Wirtschaft

Dem Transportgewerbe droht ein Verdrängungskampf

Das bevorstehende Aus für die Hunziker Transporte AG in Rüschlikon wirft ein Schlaglicht auf die Lage der Branche am See. Preiszerfall und Konkurrenzkampf machen besonders den kleinen Anbietern zu schaffen.

Warnsignal für die Branche am See: Als reines Transportunternehmen sieht sich die Firma Hunziker Transporte per Ende April zur Geschäftsaufgabe gezwungen.

Warnsignal für die Branche am See: Als reines Transportunternehmen sieht sich die Firma Hunziker Transporte per Ende April zur Geschäftsaufgabe gezwungen. Bild: Manuela Matt

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Aufgabe der Geschäftstätigkeit der Hunziker Transporte AG in Rüschlikon auf Ende April hat in Kreisen der Transportbranche rund um den Zürichsee Erstaunen und Betroffenheit ausgelöst. Eine wichtige Rolle dürfte dabei auch spielen, dass es sich beim Unternehmen Hunziker Transporte um eine im Markt fest etablierte und über die Region hinaus bekannte Marke handelt.

Firmeninhaber Roger Hunziker macht den enormen Preisdruck und die stetig wachsende Konkurrenz für den Entscheid geltend. Sie hätten dazu geführt, dass die tieferen Erträge die Aufwände nicht mehr hätten decken können. Anbieter mit einem Produktionshintergrund und diversifzierter Geschäftstätigkeit hätten ganz andere Möglichkeiten sich am Markt zu positionieren. Die Hunziker Transporte AG ist als reines Transportunternehmen vorwiegend lokal im Bezirk Horgen tätig und zählt mit seinen 15 Mitarbeitenden schweizweit zu den eher kleineren Anbietern in der Branche.

Immer noch mehr Anbieter

Zwar zeigt sich das Geschäftsleitungsmitglied der Baumann Transporte AG im Hirzel, Martin Winkler, über den folgenschweren Schritt von Hunziker Transporte einigermassen überrascht. Gleichzeitig habe sich aber abgezeichnet, «dass aufgrund des starken Konkurrenzkampfs auf dem regionalen Markt am linken Zürichseeufer auch noch andere Unternehmen in der Branche in Schwierigkeiten geraten könnten». Winkler stellt fest, dass der Konkurrenzdruck sehr hoch ist und befürchtet einen Verdrängungskampf.

Der Transportgewerbeverband (TGV) Zürich, dem auch die Hunziker Transporte AG angehört, zählt rund 40 Mitgliedsfirmen. Schweizweit sind dem Branchenverband Astag zirka 4200 Mitglieder angeschlossen. Aufgrund der Abflachung des Arbeitsvolumens ausserhalb der Zürichseeregion drängten immer mehr auswärtige Transport- und Baufirmen auf den Markt, welche teilweise mit Kampfpreisen die Preise unter die Fixkosten drückten, sagt Winkler. Früher habe man kleinere Arbeiten noch ohne Offerte ausführen können: «Heute muss man fast jeden kleinen Auftrag offerieren». Und das kostet. Im Tiefbau würden Arbeiten auch unter dem Ertragswert ausgeführt, so dass der Preisdruck gezwungenermassen an die Lieferanten, die Transportfirmen, weitergegeben werde.

Die eigene Firma sieht Winkler in einer guten Position. Die Baumann Transporte AG lege grossen Wert darauf, möglichst alle Gerätschaften mit eigenen Mitteln zu beschaffen, ohne Fremdfinanzierung. Der Betrieb sei breit abgestützt. Zudem sei ein Teil der Firma im Bereich Rückbau und Tiefbau tätig, «wodurch wir einen grossen Teil der Transportarbeiten mit eigenen Mitteln ausführen können».

Hohe Wochenarbeitszeit

Überrascht vom Aus der Hunziker Transporte AG zeigt sich Hanspeter Stoll, Geschäftsführer der Steiner Transporte AG in Jona, «auch wenn die beiden Unternehmen in verschiedenen Segmenten tätig sind». Während die Steiner Transporte AG ihr Geld im schweizerischen Stückgutmarkt — also alles, was sich in einem Stück transportieren lässt — verdient, ist die Hunziker Transporte im Baustellenverkehr zuhause.

Die Zukunft für KMU-Betriebe, «wie wir sie sind», sei enorm gefährdet, erklärt Stoll. Zu denken geben ihm vor allem der Preiszerfall und staatliche Regularien. Zudem habe die Digitalisierung das heimische Transportgewerbe erfasst und verdränge zusehends traditionelle Geschäftsmodelle. Eine Herausforderung sieht Stoll auch in der künftigen Rekrutierung von Personal: «Im Transportgewerbe arbeitet das Personal 46 Stunden pro Woche und mehr».

