Wädenswil

Der ehemalige Bademeister fühlt sich von der Stadt verraten

Die Tage sind kürzer, die Temperaturen kühler – nur im Wädenswiler Badikonflikt kochen die Emotionen nach wie vor hoch. Nun spricht der Bademeister.

Konfliktzone Bretter-Badi:  So friedlich wie auf dem Bild geht es hinter den Kulissen nicht zu und her.

Konfliktzone Bretter-Badi: So friedlich wie auf dem Bild geht es hinter den Kulissen nicht zu und her. Bild: Moritz Hager

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Die Badesaison neigt sich bereits ihrem Ende zu – anders der Konflikt in der Wädenswiler Bretter-Badi: Nun meldet sich einer zu Wort, der sich bisher in der Öffentlichkeit nicht zum Thema äussern wollte. Patrick Theiler, der ehemalige Bademeister, der in der Zeitung von verschiedenen Stammkundinnen kritisiert wurde, erhebt seinerseits happige Vorwürfe gegen die Stadt und den zuständigen Stadtrat Jonas Erni (SP).

Doch spulen wir zuerst zurück: Seinen Anfang nahm die Geschichte, als die Badi an einem heissen Sonntag Anfang August wegen Krankheit des Bademeisters geschlossen blieb. Der Konflikt im Hintergrund tobt allerdings schon viel länger. Mehrere Leserinnen meldeten sich bei der ZSZ und äusserten Kritik am Zustand der Badi und an der Person des Bademeisters. Dieser soll einige der Stammkundinnen als «Krampfadermafia» bezeichnet haben. Zum Eklat kam es dann vor einigen Tagen, als Patrick Theiler die Badi als Privatperson aufsuchte und einer der Damen mehrfach den Mittelfinger zeigte. Diese hat daraufhin eine Anzeige bei der Kantonspolizei Zürich erstattet.

Unangenehme Berührungen

«Dass ich der Dame zweimal den Stinkefinger gezeigt habe, dazu stehe ich», sagt Theiler. «Ich halte es für richtig und würde es jederzeit wieder tun.» Er verweist zudem darauf, dass die Betreffende ihm ebenfalls den Mittelfinger gezeigt hat. Was aber hat ihn derart wütend gemacht? Die Geschichte, die er in einem Brief an die ZSZ schreibt, lässt die bisherigen Ereignisse in einem neuen Licht erscheinen.

«Dass ich der Dame den Stinkefinger gezeigt habe, dazu stehe ich. Ich halte es für richtig und würde es jederzeit wieder tun.» Patrick Theiler, ehemaliger Bademeister

Es geht um Lügen, Intrigen, abfällige Äusserungen und Belästigungen. «Die Damen massregeln die anderen Badegäste, uns Bademeister, ja sogar die Stadt als Besitzerin der Bretter-Badi.» Unzählige Badegäste, schreibt Theiler weiter, hätten ihm erzählt, dass sie wegen der Machenschaften der Badifrauen nicht mehr auf der Damenseite verkehren und ihren Tag lieber im gemischten Bereich verbringen würden. Auch von rassistisch interpretierbaren Äusserungen gegenüber anderen Gästen und einzelnen Damen, die die Bademeister auf eine als unangenehm empfundene Weise angefasst hätten, ist die Rede. Ein anderer Bademeister, der vor einem Jahr in der Bretter-Badi gearbeitet hat, inzwischen aber nicht mehr für die Stadt Wädenswil tätig ist, erzählt von älteren Frauen, die ihm wiederholt angeboten hätten, seinen Rücken einzucremen. In der Zeitung möchte er nicht namentlich genannt werden, bestätigt aber Theilers Geschichte.

Erni wusste vom Konflikt

Besonders brisant: Sowohl Theiler als auch sein Kollege sagen, dass sie Jonas Erni (SP) und Sebastian Epp, den Leiter der Abteilung Sicherheit und Gesundheit, mehrfach auf die Probleme hingewiesen hätten. «Sie wollten die Probleme unter den Teppich kehren», ist Theiler überzeugt. Vielleicht habe Erni Angst gehabt, die Damen würden gegen ihn mobilisieren und er würde Wählerstimmen verlieren. «Oder sie wollten das Problem einfach lieber in der Badi als im Stadthaus haben.»

Von seinem ehemaligen Arbeitgeber fühlt er sich verraten. «Ich bin sehr enttäuscht, besonders von Jonas Erni.» Die Stadt habe ihm einen Maulkorb verpasst und gesagt, er dürfe sich nicht selbst wehren oder eigene Entscheidungen zum geregelten Betrieb fällen. «Zugleich ist die Stadt aber nicht eingeschritten.»

«Jonas Erni wollte die Probleme unter den Teppich kehren.»Patrick Theiler, ehemaliger Bademeister

Auf Anfrage bestätigen sowohl Epp als auch Erni, dass sie vom Konflikt wussten. «Ich habe mit Patrick Theiler mehrere Gespräche geführt, bei denen es auch um die besagten Damen ging», sagt Abteilungsleiter Epp. Mit den Damen habe der Leiter der Bäder, Adrian Kähr, das vermittelnde Gespräch gesucht. Über strafrechtlich relevante Tatbestände in der Bretter-Badi sei weder Erni noch Epp je etwas zu Ohren gekommen. «Wäre das der Fall gewesen, hätte das für die betreffende Person sowohl strafrechtliche Folgen als auch ein Hausverbot zur Folge gehabt», sagt Erni. Er verweist zudem auf die Badeordnung der Stadt Wädenswil. Unter Punkt zehn heisst es: «Die Bademeister können, sofern es ein geordneter Betrieb verlangt, weitere vorübergehende Anordnungen treffen, welche zu befolgen sind. Sie sind ausdrücklich ermächtigt, Besuchende, welche sich ungebührlich benehmen, wegzuweisen.» Fakt ist, dass ein solches Hausverbot nie erteilt wurde.

Sanierung geplant

Mittlerweile wurde Theilers Arbeitsverhältnis mit der Stadt einvernehmlich aufgelöst. Im Winter führt die Stadt Sanierungsarbeiten an der Liegenschaft aus. Alle Beteiligten hoffen, dass nun Ruhe in die Kriegszone Bretter-Badi einkehrt. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 23.08.2018, 20:08 Uhr

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