Wädenswil

Der Schnauz ist die Kür

Wie gelingt es dem Samichlaus, jeden Winter einen schneeweissen und schön frisierten Bart zu haben? Er hat einen Coiffeur und der heisst Jens Engelhardt.

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Ein ungewöhnlicher Kunde sitzt dem Coiffeur Stuhl des Friseursalons Acqua Verde an der Wädenswiler Oberdorfstrasse: Ein Kopf aus Styropor, der einen weissen Bart trägt. Doch nicht irgendein Bart, sondern der vom Samichlaus. Denn der Geschäftsführer Jens Engelhardt ist der Coiffeur der Chlauszunft Wädenswil.

Mit routinierten Griffen bearbeitet Engelhardt den weissen Chlausbart. Der Kamm in der einen Hand und der Föhn in der Anderen wechseln sich in fliehenden Kreisbewegungen ab. Am Anfang sind es noch feste Lockenknäuel, mit jedem Bürstenzug aber streckt sich das Haar und fällt in weiche Wellen. Sie fühlen sich rauer an, als sie aussehen, denn der Bart besteht aus echtem Büffelhaar. Bei genauem Hinschauen, zeigen sich einzelne graue Strähnen.

Bart muss blickdicht sein

Genug gezupft: Der Coiffeurmeister macht einen Schritt zurück und betrachtet sein Werk. «Der perfekte Samichlausbart muss dort, wo er ans Gesicht anschliesst, blickdicht sein», erklärt er. «Wehe der Ansatz des Kostüms scheint durch- Oder noch schlimmer: ein dunkler Bartansatz.»

Achtung: Wer noch an den Samichlaus glaubt, soll dieses Video nicht anschauen...Quelle: Youtube

Seit fünf Jahren frisiert der 35-Jährige die Bärte, Schnäuze und Perücken der Wädenswiler Samichläuse. Die veranstalten am Sonntag, wie jedes Jahr am 1. Adventwochenende den Chlauseinzug in der Stadt und machen Hausbesuche. Jens Engelhardts Vorgänger, der einstige Eigentümer des Coiffeur-Salons, hatte sich jahrelang um die Bärte gekümmert. Also fragte die Zunft bei Engelhardt an, ob er die Aufgabe übernehmen wolle. «Wenn der Samichlaus anklopft, sagt man nicht Nein», meint der Wädenswiler schmunzelnd. Andere Friseure, die Chläuse frisieren, kennt er nicht. Oftmals sei das eine Aufgabe für Kostüm- und Maskenbildner. Engelhardt lernte wegen einer Kundin, wie man Perücken pflegt und frisiert. Nach ihrer Chemotherapie traute sie ihre Zweithaare niemand anderem, als ihrem Stamm Coiffeur an.

Vorbereitung ab Oktober

Das Knüpfen der Perücken, überlässt Jens Engelhardt aber Spezialisten. Im Fall der Samichläuse ist das eine Firma in Zürich. Jeder der 20 Zunftmitglieder hat eine auf seinen Kopf angepasste Bart-Garnitur. Von Hand werden die einzelnen Haare an ein feines Netz geknüpft. Diese Chnübli-Büez hat ihren Preis: Zwischen 800 und 1000 Franken kostet eine Ausstattung. «Wird sie gepflegt, hält sie dafür auch lange», meint der Coiffeur.

Jeweils im Oktober beginnt er mit der Vorbereitung. Die Haarteile werden erst gewaschen, dann kommen sie auf Lockenwickler und werden anschliessend luftgetrocknet. Der ganze Prozess dauert rund drei Stunden. Der letzte Schritt ist dann das Frisieren. Dort ist der Schnauz die Kür.

Lockenstab und Spray

Um dem Schnurrbart die gewünschte Form zu verleihen, nimmt Engelhardt den Lockenstab hervor und dreht die schmalen Strähnen auf. Nach ein paar Sekunden zieht er das Brenneisen weg: Das Ergebnis sind zwei spiegelgleiche, nach oben geschwungene Voluten. «Das Problem beim Schnauz ist, dass er durch das Ein- und Ausatmen feucht wird und dann zusammenfällt.» Die Lösung: Eine deftige Ladung Haarspray. Wenn aber Schnee oder Regen den Chläusen in die Quere kommt, bleibt nichts anderes übrig, als ein Notfallbesuch beim Coiffeur.

Bei Engelhardts Kindern, vor allem seiner Tochter, haben die vielen Bärte im Salon auch schon zu kritischen Fragen geführt. «Da habe ich ihr erklärt, dass der Samichlaus viele Helfer braucht, damit er alle Kinder besuchen kann», erzählt Engelhardt. «Und weil nicht jeder einen so schönen Bart haben kann, hilft ihnen Papi.»

Erstellt: 29.11.2018, 14:18 Uhr

Samichlaus

Chlauseinzüge in der Region


  • Adliswil: Sonntag, 2. Dezember, 17.30 Uhr, Kreisel beim Bruggeplatz.

  • Hirzel: Freitag, 30. November, 18 Uhr, Reformierte Kirche

  • Horgen: Sonntag, 2. Dezember, 17 Uhr, Baumgärtlihof.

  • Hütten: Samstag, 1. Dezember, 17 Uhr, Dorfstrasse.

  • Richterswil: Samstag, 1. Dezember, 17 Uhr, Dorfstrasse.

  • Samstagern: Sonntag, 2. Dezember, 18.30 Uhr, Schulhaus Samstagern.

  • Wädenswil: Sonntag, 2. Dezember, 17.30 Uhr, Kreuzung Türgasse/ Kreuzstrasse.

  • Stäfa: Sonntag, 2. Dezember, Abmarsch 17 Uhr. Route: Start ist im Schulhaus Kirchbühl Süd, via Schulhaus Tränkebach in die Tränkebachstrasse zum Gemeindehausplatz.

  • Hombrechtikon: Samstag, 1. Dezember, 17 Uhr, beim Eglihaus im Weiler Lutikon am Lützel­see (ausser bei ganz schlechtem Wetter).

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