Horgen

Der Dorfcharakter erleichterte ihnen die Arbeit

Gleich zwei Kadermitarbeiter der Gemeinde Horgen gehen in Pension. Roger Herrmann arbeitete fast 44 Jahre lang als Schulsekretär. Karl Conte leitete die Abteilung Alter und Gesundheit während zehn Jahren.

Mit Roger Herrmann (links) und Karl Conte gehen zwei verdiente Mitarbeiter der Gemeinde Horgen in Pension

Mit Roger Herrmann (links) und Karl Conte gehen zwei verdiente Mitarbeiter der Gemeinde Horgen in Pension Bild: André Springer

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«Nein, die Stelle wechseln wollte ich nie», sagt Abteilungsleiter Roger Herrmann. Seit Abschluss der Rekrutenschule arbeitet er für die Gemeinde Horgen, zuerst auf dem Sozialamt, seit 33 Jahren als Schulsekretär. Er sei hier aufgewachsen, wohne bis heute im «Dorf», sei verbunden mit den Vereinen und könne den Arbeitgeber nur loben. Darum sei er während des gesamten Berufslebens bei der Gemeinde in Horgen geblieben.

Auch Karl Conte, der während zehn Jahren die Abteilung Alter und Gesundheit und damit auch das Begegnungszentrum Baumgärtlihof leitete, lobt das Dorf: Hier kenne man sich noch und helfe sich darum gegenseitig. Beide Männer, die nun pensioniert werden, nennen die Gemeindeversammlung als ein gutes Beispiel für gelebte Demokratie. Sie ermögliche das Gespräch und betone den Dorfcharakter.

Brückenschlag zwischen den Generationen

Während Roger Herrmann vor allem mit der Schulbehörde und den Eltern der Schulkinder in regem Austausch war, beschäftigte sich Karl Conte mit den Anliegen der älteren Generation. Obwohl die Kinder und die Pensionierten altersmässig weit auseinanderliegen, gebe es Berührungspunkte. Beide nennen etwa das Mehrgenerationenwohnen, das in Horgen etwa im Strickler-Areal gelebt und in der Überbauung Zentrum Tödi geplant werde. Auch das bewährte Programm Generationen im Klassenzimmer (GIK) der Pro Senectute zeige, dass der Brückenschlag über die Generationen gelinge.

«Ich war ein Verwalter mit Gestaltungsmöglichkeiten.»Roger Herrmann, Schulsekretär Horgen

Roger Herrmann ergänzt: «Ich war als Schulsekretär ein Verwalter mit Gestaltungsmöglichkeiten». Zwar musste er die Verordnungen, die für die rund 2250 Schulkinder und die 300 Lehrpersonen galten, gesetzeskonform umsetzen. Er habe aber immer wieder inhaltlich mitreden können, etwa bei der Aufstockung der Betreuungsaufgaben im Schulbereich oder bei der grosszügigen Regelung der Jokertage. Eine Herausforderung seien jeweils die rund 150 Gesuche der Eltern für spezielle Zuteilungen in bestimmte Schulhäuser und Klassen gewesen. Dass er eher im Hintergrund tätig war, kümmerte ihn nicht.

Grosse Veränderungen

Karl Conte hingegen trat häufig öffentlich auf, um die Bedürfnisse der älteren Menschen als Altersbeauftragter aufzuzeigen. Über die Arbeit im Begegnungszentrum Baumgärtlihof, dem einzigen Haus dieser Art im Bezirk Horgen, sagt er: «Wir hatten eine gewisse Narrenfreiheit zum Gestalten und Entwickeln von neuen Projekten.» Das habe ihm gefallen.

Im Betagtenbereich würden sich immer wieder neue Fragen stellen. Während beispielsweise vor rund 30 Jahren der Eintritt ins Altersheim mit 65 bis 70 Jahren so quasi ins Altershotel üblich gewesen sei, würde heute kaum noch jemand freiwillig in eine Institution wechseln. Conte sagt: «Heute ist es der klare Wunsch von älteren Menschen, möglichst lange selbstständig zu Hause zu wohnen.» Das könne zu Folgeproblemen führen: etwa zur Überforderung der betreuenden Angehörigen oder zur Verwahrlosung von Einzelpersonen, die trotz gesundheitlichen Einschränkungen keine Veränderung akzeptieren wollten. Darum unterstütze seine Abteilung diese Menschen stark.

«Wir hatten eine gewisse Narrenfreiheit bei neuen Projekten.»Karl Conte, Abteilungsleiter Alter und Gesundheit Horgen

Auch Roger Herrmann sieht sich mit gesellschaftlichen Veränderungen konfrontiert. Er sagt: «Zu Beginn meiner Zeit als Schulsekretär waren die Krippe und die Tagesschule noch ein rotes Tuch.» Heute seien diese Angebote längst akzeptiert. Er selber habe in diesem Punkt «früher eher traditionell und konservativ gedacht». Inzwischen akzeptiere er die Fremdbetreuung als berechtigtes Bedürfnis.

Viele Erinnerungen

Karl Conte schätzte in seinen letzten zehn Berufsjahren in Horgen «den bunten Strauss von Themen und Projekten», die er aufbauen und pflegen durfte. Schmunzeln kann er über sein mangelndes Namensgedächtnis, das ihm beim Begrüssen oft einen Streich spielte.

Roger Herrmann erzählt über die persönlichen Weihnachtsgrüsse, die ihn freuten, weil sie Wertschätzung für die Arbeit im Schulsekretariat bewiesen. Geärgert habe er sich aber, wenn Eltern ihn zu Hause «herausgeschellt» hätten, um einem Umteilungswunsch Nachdruck zu verleihen. Herrmann gibt zu: «Gerne hätte ich in meiner Karriere einmal ein Schulhaus eingeweiht, aber das ist mir leider verwehrt geblieben.» In besonderer Erinnerung blieb ihm ein zugezogener Vater aus Sri Lanka, der sich nach der in Horgen üblichen Schuluniform erkundigte. Der Schulsekretär antwortete: «Wir haben hier keine Uniformen, die Kinder können ganz normal zum Unterricht kommen.» (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 27.02.2019, 17:12 Uhr

Neustart in Horgen

Sigi Müller heisst die Nachfolgerin von Abteilungsleiter Roger Herrmann. Die neue Schulsekretärin ist seit dem 18. Februar auf der Gemeindeverwaltung tätig, um sich einzuarbeiten. Wann genau sich der noch amtierende Schulsekretär definitiv verabschieden wird, ist noch nicht bekannt. Die Nachfolge von Karl Conte übernimmt Dominic Bentz, der in Horgen am 1. März als Abteilungsleiter Alter und Gesundheit starten wird.

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