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Der Kopf sagt Ja

Daniela Haag zur Fusions-Abstimmung vom 21. Mai in Wädenswil, Schönenberg und Hütten.

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Keine andere Frage hat die Gemüter in Hütten und Schönenberg in den letzten Jahren so bewegt, wie die Frage nach ihrer Zukunft. Sollen sie sich mit Wädenswil zusammenschliessen, sollen sie eigenständig bleiben? Diese Frage wird am 21. Mai an den Urnen in den drei Gemeinden entschieden.

Konsequenzen hat ein Zusammenschluss der drei Nachbargemeinden insbesondere für die Bevölkerung in Schönenberg und Hütten. Ihre Gemeinden würden politisch in der Stadt Wädenswil aufgehen. So ist auch verständlich, dass in den Berggemeinden nicht nur die Fakten ausschlaggebend sind bei der Meinungsbildung, sondern auch Emotionen. Was heisst es, wenn die Gemeinde aufgelöst wird, wenn man sich nicht mehr an der Gemeindeversammlung trifft und wichtige Entscheide fällt, wenn man in die Stadt fahren muss für eine Ausweisverlängerung? Fühlen sie sich wie eine frisch verheiratete Frau, die den Namen ihres Mannes angenommen hat? Oder wie ein Flüchtling auf einem fremden Kontinent? Es ist nachvollziehbar, dass es schwierig ist, ein Stück seiner Identität abzugeben. Das Bauchgefühl sagt Nein zu einem Zusammenschluss. Das gilt es auch zu respektieren.

Bei einem Entscheid sollte aber nicht nur der Bauch mitreden, sondern auch der Kopf. Die Fakten sprechen für einen Zusammenschluss. Die Rahmenbedingungen machen den kleinen Gemeinden das Leben schwer. Sie müssen ihre Eigenständigkeit teuer bezahlen. Zudem stossen sie organisatorisch und personell rasch an Grenzen. Hütten ist finanzschwach und auf einen grösseren und stärkeren Partner angewiesen. Bei einem Alleingang droht der Steuerfuss in die Höhe zu schnellen. In Schönenberg stehen nicht die finanziellen Sorgen im Vordergrund. Noch nicht. Aber die Gemeinde hat offensichtlich grosse Mühe, genug fähige Leute für eine funktionstüchtige Verwaltung und einen konstruktiv zusammenarbeitenden Gemeinderat zu finden.

Tatsache ist, die beiden Gemeinden sind nicht gut genug aufgestellt, um die wachsenden Herausforderungen und neuen Aufgaben in einem immer komplexeren Umfeld meistern zu können. Rational betrachtet ist ein Zusammenschluss ein sinnvoller Weg. Die Bevölkerung in den Berggemeinden könnte in eine stabile Zukunft blicken. Gleichzeitig entsteht für Wädenswil kein Nachteil. Die Stadt wäre solidarisch mit den befreundeten Nachbarn, mit denen sie in wichtigen Bereichen, allen voran der Sekundarschule, seit langem erfolgreich zusammenarbeitet.

Klar ist, für alle drei Gemeinden wäre ein Zusammenschluss eine Zweck-Verbindung. Hütten erhielte finanzielle Sicherheit, Schönenberg Stabilität und Wädenswil als drittgrösste Stadt im Kanton mehr Bedeutung. Die Liebe und die neue Identität müsste noch gedeihen. Die Braut müsste sich an den neuen Namen gewöhnen - um beim Bild der Heirat zu bleiben.

Für eine erspriessliche Zukunft der Grossgemeinde Wädenswil ist die grosse Liebe aber nicht einmal notwendig. Gegenseitiger Respekt und Achtsamkeit hingegen schon.

Erstellt: 12.05.2017, 15:01 Uhr

Daniela Haag, Leiterin Zürichsee-Zeitung, Ausgabe Bezirk Horgen. (Bild: Archiv ZSZ)

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