Thalwil

Ums Gemeindepräsidium bewerben sich ein Visionär und ein Menschenfreund

Politneuling Adrian Kübler (parteilos) macht Gemeindepräsident Märk Fankhauser (FDP) sein Amt streitig. Wie sich im Gespräch zeigt, sind sie sich vor allem in Fragen zum Politsystem und zum Zentrum uneins.

Märk Fankhauser und Adrian Kübler (rechts): Der Gemeindepräsident und sein Herausforderer teilen trotz Differenzen eine Vision.

Märk Fankhauser und Adrian Kübler (rechts): Der Gemeindepräsident und sein Herausforderer teilen trotz Differenzen eine Vision. Bild: Sabine Rock

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Adrian Kübler, Sie sind ein politischer Quereinsteiger. Weshalb soll man Ihnen das Gemeindepräsidium anvertrauen?
Adrian Kübler: Das stimmt, ich habe mich bisher nicht in der Kommunalpolitik engagiert. Sie hat mich auch nicht gross interessiert, solange ich als Verwaltungsprofi in der ganzen Schweiz unterwegs war. Ab 2005 war ich jedoch wieder mehr in Thalwil und habe mich in der Kirchenpflege und als Freiwilliger engagiert. Nun kandidiere ich fürs Gemeindepräsidium, auch weil ich den Thalwilern eine Auswahl ermöglichen will.

Märk Fankhauser, haben Sie damit gerechnet, Konkurrenz zu erhalten?
Märk Fankhauser: Ich habe mich schon gefragt, ob jemand gegen mich antritt. Von meinen Ratskollegen wusste ich, dass niemand das Präsidium anstrebt. Sich Kollegen zu stellen ist natürlich etwas anderes als einem Quereinsteiger, aber es ist okay. Mit denen, die gewählt werden, arbeite ich gerne zusammen.

Adrian Kübler, wie häufig waren Sie in den letzten Jahren an Gemeindeversammlungen?
Kübler: Das kann man an einer Hand abzählen. Als Präsident oder Gemeinderat müsste ich natürlich hingehen, klar. Die Gemeindeversammlung ist jedoch eine Institution, die mich für Thalwiler Verhältnisse nicht enorm überzeugt. Um ihre Repräsentativität ernst nehmen zu können, müssten zwei- bis dreitausend Leute erscheinen. Ein Parlament wiederum wäre überdimensioniert für Thalwil.

Was wäre besser?
Kübler: Die beste Lösung wäre, über alle wichtigen Geschäfte an der Urne zu befinden. Im Übrigen sollte man den Gemeinderat auf sieben Köpfe reduzieren, und dann würde ich als Präsident gerne eine neue Idee einführen. Mir schwebt ein halbjährliches Diskussionsforum vor, das Behörden und Bevölkerung zusammenbringt. Auch Nicht-Stimmberechtigte könnten daran teilnehmen und Themen einbringen.

Märk Fankhauser, was halten Sie von dieser Idee?
Fankhauser: Das neue Gemeindegesetz lässt solche vorberatenden Gemeindeversammlungen tatsächlich zu. Sie sind gedacht, um der Bevölkerung den Puls zu fühlen, bevor man eine Weisung erarbeitet. Wir handhaben das so, dass wir vor jeder Urnenabstimmung eine Informationsveranstaltung und zu grossen Geschäften wie zum Beispiel der Seeuferplanung eine Mitwirkungsveranstaltung abhalten. Ich habe noch nie gehört, dass sich die Thalwiler zuwenig einbezogen fühlen. Ich persönlich bin übrigens ein grosser Fan von Gemeindeversammlungen und der Debatte, die wir in Thalwil auf eine sehr gute Weise führen.

Adrian Kübler schlägt vor, den Gemeinderat zu verkleinern. Wie stehen Sie dazu?
Fankhauser: Auch ich finde, dass wir den Gemeinderat auf sieben Räte verkleinern sollten. Letztes Jahr stellte ich einen entsprechenden Antrag, aber die Ratsmehrheit fand, dies sei zu früh.

