Thalwil

Der Computer als Brückenbauer

«Jung und Alt» so geläufig der Begriff, so selten kommt es zu einem echten Austausch, der über die Grosseltern-Enkel-Beziehung hinausgeht. Thalwil wagt das Experiment. Mit einem Helpdesk. Hier beantwortet etwa er Computerfragen der älteren Bevölkerung: der 13-jährige Thalwiler Cyrill Züger.

Was ist ein Hashtag?  Cyrill Züger beantwortet Computerfragen von Senioren im Jugendtreff Tuchhof. Eine Aktion der Gemeinde Thalwil, um den Generationenaustausch zu fördern.

Was ist ein Hashtag? Cyrill Züger beantwortet Computerfragen von Senioren im Jugendtreff Tuchhof. Eine Aktion der Gemeinde Thalwil, um den Generationenaustausch zu fördern. Bild: Manuela Matt

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Cyrill Züger hat drei Hobbys. Ein Typisches und zwei ungewöhnliche. In seiner Freizeit spielt der 13-Jährige Computerspiele, regelt als Kadette den Verkehr im Bezirk Horgen und berät Senioren bei Computer-Fragen. Bald ist Cyrill Züger bei Letzterem wieder in Aktion zu sehen: am Helpdesk im Thalwiler Jugendtreff — wenn Jung und Alt aufeinander treffen.

Hier hilft Cyrill Züger Senioren im Team mit drei anderen Teenagern, Computerprobleme zu lösen. Weshalb funktioniert die SBB-App nicht? Wie gestalte ich einen Brief mit der Tabulator-Funktion? Was ist ein Hashtag? Mit solchen Fragen wird Cyrill konfrontiert und er beantwortet sie souverän. Zum Beispiel: «Ein Hashtag ist eine virtuelle Markierung. Ich nenne ihn auch den ‹Leuchtstift des Internets›.» Inzwischen schreiben ihm einige Senioren und Seniorinnen auf Whatsapp, wenn der Compi oder das Smartphone wieder mal spukt.

Spicken leicht gemacht

Wie kam es, dass der Schüler im Kapuzenpulli für sie eine Ansprechperson wurde? Im Herbst fiel ihm auf dem Pausenplatz ein Flyer der Gemeinde Thalwil in die Hände: «Generationen-Nachmittag IT» war darauf zu lesen. An ausgewählten Nachmittagen stehen Thalwiler Teenagern der älteren Generation Thalwils beim Lösen von IT-Problemen zur Seite. Die Idee dahinter ist nicht etwa, die IT-Fähigkeiten von Thalwilern zu fördern, sondern den Generationenaustausch. Jugendarbeiterin Lea von Büren erklärt: «IT ist dafür ein passendes Thema, weil es für beide Generationen auf unterschiedliche Weise aktuell ist.» Positiv sei dabei, dass der Wissenstransfer für einmal von Jung zu Alt verlaufe — und nicht wie üblich in die andere Richtung.

Aber dieser Wissenstransfer ist offenbar nicht nur eine Einbahnstrasse, erzählt Cyrill Züger und ein Lächeln umspielt seine Lippen: «Wir erhielten ein paar Spick-Tipps.» Wie man etwa Lösungen unter der Pultkante mit einem Reissnagel befestigt und sie so in aller Seelenruhe während der Prüfung konsultieren könne, habe eine ältere Dame preisgegeben. Genutzt habe er diese «natürlich» noch nicht, sagt er schmunzelnd.

Der 13-Jährige wirkt äusserst besonnen und reflektiert für sein Alter. Er ist seit Anfang Teil des Generationen-Nachmittags. Wenn er inzwischen strassauf und -ab Senioren Compi-Tipps gibt, erhält er dafür zuweilen einen Sackgeld-Zustupf — «auch wenn ich das gar nicht forciere. Aber als Anerkennung ist es schön.»

Geduld ist Gold

Obwohl er sich selbst als «nicht sehr geduldig» einschätzt, fällt es ihm offenbar nicht schwer, im Austausch mit den Senioren einen kühlen Kopf zu bewahren. Höchstens, wenn jemand nicht zuhört, findet er das irritierend. «Es bringt natürlich herzlich wenig, wenn ich ein Problem löse, während das Gegenüber nach Kindernamen googelt», sagt er achselzuckend. Ihm ist es wichtig, dass die Ratsuchenden mitmachen, Eigeninitiative zeigen. Deshalb geht er so vor: «Ich erkläre es einmal und dann lasse ich die Senioren selbst ans Werk gehen», sagt er.

Er vermutet, dass die ältere Generation es schätzt, wenn ihnen jemand zuhört. «Am Swisscom-Schalter werden Kunden tendenziell einfach abgefertigt, wir hingegen nehmen uns hier Zeit», sagt Züger.

«Die Jugendlichen können die allermeisten Fragen beantworten», sagt Jugendarbeiterin von Büren. Während Cyrill Züger seine Kernkompetenz im Lösen von Computerfragen sieht, wissen die Mädels eher in Sachen Smartphone Bescheid — so Cyrills Einschätzung.

Sieht er denn seine Zukunft im IT-Bereich? «Nicht unbedingt. Für mich ist meine berufliche Zukunft noch völlig offen.» Nur eines ist bereits jetzt klar: «Mit Sport wird es nichts zu tun haben.»

Helpdesk «Jung unterstützt Alt» am Mittwoch, 30. Mai, und am Mittwoch, 6. Juni, 14 bis 16 Uhr, im Tuchhof, Mühlebachstrasse 53, Thalwil. Ohne Anmeldung. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 28.05.2018, 16:15 Uhr

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