Wädenswil

«Das war ein seltenes Ereignis»

In Wädenswil wurde am Montagabend der zweithöchste Niederschlags-Stundenwert seit Messbeginn 1981 verzeichnet. So etwas sei nur alle 20 bis 50 Jahre zu erwarten, heisst es von Meteoschweiz.

Am Montag regnete es gebietsweise wie aus Kübeln: In Wädenswil war die verzeichnete Stunden-Regensumme rekordverdächtig.

Am Montag regnete es gebietsweise wie aus Kübeln: In Wädenswil war die verzeichnete Stunden-Regensumme rekordverdächtig. Bild: Leo Wyden

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Morgens sonnig, mittags «tüppig» und abends teils heftige Gewitter: Seit Tagen gleicht sich der Ablauf in der Wetterküche in der Zürichseeregion auf markante Weise.

Das war auch am Montag nicht anders. Im Verlauf des Tages entwickelte sich über dem Raum Einsiedeln eine kräftige Gewitterzelle. Diese zog unter Verstärkung nordwärts – und liess es am linken Zürichseeufer wie aus Kübeln schütten. 44 Liter Regen pro Quadratmeter wurden am Abend an der Wetterstation Wädenswil in nur einer Stunde gemessen.

«Nur zwei bis fünf Mal pro Jahrhundert»

«Das ist der zweithöchste Niederschlags-Stundenwert, der an dieser Stelle seit Messbeginn 1981 verzeichnet wurde», sagt Stephan Bader, Klimatologe bei Meteoschweiz auf Anfrage. So etwas sei – statistisch betrachtet – nur alle 20 bis 50 Jahre zu erwarten. «Das wäre nur zwei bis fünf Mal pro Jahrhundert, womit das Ereignis als selten zu beurteilen ist», ergänzt Bader.

Dass es derzeit derart starke Gewitter geben kann, ist angesichts der vorherrschenden Wetterlage nicht erstaunlich. Seit Tagen dominiert über Europa eine sogenannte Flachdrucklage. Das bedeutet: Es gibt weder ein Hoch- noch ein Tiefdruckgebiet, das Regie führt. Die Wetterentwicklung ist vielmehr dem sommerlichen Tagesgang unterworfen.

Die Luftmasse ist warm und äusserst feucht, die Atmosphäre instabil. Durch die Sonneneinstrahlung bilden sich Quellwolken – es herrschen also nahezu perfekte Bedingungen zur Entstehung von Gewittern. Heikel wird es, wenn dann noch schwacher Tiefdruckeinfluss in grosser Höhe hinzu kommt – was am Montag der Fall war und die Gewitterentwicklung zusätzlich befeuerte.

Bilden sich in so einer Konstellation mehrere grössere Gewitterzellen, dann übernehmen diese regelrecht die Regie in der Atmosphäre. Sie beeinflussen sich gegenseitig, verschmelzen miteinander und sorgen dafür, dass in ihrer Umgebung neue Gewitterzellen entstehen. Für die Meteorologen sind solche Lagen deshalb zwar spannend – aber auch äusserst anspruchsvoll wenn es darum geht, die Bevölkerung vor Gefahren zu warnen.

Kaum Schäden trotz extremer Regensummen

Die Gewitterzellen am Montag entstanden an den Voralpen und verlagerten sich im Verlauf des Abends dann in nördlicher und nordwestlicher Richtung ins Flachland hinaus. Wegen fehlender Höhenwinde geschah diese Verlagerung nur sehr langsam: Die Gewitterzellen blieben also nahezu stationär – und entluden ihre gesamte Fracht über ein- und derselben Region. So erklärt sich auch die extrem hohe Niederschlags-Stundensumme in Wädenswil.

Nennenswerte Schäden gab es soweit bekannt keine, zumindest in Wädenswil. Ganz anders im benachbarten Schwyzer Bezirk Höfe: Dort mussten die Feuerwehren Pfäffikon, Wollerau und Feusisberg-Schindellegi zu mehr als 20 Einsätzen gerufen werden, mehrheitlich wegen überfluteter Keller und Strassen, in zwei Fällen wegen umgestürzter Bäume.

In den nächsten Tagen wird es übrigens in ähnlichem Stil weitergehen. An der gewitterträchtigen Wetterlage ändert sich wenig – vor allem am Mittwoch und Donnerstag muss man sich also gebietsweise wieder auf «Land unter» einstellen. (zsz.ch)

Erstellt: 05.06.2018, 15:42 Uhr

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