Wildnis

Der König der Wälder wandert im Sihltal

Pro Natura hat für 2017 den Rothirsch zum Tier des Jahres gewählt. Dieser ist seit den sechziger Jahren im Sihlwald und entlang der Albiskette verbreitet. Trotz Jagderlaubnis und einigen Verkehrsunfällen hat sein Bestand seither ständig zugenommen.

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Rothirsche findet man an verschiedenen Orten im Bezirk: nicht nur auf dem Wappen der Gemeinde Hirzel und im Tierpark Zürich Langenberg, sondern auch in freier Natur an verschiedenen Orten im Sihlwald. Die Anzahl Wildtiere mit dem unverkennbaren und bis zu acht Kilogramm schweren Geweih schätzt Pro Natura auf schweizweit 35 000 Exemplare. Wie viele davon im Sihlwald leben, lässt sich nicht genau sagen, sagt Roland Graf, Leiter der Forschungsgruppe Wildtiermanagement (WILMA) an der ZHAW in Wädenswil. Die Zahl schwanke aufgrund der Wanderfähigkeit der Tiere im Jahresverlauf. Rothirsche wandern von geeigneten Sommer- in Winterlebensräume und umgekehrt und pedneln zwischen ruhigen Tageslagern und Nachtweiden mit gutem Futter. Sie sind deshalb dauernd unterwegs.

Mit der Wahl zum Tier des Jahres möchte Pro Natura auf die stark zerschnittene Landschaft der Schweiz aufmerksam machen, die viele Wildtiere vor immer grössere Probleme stellt. Mitte des 19. Jahrhunderts war das grösste Wildtier der Schweiz landesweit komplett ausgerottet. Ab 1870 fand die Wiederbesiedlung von Österreich her statt. In das Sihltal und die Region rund um die Albiskette sind Rothirsche von Südosten her eingewandert. Vermutlich über den Höhronen, die bewaldete Hügelkette südlich von Hütten, erreichten die ersten Tiere in den sechziger Jahren den Kanton Zürich.

Gute Bedingungen im Sihltal

Seither hat der Rothirschbestand laufend zugenommen. «Besonders ab 2010 verdichten sich die Nachweise und der Rothirsch dürfte seither permanent im Sihlwald anzutreffen sein», sagt Graf. Dies war ein Hauptresultat einer Masterarbeit, welche Graf 2013 betreute. Ziel der Arbeit war, eine bessere Übersicht des Rothirschbestandes und dessen Aufenthaltsorten im Sihltal und entlang der Albiskette zu erhalten. Unter anderem stützte sich die Forschungsgruppe auf Bilder von 19 Fotofallen, welche systematisch im gesamten Gebiet des Sihlwalds aufgestellt wurden.

Im Sihltal herrschen gute Lebensbedingungen für Rothirsche, fasst die Studie zusammen. Obwohl die Kernzone im Sihltal klein ist, ergibt sich für die Wildtiere die Möglichkeit weiter nach Norden entlang der Albiskette bis nach Birmensdorf zu wandern. «Der Rothirsch wird den Sihlwald und seine Umgebung zunehmend besiedeln», erwartet Graf.

Autos gefährlicher als Gewehr

Je mehr Hirsche in den Bezirk kommen, desto grösser ist die Gefahr für Wildunfälle. In den letzten vier Jahren gab es auf der Sihltalstrassse acht Verkehrsunfälle mit Rotwild. Die Unfälle passierten in der Regel kurz vor oder nach Mitternacht. «Zwei Hirsche flüchteten trotz ihrer schweren Verletzungen in den Wald und konnten erst nach intensiver Suche von Jägern aus der Region von ihrem Leiden erlöst werden. Bei den Unfällen ist noch nie eine Person ernsthaft verletzt worden. An den Fahrzeugen entstand jedoch mehrheitlich Totalschaden», sagt Hans Gantenbein, Obmann der Jagdgesellschaft Langnau. Rückblickend habe es auch früher alle paar Jahre einen Verkehrsunfall mit Rotwild gegeben. Aber in den letzten vier Jahren sei eine Zunahme der Wildtiere im Sihltal eindeutig bemerkbar.

Der Rothirsch ist in der Schweiz zur Jagd freigegeben. Die Bejagung des Rotwilds sei klar geregelt, sagt Gantenbein. «Die Einhaltung der Bejagung wird durch die kantonale Jagdverwaltung strengstens kontrolliert. Jeder Abschuss muss ihr umgehend gemeldet werden», sagt der Obmann. Dies passiert allerdings nicht allzu häufig: In den letzten vier Jahren konnte die Jagdgesellschaft einen einzigen Rothirsch erledigen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 30.01.2017, 15:48 Uhr

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