«Ich bin ein grosser Fan von Gemeindeversammlungen und der Debatte.»Märk Fankhauser

Adrian Kübler, was könnten Sie als Quereinsteiger besser machen als Märk Fankhauser?
Kübler: Er ist sicher kein schlechter Gemeindepräsident und die Verwaltung läuft gut. Ich würde gewisse Dinge einfach anders anpacken und mich dabei bestimmt schnell zurechtfinden. In meiner Karriere wechselte ich etwa achtmal den Job und ich denke, wer nach drei Monaten den Job nicht begriffen hat, begreift ihn nie. Dass immer die gleichen Leute in den Kommissionen oder der Exekutive sitzen, schreckt andere Leute ab zu kandidieren. Die Ochsentour, sich in der Partei und danach in Kommissionen hochzuarbeiten, sollte nicht der einzige Weg sein. Ich fände auch ein Mix aus Neuzuzügern und Urthalwilern gut.

Märk Fankhauser, Sie sind in Thalwil seit fast 30 Jahren politisch tätig. Wie steht es um Ihre Ideen und Visionen?
Fankhauser: Ich habe keine verrückten Visionen wie zum Beispiel eine Seilbahn vom See in den Etzliberg. Der Gemeinderat ist nicht dazu da, Neues zu erfinden. Alles, was wir tun müssen, ist für das Gemeinwohl zu sorgen und Möglichkeiten zu schaffen, damit sich die 140 Vereine und Organisationen unseres Dorfs entwickeln können. Sie müssen die Visionen haben. Potenzial, Thalwil weiter zu entwickeln, haben wir beispielsweise im Zentrum oder am See.

Reicht Ihnen das, Adrian Kübler?
Kübler: Ich liebe Visionen. Natürlich muss eine Strategie dahinter sein und es wäre mein Führungsanspruch, eine solche zu entwickeln und der Bevölkerung zu unterbreiten. Man muss den Leuten da auch etwas anbieten.

Fankhauser: Wir haben ja eine Strategie in Form von Legislaturzielen und einem Leitbild. Im Rahmen der Nachhaltigkeitsentwicklung führten wir letzthin mit 30 Leuten aus Kultur, Politik, Sport, Jugend, Wirtschaft und Gesellschaft eine Wertediskussion über 113 mögliche Handlungsfelder in Thalwil durch.

Adrian Kübler, haben Sie eine konkrete Vision?
Kübler: Thalwil soll eine Vorzeigegemeinde werden. Man soll sagen können, das ist typisch für Thalwil. Andere Gemeinden haben ein Gottlieb-Duttweiler-Institut, eine Schoggifabrik, einen Wildnispark. Ein solches Alleinstellungsmerkmal kann man natürlich nicht aus dem Boden stampfen, aber man sollte wenigstens versuchen, an einem attraktiven Profil zu arbeiten.

Was wäre für Thalwil möglich?
Kübler: Ich wünsche mir zum Bespiel ein richtig gutes, konsolidiertes Kultur-Saisonprogramm. Die Kulturschaffenden müssten dafür zusammenarbeiten und man könnte ihnen vielleicht sogar ein Globalbudget geben. Das ist sinnvoller, als wenn die Gemeinde einzelne Veranstalter und Künstler subventioniert. Wir haben zwar die Kulturtage, der Zweijahresrhythmus ist mir da aber zu eng.

Ein naheliegendes Alleinstellungsmerkmal Thalwils wäre die Gotthardstrasse als Einkaufsmeile. Allerdings liegen die Pläne fürs Zentrum brach.
Kübler: Die Thalwiler lehnten im Juni 2016 eine Begegnungszone ab. Das Zentrum ist seit Jahrzehnten gleich hässlich, aber anscheinend herrscht Konsens, dass der Status quo besser ist als alles, was bisher vorgeschlagen wurde. Das sollte man respektieren. Auch aus betriebsökonomischen Gründen bin ich deshalb für ein mindestens zehnjähriges Moratorium. Ich könnte mich allerdings mit der Idee anfreunden, die Gleise zu überdachen. Ob das möglich ist, weiss Märk Fankhauser besser als ich.