Die Branche, so prophezeit Stoll, werde sich weiter entwickeln — durch Zukäufe von den grossen Unternehmen im Markt: «Kleine und mittlere Betriebe verschwinden». Die Steiner Transporte AG, die über einen Fuhrpark von 95 Lastwagen verfügt und Lagerhäuser betreibt sowie eine Gesamtlogistik für die Kundschaft anbietet, ist nach Angaben von Stoll zurzeit allerdings voll ausgelastet.

Täglich am Optimieren

Auch René Schneider, Geschäftsführer der Schneider Umweltservice AG in Meilen, kommt als erstes der hohe Preisdruck in den Sinn, wenn es um die aktuellen Herausforderungen in der Branche geht: «Seit ich in diesem Geschäft tätig bin, sind wir täglich am Optimieren und anpassen der Prozesse». Die in vierter Generation inhabergeführte Firma ist zwar nach Angaben von René Schneider gut unterwegs, dennoch missfällt dem schweizerischen Recycling-Pionier «die zunehmende Wettbewerbsverzerrung durch die Verstaatlichung der Abfallbewirtschaftung».

Bei der Frage, ob es zuviele Anbieter auf dem Markt gibt, schlagen zwei Herzen in Schneiders Brust. Natürlich gebe es aus Sicht der Schneider Umweltservice AG immer zuviele Mitbewerber in deren Geschäftsbereich, «objektiv betrachtet wurden es aber in den letzten Jahren immer weniger». Einzig der Staat lege zu und investiere in der Entsorgungswirtschaft. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 01.02.2018, 14:35 Uhr

Preiszerfall setzt kleine Transportfirmen unter Druck

Steigende Kosten und sinkende Preise machen den Firmen im regionalen Transportgewerbe das Leben schwer.

Der Torschluss hat die Branche in der Region aufgerüttelt: Mit dem letzte Woche verkündeten Aus per Ende April für die Hunziker Transporte AG in Rüschlikon verschwindet ein bestens eingeführter Name vom täglichen Strassenbild. Die Gründung einer Nachfolgefirma kommt für den Inhaber Roger Hunziker nicht in Frage, «sonst hätte ich den Schritt zur Geschäftsaufgabe nicht gemacht». Es handle sich nicht um einen Konkurs.

Der Entscheid zur Einstellung sämtlicher Geschäftstätigkeiten fiel laut Hunziker zu einem Zeitpunkt, an dem noch ausreichende Mittel zur Verfügung standen, um die Löhne der Mitarbeitenden und weitere Verbindlichkeiten jetzt und in Zukunft zu begleichen. Wie es für ihn persönlich weitergeht, darüber will sich Hunziker erst zu einem späteren Zeitpunkt Gedanken machen. Für ihn stehe momentan an oberster Stelle, die Mitarbeitenden bei der Suche nach einer neuen Stelle zu unterstützen.

Geld fehlt für Investitionen

Die Gründe, die zur Aufgabe der Hunziker Transporte AG geführt haben, sind auch den übrigen Anbietern in der Region nicht unbekannt: Preiszerfall, starker Konkurrenzdruck, staatliche Regulierungen, Digitalisierung des Geschäftsmodells. Die Zukunft sei vor allem für kleine und reine Transportfirmen enorm in Frage gestellt, sagen einige der Anbieter, die die ZSZ befragt hat.

Die meisten der am Zürichsee tätigen Transportfirmen sind Mitglieder des Transportgewerbeverbandes (TGV) Zürich. Deren Präsident Martin Eberhard bleibt gelassen. Die Herausforderungen für die Branche seien bekannt, nun gelte es, sie anzunehmen. Zu diesen Risiken zählt er vor allem, mit dem steigenden Kosten- und Margendruck umzugehen. Für 2018 rechnet der Schweizerische Nutzfahrzeugverband Astag mit Mehrkosten von 2 bis 3 Prozent. Für dieselben Auftragsvolumen müssten deutlich mehr Zeit, Fahrzeuge und Personal eingesetzt werden.

Für Kleinbetriebe sei diese Zusatzbelastung enorm, sagt Eberhard. Und dieses Geld fehle für Investitionen in die Zukunft. Die Hunziker Transporte AG habe schon frühzeitig entschieden, dass sie den Betrieb in dieser Art und Grösse mittel- und langfristig nicht gewinnbringend führen könne. Das Unternehmen habe die Schliessung vorbildlich und klar nach innen und aussen kommuniziert, erklärt Eberhard. Auch der TGV Zürich sei schon früh ins Boot geholt worden. (ths)

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Newsletter

Das Beste der Woche.

Endlich Zeit zum Lesen! Jeden Freitagmorgen Leseempfehlungen fürs Wochenende. Den neuen Newsletter jetzt abonnieren!