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Der oberste Verkehrspolizist des Bezirks tritt ab

Der Horgner Rolf Schaub war 16 Jahre lang Chef des Verkehrsstützpunkts Neubüel der Kantonspolizei. Er erlebte tragische Unfälle, wilde Verfolgungsjagden und amüsante Kontrollen. Nächste Woche übernimmt Nachfolger Andreas Peier aus Oberrieden.

Rolf Schaub, Chef des Verkehrsstützpunkts Neubüel (rechts), übergibt das Steuer seinem Nachfolger wird Andreas Peier.
Rolf Schaub, Chef des Verkehrsstützpunkts Neubüel (rechts), übergibt das Steuer seinem Nachfolger wird Andreas Peier.
André Springer

Auf den Strassen im Bezirk Horgen kennt er sich aus wie kaum ein zweiter: Rolf Schaub, seit 37 Jahren bei der Kantonspolizei. 35 Jahre davon war der Bezirk Horgen sein Einsatzgebiet. Heute zum letzten Mal. Der 60-Jährige geht in Pension.

Seit 2001 war Schaub Dienstchef des Verkehrsstützpunkts Neubüel. 53 Polizisten sind dort, direkt neben der Autobahnausfahrt Wädenswil, stationiert. Ihr Zuständigkeitsgebiet erstreckt sich über den gesamten Bezirk und auf der Autobahn von Zürich bis nach Reichenburg SZ.

Vieles habe sich in den letzten 16 Jahren verändert, sagt Schaub. «Früher hatten wir in unserem Gebiet jährlich rund 10 bis 11 Todesopfer durch Verkehrsunfälle. Jetzt sind es noch etwa ein bis zwei pro Jahr.» Der Grund ist überraschend und plausibel zugleich: «Das hat vor allem mit dem Mehrverkehr zu tun», sagt der oberste Verkehrspolizist des Bezirks. Heute würden die Autofahrer zwangsläufig vorsichtiger fahren müssen. Dazu beigetragen hätten aber auch die verstärkten Kontrollen. «Man weiss nie, wo ein Blitzkasten steht». Auch dass die Fahrzeuge heute sicherer gebaut und die Leute besser ausgebildet sind, trage zur verbesserten Verkehrssicherheit bei.

«Das Tragische ausblenden»

In seiner Dienstzeit ist Schaub unzählige Male an Unfallstellen ausgerückt und hat dabei Schlimmes zu Gesicht bekommen. «Einer der tragischsten Unfälle passierte in den 80er-Jahren auf der A3, kurz nach der Aabachtobelbrücke in Horgen», erinnert er sich. Fünf Menschen verloren ihr Leben.

Wie reagiert man als Polizist, wenn man an solch eine Unfallstelle kommt? «Man funktioniert einfach. Man weiss, was zu tun ist, weil man es gelernt hat. Das Tragische muss ausgeblendet werden.» Der damalige Einsatz dauerte die ganze Nacht, am Morgen früh sassen Schaub und seine Kollegen zusammen, tranken ein Bier, sprachen über das Geschehene. «Das ist eine Art der Verarbeitung.» Er habe das «grosse Glück» gehabt, dass ihn die schweren Ereignisse psychisch nie verfolgt hätten.

Am meisten geprägt habe ihn die Zeit zu Beginn seiner Laufbahn, als er, das «Landei», 1980 frisch von der Polizeischule kam. Die damaligen Jugendunruhen in der Stadt und damit die Gewalt gegen Polizisten sei enorm gewesen. «Wir waren grossen Gefahren ausgesetzt, viel mehr als heute.»

Die Schusswaffe musste er nur ganz selten einsetzen. Einmal bei einer «knallharten Verfolgungsjagd». Mitglieder einer international gesuchten Bande rasten durch den Bezirk. Auf der Seestrasse in Oberrieden schoss Schaub in den Automotor. Wenig später wurden die Kriminellen in Thalwil in einer Strassensperre abgefangen.

Schminken auf der Autobahn

Aber Schaub, der gesellige Horgner, weiss auch viel Erheiterndes zu berichten. Denn wer als Polizist auf den Strassen und Autobahnen im Einsatz ist, erlebt so manch Lustiges. Zum Beispiel bei Kontrollen. «Es ist auffallend und irgendwie witzig: Der normale Bürger, der bei einer Verkehrsübertretung ertappt wird, bedankt sich.» Amüsant seien manchmal auch Beweissicherungsvideos. So habe er als Ausbildner an der Polizeischule jeweils ein Video vorgeführt, auf welchem sich eine junge Autolenkerin während mehreren Kilometern im Auto schminkt. Ihre Ausrede: «Sie habe verschlafen und sei auf dem Weg an ein Vorstellungsgespräch.»

Mit Verkehrsthemen alleine befasst sich die Verkehrspolizei aber schon längst nicht mehr. Wegen ihrem Schichtbetrieb werden Schaubs Leute immer häufiger als erstes aufgeboten. Beispielsweise bei häuslicher Gewalt. Anders als früher, würden weniger komplexe Fälle heute auch von den Verkehrspolizisten bearbeitet. Das Aufgabenspektrum wurde breiter.

Genau da möchte Schaubs Nachfolger Andreas Peyer ansetzen. «Ich möchte meine neuen Mitarbeiter darin fördern, selber Fälle zu lösen, die nicht ins Einsatzgebiet des Verkehrs gehören», sagt der 47-jährige Oberriedner, der in Adliswil aufwuchs.

Zuletzt leitete Peier den Posten der Regionalpolizei in Wädenswil. Der Wechsel in den Verkehrsstützpunkt Neubüel, wo er ab nächster Woche Chef ist, sei für ihn aber ein «Heimkommen». Denn hier war er bereits einmal während fünf Jahren stationiert. Peier weiss also nur zu gut, was ihn erwarten wird.

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