Fankhauser: Wie ich gehört habe, lehnt die SBB diese Idee aus Sicherheitsgründen strikt ab. Ich habe mich in diesen Prozess nie eingemischt, weil wir diese Stellungnahme der SBB haben. Das Thema Zentrumsplanung beschäftigt uns seit 25 Jahren. Aber ich frage mich: Weshalb auf den grossen Wurf warten? Zwischen Migros und Vanoli hat es keine einzige Sitzbank. Warum verbessern wir die Aufenthaltsqualität nicht in kleinen Schritten? Das stört nicht einmal Adrian Küblers Moratorium. Für mich nicht diskutierbar sind die Parkplätze, die müssen bleiben.

Sie glauben, dass an der Strasse neben den Parkplätzen jemand sitzen will?
Fankhauser: Ja, zum Beispiel im Bereich der Credit Suisse, ist das Trottoir überbreit. Da können wir Sitzbänke hinstellen. Das Grundproblem in der Zentrumsplanung ist ja, dass die Gemeinde immer nur Bittstellerin ist, ihr gehört nichts.

Bleiben wir bei den Visionen. Ihnen, Adrian Kübler, schwebt eine Vision von einer Stadt Zürichsee-West vor.
Kübler: Um die Kapazitäten der Gemeinden zu bündeln, stellt sich die Frage, ob es nicht Sinn macht, sich zusammenzutun. Die Identitätsunterschiede zwischen Richterswil und Kilchberg sind nicht so gross. Natürlich ist so ein Zusammenschluss nicht von einem auf den anderen Tag möglich.

Fankhauser: Ich halte dies für eine gute Idee. An der Gemeindepräsidentenkonferenz habe ich einmal die Idee von einem Gebilde, einer Stadt Zimmerberg, aufgebracht. Meine Idee wäre, dass die Exekutivmitglieder der Gemeinden das Parlament bilden würden.

«Um die Kapazitäten der Gemeinden zu bündeln, stellt sich die Frage eines  Zusammenschlusses.»Adrian Kübler

Wie kam Ihre Idee an?
Fankhauser: Sie wurde amüsiert aufgenommen, als Bieridee. Fakt ist: In vielen Bereichen arbeiten wir schon heute zusammen und würden bei einer vermehrten Zusammenarbeit Geld sparen. Ich würde natürlich nicht Präsident dieser Stadt werden, in vier Jahren würde ich mein Amt abgeben.

Die nächste Legislatur wäre Ihre letzte Amtszeit?
Fankhauser: Ja, ich werde auch bald ordentlich pensioniert. In dieser Hinsicht bin ich ein Parteimensch und sage, wenn man pensioniert ist, muss man aufhören zu politisieren. Ich finde es wichtig, der nachfolgenden Generation Platz zu machen und die Möglichkeit zum Politisieren zu geben.

Angenommen Sie verlieren gegen Adrian Kübler und werden nur noch als Gemeinderat gewählt. Lehnen Sie die Wahl ab?
Fankhauser: Ich würde die Wahl zum Gemeinderat annehmen. Aber ich gehe natürlich davon aus, dass ich wiedergewählt werde. Ich denke, in den letzten vier Jahren bin ich für viele, die gegen mich oder die FDP waren, zu ihrem Gemeindepräsidenten geworden. Sie haben gesehen, wie ich bin und dass ich mich engagiere.

Sie glauben also nicht, dass Adrian Kübler Ihre Wiederwahl gefährden kann.
Fankhauser: Viele Leute haben mir gesagt, seine Kandidatur sei wohl reine Taktik. Indem er als Gemeindepräsident kandidiert, erhält er mehr Aufmerksamkeit und erhöht seine Chance, als Gemeinderat gewählt zu werden.

Kübler: Das ist nicht meine Taktik, das wäre allenfalls ein Nebeneffekt.

Wie steht es mit Ihnen, Adrian Kübler, würden Sie auch als Gemeinderat in der Exekutive Einsitz nehmen?
Kübler: Wenn ich deutlich gewählt werde, wäre meine Motivation natürlich grösser, als wenn ich nur wenige Stimmen mache. Ich gebe offen zu, dass meine Entscheidung auch beeinflusst würde durch das Ressort, das ich erhielte. Würde ich Bau oder Liegenschaften übernehmen müssen, wäre niemandem gedient. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 26.03.2018, 15:13 Uhr

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