradition fort und entwickelt seit neun Jahren Proto­typen für Sportbekleidungs- und Mode­marken. Die Firma hat in Europa praktisch ein Allein­stellungsmerkmal – erst recht auf dem anspruchsvollen technischen Level, auf dem DNS produziert. «Die Herstellung von Funktionskleidern ist hochkomplex», sagt Firmengründer und Mitinhaber Marcel Geser.

Ihm ist einzig eine Firma in Kanada bekannt, «die ähnlich aufgestellt ist wie wir, aber wir haben sie mittlerweile von der Technologie her überholt». Die meisten Modefirmen haben heute keine eigene Produktentwicklung mehr und holen sich ihre Expertise lieber auswärts – zum Beispiel bei DNS.

In Adliswil laufen die Fäden zusammen, wenn es um die Funktionsbekleidung für Sport, Mode und Militär im 21. Jahrhundert geht. Hier entstehen nicht nur die ersten Zeichnungen und Verarbeitungsmuster, sondern auch voll funktionsfähige Proto­typen. Diese werden zur Schnittreife gebracht und mit neuester Technologie genäht, geklebt, gelasert oder verschweisst.

Gemeinsam mit Partnern wie Adidas, Mountain Force, Outdoor Voices oder Black Jak entwickelt DNS Stoffe und Kleidungsstücke, die Outdooraktivisten vor Wind und Wet­ter schützen sollen. Das spezifische Wissen im Umgang mit den neuen Technologien bei der Fertigung und dem Design von Textilien eigneten sich die Akteure bei DNS bei der täglichen Anwendung im Betrieb an. Gefertigt wird ausschliesslich in Adliswil.

Neues Standbein im Aufbau

Der Firma kommt entgegen, dass sich die Trends und Geschmäcker bei der Funktionsbekleidung weniger schnell ändern als in der kurzlebigen Welt der Mode: «Die Ansprüche an eine dreilagige Outdoorjacke sind heute die gleichen wie im Jahr zuvor­», sagt Geser. Ausserdem hat DNS während der letzten drei Jahre intensiv an neuen Bekleidungssystemen für verschiedene Armeen und Spezialeinheiten gearbeitet – ein Standbein, das weiter ausgebaut werden soll.

Dabei hat das Unternehmen keinen einfachen Weg gewählt: Bis heute kommt das Unternehmen ohne Fremdinvestoren aus. Zum Teil notgedrungen, «denn wie soll jemand ein Geschäft finanzieren, von dem er nichts versteht»? Das benötigte Kapital haben sich Marcel Geser und Thomas Deutschenbaur – wie Geser Mann der ersten Stunde und Mitinhaber von DNS – mehr oder weni­ger über die ersten Aufträge erarbeitet. Angefangen haben die beiden mit klassischen De­sign­jobs: «Alles, was wir verdient haben, haben wir sofort wieder ins Unternehmen gesteckt», in den Kauf von neuester Verarbeitungstechnologie und in den hoch­modernen Maschinenpark.

Auch wenn das Team mittler­weile auf über zehn Mitarbei­tende angewachsen ist, gehören Experimentieren und Ausprobieren unverändert zur Identität von DNS. So wurden zusammen mit einem grossen Kunden hybride Bekleidungsstücke als Thema im Markt etabliert. «Es macht keinen Sinn, eine Jacke zu tragen, die wasserdicht ist oder eben nicht», sagt Geser: «Viel praktischer ist eine Jacke, die nur teilweise wasser­dicht ist, aber dafür andere wichtige Eigenschaften aufweist, wie etwa grosse Atmungsaktivität.» Eine wasserdichte Jacke sei gut für den Fall, wenn es regne, bei Trockenheit seien jedoch ganz andere Qualitäten gefragt. Nicht immer jedoch sei der Markt für solche Innovationen bereit gewesen, räumt der 39-Jährige ein.

Massgeschneiderte Ideen

Mittlerweile ist der Name DNS in der Branche ein Begriff: «Seit zwei Jahren kommen mehr Anfragen, als wir verarbeiten können», erklärt der gelernte Schneider und frühere Spitzen-Mountainbiker Geser. Vielfach wolle der Kunde neuen, frischen Wind in sein Geschäft bringen. Dann beauftrage er die Adliswiler mit der Bereitstellung massgeschneiderter Ideen, «für Bereiche, in de­nen der Auftraggeber bisher noch nicht tätig war». Das erlaube seiner Firma ein offenes Denken und die Verwendung von Stoffen, die wenig zum Einsatz kommen. Wachstum steht denn auch nicht an erster Stelle bei den Machern von DNS. «Nur mit Volumen­bol­zerei wird man nicht glücklich.» Das führe zu mehr Stress und weni­ger Tiefe.

Wichtiger sei es, mit dem richtigen Team an den richtigen Inhalten zu arbeiten. DNS sehe sich nicht in der Rolle einer Gelddruckmaschine, «sondern das zu tun, was wir gerne machen». Es habe diesbezüglich schwierige Phasen gegeben, aber heute stehe die Firma auf gesunden Beinen und sei stabil. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 30.07.2018, 17:05 Uhr

Innovative Jungfirmen

Rund um den Zürichsee beschäf­tigen sich die Digi­tal Na­tives mit dem Technologie- und Wissenstransfer im Zeichen von Industrie 4.0, dem postindustriellen Zeitalter. Die ZSZ stellt in einer Serie einige Vertreter des neuen Denk- und Werkplatzes aus regionaler Sicht vor. Dabei geht es um komplexe Finanz­instrumente (Fintech), ­digitale Gesichtserkennung oder 3-D-Drucker genauso wie um die funktionelle Sport­bekleidung der Zukunft. (ths)

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