Wädenswil

Den vergessenen Bildermacher würdigen

Bruno Heller hat abseits des Kunstbetriebs eine eindringliche Bilderwelt hervorgebracht. Verleger Bernhard Echte pflegte eine Freundschaft mit dem Künstler. Nun veröffentlicht er eine Monografie.

Der Wädenswiler Künstler Bruno Heller schuf über tausend Werke. In seinen Montagen drückte er grosse Sorge um die Zukunft der Welt aus.

Der Wädenswiler Künstler Bruno Heller schuf über tausend Werke. In seinen Montagen drückte er grosse Sorge um die Zukunft der Welt aus. Bild: PD

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«Bruno Hellers Werk ist ein Zeitdokument von hohem Wert», sagt die Kunsthistorikerin Johanna Wirth Calvo, auch wenn man es jetzt mit einer Verspätung von Jahrzehnten kennen lernen könne. Der öffentlichkeitsscheue Künstler stellte im Vergleich zu anderen Künstlern sehr wenig aus, beispielsweise nur einige Male in der Galerie Siebzehn in Wädenswil. 2016 zeigte man in der Horgner Villa Seerose eine Auswahl seiner Werke.

Die Familie des Künstlers war nach seinem Tod 2014 vor der Aufgabe gestanden, den umfangreichen Nachlass zu sichten. Es waren über tausend Arbeiten aus allen Schaffensperioden. In mehrjähriger Arbeit haben die Kunsthistorikerin Johanna Wirth Calvo und der Verleger Bernhard Echte in Kooperation mit der Familie eine Monographie zusammengestellt. Mit dem Bildband «Clair-Obscur» macht der Nimbus-Verlag in Wädenswil nun das Lebenswerk von Bruno Heller einer grösseren Öffentlichkeit zugänglich.

Hausmann und Künstler

Als Sohn eines Strassenbahners in Zürich geboren, war der Weg zur Kunst für ihn keineswegs vorgezeichnet. Er fuhr als 20-jähriger mit dem Velo nach Florenz. Kunstaufenthalte in Barcelona, Paris und Rom folgten. Er erwarb das Lehrerdiplom, übte diesen Beruf nur kurz als Schwangerschaftsvertretung seiner Frau aus. Beide hätten damals nicht gleichzeitig berufstätig sein können. Denn damals gab es ein diskriminierendes Gesetz, gültig bis 1962, wonach eine verheiratete Lehrerin, deren Mann ein festes Einkommen verdiente, keine Anstellung erhielt. Während seine Frau das Einkommen der Familie sicherte, kümmerte sich Heller um den Haushalt.

Schwindelerregende Montagen: Eines von Hellers Werken. Bild: PD.

1953 zog die junge Familie in die Künstlerkolonie an der Wuhrstrasse in Zürich. Ab 1960 lebten sie in Wädenswil: «Man sah ihn häufig hier, beispielsweise, wenn er im Volkshaus Zeitungen las oder seine Streifzüge durch den Ort machte», berichtet Bernhard Echte. Auch habe er gerne Vorstellungen im Theater Ticino besucht.

Experimente mit Kopierer

In seinen Frühwerken malte er gegenständlich. Kaum aber hatte Heller die ersten Gemälde geschaffen, suchte er neue Wege. Bruno Heller ging schon auf die Sechzig zu, als er mit dem Kopiergerät zu experimentieren begann. Alle erdenklichen Materialien legte er auf die Scheibe, bewegte sie beim Kopiervorgang oder veränderte den Kontrast.

Die Elemente montierte er zu bühnenbildartigen Kompositionen. Sie drücken einerseits eine Art Endzeit aus und ziehen gleichzeitig in ihren Bann, weil das Düstere von kühlem Mondlicht durchdrungen ist. Echte nennt es «ein fahles Traumlicht». In seinen Montagen, die er immer wieder veränderte, drückte er grosse Sorge um die Zukunft der Welt und die globale Bedrohung durch Atombombe, Kernkraft und Klimaveränderung aus.

Freundschaft mit Echte

Verleger Bernhard Echte hatte Bruno Heller persönlich gekannt. «Ich lernte ihn im Jahr 2000 auf einer Veranstaltung in Zürich kennen und besuchte ihn daraufhin in seinem Atelier», erzählt er. Daraus seien eine Freundschaft und der Wunsch entstanden, etwas für das Werk dieses aussergewöhnlichen Künstlers zu unternehmen. 2008 erschien der Bildband «Bruno Heller Transparentmontagen» im Nimbus-Verlag. «Die Bild-Auswahl für den damaligen Band war ein intensiver und höchst anregender Prozess, auch für Heller selbst», berichtet der Verleger. «Er war ja so wenig beachtet worden und interessierte sich dementsprechend für alles, was ein Aussenstehender über ihn dachte.»

Bruno Heller, aus dem Jahr 1989. Bild: PD.

Am Ende stand nicht nur das Buch, sondern – im Februar 2008 – auch eine Ausstellung in den Verlagsräumen in der Villa Abendstern. Die Villa Abenstern ist der Handlungsort in Robert Walsers Roman «Der Gehülfe». Walser-Spezialist Bernhard Echte hatte sie erworben und führt dort den Nimbus-Verlag. Bruno Heller sei jeden Tag zu Fuss in den «Abendstern» gekommen, um seine Ausstellung zu hüten, berichtet Bernhard Echte. Er habe immer wieder kleine Sachen mitgebracht, die ihm auf dem Weg dorthin begegneten, etwa Steine mit einem besonderen Muster, ein Stück verrostetes Metall und dergleichen. Diese Stücke deponierte er in der Küche des Verlags. «Die kleine Sammlung liegt bis heute an ihrem Ort – als Unterpfand unseres ehrenden Andenkens an ihn», sagt Echte.

Am Ende seines Lebens bezeichnete sich Bruno Heller nicht mehr als Künstler sondern als Bildermacher, wie Echte erzählt. Heller habe ihm gegenüber bemerkt, seine Sache sei die Kunst und nicht die Eroberung einer gesellschaftlichen Position. Und Heller habe auch gern aus Robert Walsers Prosastück «Über den Charakter des Künstlers» zitiert: «Dass er nie zur Sicherung oder Versicherung seiner selbst gelangt, scheint sein Los.»

Freitag, 20. September, 19 Uhr, Saal des Kirchgemeindehauses Rosenmatt, Gessnerweg 5, Wädenswil, Vorstellung des Buches «Clair-Obscur Das Werk von Bruno Heller». Es sprechen die Autorin Johanna Wirth Calvo und der Verleger Bernhard Echte.

Erstellt: 18.09.2019, 15:42 Uhr

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