Wädenswil

Debatte um Kirchenbänke geht in die zweite Runde

Die Reformierten von Wädenswil stimmen am Dienstag erneut über die Entfernung von Bänken aus der Grubenmann-Kirche ab. Die Stimmberechtigten haben die Wahl zwischen mehreren Optionen.

Der Umgang mit dem Innenleben der Wädenswiler Grubenmannkirche wird erneut zum Thema.

Der Umgang mit dem Innenleben der Wädenswiler Grubenmannkirche wird erneut zum Thema. Bild: Archiv Manuela Matt

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Die Bänke der reformierten Grubenmann-Kirche im Dorfzentrum von Wädenswil haben eine ungewisse Zukunft. Am Dienstagabend stimmen die Reformierten an einer ausserordentlichen Kirchgemeindeversammlung ab, ob sechzehn Bankreihen für zehn Jahre entfernt werden oder nicht. Betroffen wären je acht Bänke links und rechts des Taufsteins. Anstelle des Gestühls würde ein Podest aufgestellt.

Entstehen soll so für 125'000 Franken ein Freiraum von rund 100 Quadratmetern, um neue kirchliche Anlässe wie Family Church, Talk-Gottesdienste oder Ballnächte durchzuführen.

Dabei war das Schicksal der Kirchenbänke eigentlich bereits besiegelt. Im vergangenen Dezember haben die Reformierten dem Projekt mit 215 zu 54 Stimmen zugestimmt. Ein Mitglied der Kirchgemeinde hatte mit einem Rekurs jedoch eine Verletzung von Verfahrensvorschriften bemängelt. Die Landeskirche hat den Rekurs gestützt. Die Abstimmung wird nun wiederholt.

«Warten auf göttliche Eingebung»

Gegen die Versammlung rekurriert hat Christine Kern. Dies, weil ein Antrag auf eine Urnenabstimmung ihres Mannes Hans-Kaspar Kern überhört wurde. «Gestört hat mich vor allem, dass nie eine Diskussion zugelassen wurde», sagt sie. Die Entfernung von 16 Bänken sehen die Kerns als falschen Ansatz. «Die Anlässe konnten alle auch im jetzigen Zustand stattfinden», sagt Hans-Kaspar Kern. Zudem gebe es für solche Events auch Räume im Kirchgemeindehaus. «Im Gegensatz zur Grubenmann-Kirche hat es dort auch ausreichend sanitäre Anlagen», sagt er.

Was die Kerns jedoch am meisten stört, sei ein fehlendes Konzept, welche Anlässe wie stattfinden sollen. «Die Verantwortlichen wollen die Bänke einfach entfernen und dann auf eine göttliche Eingebung warten», sagt Hans-Kaspar Kern. Die beiden hoffen nun, dass es an der Versammlung eine ausführliche Diskussion geben wird. Dass Hans-Kaspar Kern erneut eine Urnenabstimmung beantragen will, hat er bereits angekündigt.

«Menschen sind wichtiger als Bänke»

Ein Befürworter von mehr Raum in der Kirche ist Pfarrer Ernst Hörler. «In der reformierten Theologie ist es wichtiger, dass die Kirche dem Menschen dient und nicht der Architektur.» Er sagt: «Dass unbenutzte Bänke wichtiger sein sollen als die Menschen, verstehe ich nicht.»

Die Feiern ins Kirchgemeindehaus zu verlegen, ist für ihn keine Option. «Versammlungen in der Kirche wirken anders.» Der Raum spreche mit seiner Schönheit für sich, die auch bleibe, wenn die Bänke draussen seien, sagt er. Die Kritik am fehlenden Konzept teilt Hörler nicht. Ein solches gebe es zwar nicht, es sei aber auch keines nötig. «Ich finde nicht, dass wir nun einen ausgereiften Plan vorlegen müssen.

Mit der Family Church oder dem Kindergottesdienst «Fiire mit de Chliine» seien bereits konkrete Ideen vorhanden. «Der leere Raum kann auch als Inspiration für neue Formen von Feiern dienen», sagt er. So wie es im Jubiläumsjahr der Grubenmann-Kirche 2017 gewesen sei, als die Bänke bereits einmal für ein Jahr entfernt wurden.

Ein alternativer Vorschlag

Für die Arbeitsgruppe «Aus Liebe zu unserer Kirche»sind 16 Bankreihen zu viel. Die Gruppe hat sich im Vorfeld der ersten Abstimmung gebildet und rund 250 Unterschriften gegen das Projekt der Kirchenpflege gesammelt. Einer der Initiatoren ist Kunsthistoriker Andreas Hauser. Eigentlich wollte er das Thema Kirchenbänke nach der Niederlage bei der Dezember-Versammlung ruhen lassen. Nun kam es anders, weil die Kirchenpflege der Arbeitsgruppe angeboten hatte, ihr Anliegen im Weisungsheft zu platzieren. Dies nahm die Gruppe dankend an. «Die Kirchenpflege versucht gerade, die Gräben zu schliessen, welche die letzte Versammlung in der Kirchgemeinde aufgerissen hat», sagt Hauser.

Unter dem Leitsatz «Kirchenbänke und Freiraum - Miteinander statt Gegeneinander» beantragt die Gruppe erneut, nur sechs statt 16 Bankreihen zu entfernen. Ausserdem schlägt sie vor, auf ein permanentes Podest im Mittelgang zu verzichten. «So entsteht mit wenig Mitteln genug Freiraum für neue Gottesdienstformen», sagt Hauser. Die Kirche könne nur eine Zukunft haben, wenn sie nicht einseitig auf Erlebniskultur setze, sondern alle Formen des kirchlichen Lebens ernst nehme.

Kirchgemeindeversammlung, Dienstag, 25. Juni, 19.30 Uhr, reformierte Kirche Wädenswil

Erstellt: 19.06.2019, 21:02 Uhr

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