Richterswil

Der Pfarrer, der jeden Morgen im See schwimmt

Nebst Kaffee, Dusche und Morgengebet hat der katholische Pfarrer Mario Pinggera ein weiteres Ritual am frühen Morgen: Täglich schwimmt er im Zürichsee. Das ganze Jahr hindurch.

Der Regen hält Pfarrer Mario Pinggera nicht vom Schwimmen im Zürichsee ab.

Der Regen hält Pfarrer Mario Pinggera nicht vom Schwimmen im Zürichsee ab. Bild: David Baer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Aussergewöhnlich ist es eigentlich nicht, frühmorgens im See schwimmen zu gehen. Bei schönem, warmem Sommerwetter. Dass es aber auch eine Wohltat sein kann, im grössten Hudelwetter oder bei eisigen Temperaturen in den Zürichsee zu steigen, vermag viele zu verwundern. Und dennoch gibt es sie, die Ganzjahresschwimmer. Der katholische Richterswiler Pfarrer Mario Pinggera ist einer von ihnen.

Jeden Morgen spaziert er, mit dem Badetuch über der Schulter, vom Pfarrhaus hinunter zum Richterswiler Horn. «Im Sommer bin ich bereits vor sechs Uhr unterwegs, im Winter erst gegen sieben», sagt der Priester. Seit nunmehr mehr als zehn Jahren gehört dies zu seinem Morgenritual. «Ich suchte etwas, um mich körperlich zu betätigen. Und so begann ich im März 2007, täglich schwimmen zu gehen.»

Eine lebensnahe Erfahrung

Wie ausgedehnt das Schwimmen ausfällt, hängt mit der Jahreszeit zusammen. «Im Sommer sind es ungefähr zwanzig Minuten», sagt Pinggera. Die Strecke variiert, mal führt sie zur Hornspitze, mal zu einer Boje oder zu einem Boot. Meist schwimmt er allein und geniesst dabei die Stille und die Natur. «Umgeben vom Wasser des Lebens kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen.» Etwas Aussergewöhnliches ist dabei noch nie passiert. Überraschend seien jeweils nur die Momente, in welchen er zufälligerweise einen Fisch berühre.

«Im Winter sind es maximal dreissig Schwimmzüge.»Mario Pinggera

Je kürzer die Tage werden, desto kürzer werden auch die Aufenthalte im Wasser. «Im Winter sind es maximal dreissig Schwimmzüge.» Wie es sich im Stockdunkeln anfühlt, bei Minustemperaturen barfuss in den Schnee zu treten und danach in das eisig kalte Wasser einzutauchen, beschreibt Pinggera als extremes Gefühl. «Zuerst aktiviert die Kälte die Füsse und dann braucht es etwas Überwindung.» Er laufe einfach geradeaus ins Wasser. «Es hat etwas sehr Lebensnahes. Wenn der Körper zu heizen beginnt, ist es eine unglaubliche Aktivierung des ganzen Systems.»

Fast nichts hält ihn davon ab

Tiefe Wassertemperaturen halten Mario Pinggera nicht vom täglichen Schwimmen ab. So auch nicht im Februar 2011, als der Zürichsee nur noch zwei Grad warm — oder besser: kalt — war. Nur die Kombination von Bise und Temperaturen unter null ziehen ihm in den Wintermonaten gelegentlich einen Strich durch die Rechnung. Zu gesundheitsschädigend sei diese Wetterlage.

Das Schwimmen des katholischen Priesters geht nicht an allen Badenden unbemerkt vorbei. So habe er in der Vergangenheit schon erstaunte Blicke erlebt. Aber lächelnd winkt Mario Pinggera ab: «Die Leute gewöhnen sich daran, dass auch ein Pfarrer schwimmen geht.» Und doch gelten für den Kleriker ungeschriebene Regeln, die er aus Rücksicht auf andere befolgt. So achte er beispielsweise darauf, wenn möglich nicht schulterfreie Shirts zu tragen, da dies schon zu Reklamationen geführt habe.

Am Schwimmen hindern ihn diese «Regeln» aber nicht. Und so wird er auch weiterhin frühmorgens im See schwimmen gehen und das — wie alle anderen auch — in Badehose. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.07.2017, 16:49 Uhr

Sommerserie – Exoten gefunden (2/7)

Die «Zürichsee-Zeitung» hat sie gesucht und gefunden: Exoten, die einem ausgefallenen Hobby nachgehen oder eine Leidenschaft für etwas Spezielles hegen. In unserer Sommerserie stellen wir Menschen aus der Region vor, die eine nicht alltägliche Freizeitbeschäftigung ausüben. (red)

Artikel zum Thema

Der Junge mit den Zauberhänden

Horgen Der 16-jährige Steve Springer löst den Rubik-Würfel innert Sekunden. In einer Woche misst er sich an den Weltmeisterschaften in Paris mit den Besten im sogenannten Speed-Cubing. Mit seinem Talent für den Zauberwürfel geht eine andere – erstaunliche – Fähigkeit einher. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare