Wetter

Der kalte November war eigentlich zu warm

Schnee, Wind und Kälte: So wird der diesjährige November in Erinnerung bleiben. Allerdings täuscht der Eindruck. Klimatologisch war der Monat zu warm.

Der November war oben zu kalt und unten zu warm: Blick vom linken Zürichseeufer (Oberrieden) Richtung Glarneralpen.

Der November war oben zu kalt und unten zu warm: Blick vom linken Zürichseeufer (Oberrieden) Richtung Glarneralpen. Bild: Patrick Gutenberg

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Der Himmel ist tief mit Wolken verhangen, eine zügige Bise weht um die Häuser und Flocken tanzen vom Himmel: Als kalt und winterlich wird dieser November wohl den meisten Bewohnern der Zürichseeregion in Erinnerung bleiben.

Allerdings täuscht der Eindruck: In den tieferen Lagen des Mittellandes (unterhalb 1000 Meter) war der November nämlich zu warm. An der Messstation Wädenswil lag die Tages-Durchschnittstemperatur bei 5,1 Grad – und damit 0,4 Grad über der Norm der Referenzperiode 1981 bis 2010. «Dieser November war also nicht kalt, sondern eher durchschnittlich», sagt Stephan Bader, Klimatologe von Meteoschweiz.

Erstellt man eine «Hitliste» der kältesten November seit Messbeginn (1981) in Wädenswil, dann landet der November 2017 nur auf Rang 20 (in 37 Messjahren). Den kältesten November erlebte die Region demnach im Jahr 1985. Damals brachte es der Herbstmonat auf eine Tages-Durchschnittstemperatur von 1,8 Grad.

Die zehn kältesten Novembermonate seit Messbeginn in Wädenswil (Tages-Durchschnittstemperatur in Grad):

  • 1985, 1.8
  • 1993, 1.9
  • 1999, 2.2
  • 1998, 2.2
  • 1988, 3.0
  • 1989, 3.1
  • 2007, 3.4
  • 2001, 3.4
  • 1983, 3.8
  • 1995, 4.0

Dass dieser November zu warm war mag angesichts des oftmals garstigen Wetters in den letzten Wochen unverständlich sein. Meteorologisch ist es aber erklärbar.

Die Kaltfronten, welche die Zürichsee-Region in diesem November mehrfach erreichten, kamen meistens aus Nordwesten. Die dazu gehörenden Luftmassen waren arktischen Ursprungs. Allerdings überquerte diese Polarluft auf ihrem Weg zum Alpenraum die rund 10 Grad warme Nordsee – und wurde so deutlich abgemildert.

Was letztlich im Alpenraum und damit auch am Zürichse ankam war zwar kühl – aber es reichte eben nicht aus, um die Schneefallgrenze ganz bis ins Flachland sinken zu lassen.

So äusserte sich Meteorologe Jörg Kachelmann – etwas genervt gegenüber der Darstellung in gewissen deutschen Medien – zur in diesem Artikel beschriebenen Thematik...Quelle: Twitter

So wird auch klar, warum sich eine geschlossene Schneedecke in den letzten Tagen nur oberhalb von etwa 600 bis 700 Höhenmetern ausbilden konnte. In den mittleren und hohen Lagen fällt die Novemberbilanz dann auch entsprechend anders aus als im Flachland. In der Höhe war der Monat tatsächlich zu kalt.

«Hudelwetter» ist nicht gleich Flachlandwinter

Das bestätigt eine alte meteorologische Faustregel: Nordwestlagen bringen zwar windiges «Hudelwetter», aber in der Regel keine sehr tiefen Temperaturen.

Dafür muss die Luft aus einer anderen Richtung kommen. Bei Kaltlufteinbrüchen aus Osteuropa oder Russland überquert die herangeführte Luft keine grösseren Wasserflächen und wird demnach auch nicht erwärmt. Was sich also im Osten Europas kalt auf den Weg macht, kommt am Zürichsee auch kalt an.

So kam auch der November 1985 zustande, der in Wädenswil der kälteste seit Messbeginn war. Ab etwa der Monatsmitte wurden zunächst kalte Luftmassen aus Russland in die Zürichseeregion geführt – und liessen die Temperatur weit unter den Gefrierpunkt sinken. Vom 25. bis 28. November 1985 folgte dann zusätzlich noch Arktisluft aus Norden nach. (zsz.ch)

Erstellt: 30.11.2017, 15:30 Uhr

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