Adliswil

Der «Bodyguard» muss für illegales Glücksspiel büssen

Ein 49-Jähriger war Mitverantwortlicher in einem Adliswiler Privatclub. Darin wurden unter anderem auch illegale Glücksspiele angeboten. Dafür muss der Türke nun eine Busse im fünfstelligen Bereich zahlen.

In einem Privatclub in Adliswil wurde Glücksspiel ermöglicht. Bei einer Razzia wurde 2013 ein 49-jähriger Türke als Verantwortlicher ausgemacht.

In einem Privatclub in Adliswil wurde Glücksspiel ermöglicht. Bei einer Razzia wurde 2013 ein 49-jähriger Türke als Verantwortlicher ausgemacht. Bild: Symbolbild/Keystone

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Der bullige Mann mit den kurzgeschorenen grauen Haare wirkt respekteinflössend. Genau das sei der Grund gewesen, warum er in einem Privatclub als «Bodyguard» gearbeitet habe. So sagt er es am Donnerstag an seiner Verhandlung am Bezirksgericht Horgen. Der Club in Adliswil stand allen offen, betrieben wurde er aber von seiner damaligen Freundin, einer Vietnamesin. Zuvor soll es ein Albanerlokal gewesen sein. So waren neben Vietnamesen auch Albaner und Türken im Club. Er sei jeweils da gewesen, weil diese die Frau als Chefin nicht repektiert hätten.

Im Lokal wurde Karten gespielt, Karaoke gesungen und getrunken. «Wo gespielt und getrunken wird, passiert schnell etwas», meint der Angeschuldigte. Doch er steht nicht vor Gericht, weil er einen Gast zu hart hinausbefördert hätte. Der Prozess dreht sich um sechs Spielautomaten. Auf diesen befanden sich illegale Glücksspiele, wie sich bei einer Razzia im Jahr 2013 herausstellte. Die Eidegnössiche Spielbankenkommission (ESBK), die für solche Fälle zuständig ist, strebte Verfahren gegen drei Personen an: Den Vermieter, die Clubbesitzerin und den Freund der Chefin.

«Faktischer Geschäftsführer»

Die Rolle des Beschuldigten interpretierte die ESBK deutlich wichtiger, als er selbst. Er sei der «faktische Geschäftsführer» gewesen, also auch für die Automaten verantwortlich. Einige Zeugen dachten sogar, dass er der Chef war. Die Kommission verurteilte den Türken darum zu einer Busse von 15 650 Franken.

Vor Gericht sagt der 49-Jährige, das Gerücht, er sei der Chef sei gezielt gestreut worden, um schwierige Kunden von Pöbeleien abzuhalten. Er habe aber nie Geld aus dem Gewinn der Automaten erhalten oder eine Gewinnbeteiligung erhalten. Nur wenn seine Ex-Freundin, die mittlerweile ein Kontaktverbot erreicht hat, abwesend war, habe er den Schlüssel übernommen. Er weist jegliche Verantwortung von sich. Die Vietnamesin habe ihn sogar davon abgehalten, sich einzumischen. «Die Ecke mit den Geräten gehörte ihr», sagt er. Dabei habe er ihr doch noch gesagt, dass sich illegale Spiele darauf befinden.

Wieso dann in seiner Hosentasche 4500 Franken gefunden wurden, fragt der Richter. Das Geld habe er für den Kauf von zwei Flugtickets nach Vietnam auf die Seite gelegt, sagt er. sein Sohn habe ihm das Geld vorgestreckt. Er selber ist zwar Schweisser, offenbar aber seit längerem arbeitslos. Momentan leben er und seine Frau von ihrer IV-Rente.

Sein Verteidiger betont den Gesetzestext. In diesem heisst es, dass gebüsst wird, wer die Geräte ohne Konsultation der ESBK aufstellt. Das könne seinem Mandanten nicht vorgeworfen werden. Die Kommission habe argumentiert, dass er als Verantwortlicher die Geräte hätte entfernen müssen. «Das ist Wortakrobatik», so der Verteidiger. Im übrigen habe die Ex-Freundin klar gesagt, dass sie die Chefin war. Der ESBK warf der Verteidiger auch vor, dass sie vier Jahre brauchte, um die Strafverfgung auszusprechen. Sein Mandant sei freizusprechen.

Tiefere Strafe

Das Gericht kommt zu einem Schuldspruch. Zwar sei der 49-Jährige wohl nicht «faktischer Geschäftsführer» gewesen. Diese Bezeichnung stamme vom Vermieter und der Ex-Freundin, die in separaten Verfahren ebenfalls verurteilt worden sind. Doch er habe einen «wesentlichen Beitrag zum Betrieb geleistet». Die Definition des Vertefdigers bezüglich «Aufstellen» sei zu eng, eine Auslegung müsse möglich sein. Die Strafe fällt wegen den prekären finanziellen Verhältnissen des Beschuldigten und der langen Verfahrensdauer tiefer aus. Es bleibt eine Busse von 11 000 Franken. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 15.02.2018, 18:17 Uhr

Die Spielbankenkommission

Keine Chance gegen die Kommission

Der Betreiber eines Imbisses in Rapperswil-Jona ist ebenfalls in ein Strafverfahren wegen illegalen Glücksspielautomaten verwickelt. Im Dezember 2017 verfügte die Eidgenössiche Spielbankenkommission (ESBK), dass drei Geräte, die in seinem Laden vorgefunden wurden, konfisziert und vernichtet werden. Dass der Eigentümer unbekannt war, ist offenbar nicht so wichtig. 294 Franken aus den Automaten haben die Behörden eingezogen.

Name wird veröffentlicht

Die Einziehung der Glücksspielgeräte an sich ist noch keine Straftat. Doch wie dem Bescheid zu entnehmen ist, läuft gegen den Mann auch ein Strafverfahren. Speziell ist, dass solche Bescheide im Bundesblatt publiziert werden — inklusive des vollen Namens des Imbissbesitzers. Auch bei Strafbescheiden bleibt der Name sichtbar. Allein am 28. Dezember wurden im Bundesblatt 22 Einziehungsbescheide und ein Strafbescheid durch die ESBK notiert. Glücksspielautomaten sind in der Schweiz nur noch in Casinos erlaubt. Ohne Prüfung durch die ESBK sind die Geräte illegal.

Regierungsräte und Juristen

Die Eidgenössische Spielbankenkommission hat weitreichende Kompetenzen. Sie fällt Strafbescheide, die angefochten werden können. Daraufhin folgt in der Regel eine Strafverfügung. Ein Weiterzug an ein Strafgericht ist anschliessend möglich. Ob das sinnvoll ist, ist fraglich.

So schrieb die «NZZ» im Sommer 2017 von drei Zürcher Wirten, die vom Obergericht verurteilt wurden. Ihr Argument, dass ihnen die Lieferanten erklärt hätten, die Geräte seien legal, kam nicht durch. Es war das gleiche Argument, wie es die Clubbesitzerin in Adliswil vorgebracht hatte. Der Tarif ist klar: Wer für die Geräte verantwortlich ist, muss sich selbst informieren, ob die Spiele darauf legal sind.

In der Kommission sitzen ein Alt-Regierungsrat aus dem Thurgau und einer aus Freiburg. Weiter sind die Plätze mit zwei Juristinnen, einem Psychologen und der Leiterin einer Touristikschule besetzt. Die Mitglieder werden durch den Bundesrat gewählt. Ein Mitglied wird von den Kantonen vorgeschlagen. Die ESBK existiert seit dem Jahr 2000. (paj)

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