Richterswil

«Das Waldhorn ist mein Wunschinstrument»

Bernhard Ries ist seit 32 Jahren Mitglied im Musikverein Richterswil Samstagern, wo er das Waldhorn spielt. Er freut sich auf das 150-Jahr-Jubiläum des Vereins.

Bernhard Ries hat die Jubiläumschronik für den Musikverein Richterswil-Samstagern verfasst, in dem er Waldhorn spielt.

Bernhard Ries hat die Jubiläumschronik für den Musikverein Richterswil-Samstagern verfasst, in dem er Waldhorn spielt. Bild: Viviane Schwizer

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Viele Erinnerungen an den Musikverein Richterswil Samstagern kommen Bernhard Ries in den Sinn. Er gehört ihm seit 32 Jahren an. Nun sitzt er im Probelokal in der Tiefgarage Horn beim Bahnhof Richterswil und erzählt von der Teilnahme am Eidgenössischen Musikfest im Jahr 2016 in Montreux. Er rühmt die Kameradschaft, das festliche Ambiente und den Erfolg der Richterswiler am Genfersee: «Wir spielten in der Stärkeklasse 3 und erlangten im Wettstreit mit 17 Formationen aus dem Kanton Zürich den 7. Platz.»

Der Musikverein, der nun seinen 150. Geburtstag feiert, ist nicht mehr aus dem Dorf wegzudenken. Etwa 34 Musiker spielen an kirchlichen Feiertagen, an Viehprämierungen, einmal sogar an einer Zirkuseröffnung im Horn und zweimal jährlich ein Geburtstagsständchen im Alterszentrum Wisli. Er sagt: «Die Räbechilbi ist für uns Pflicht. Musizierend marschieren wir in unseren Uniformen zuvorderst am Umzug mit.»

Von Kindesbeinen an

Bernhard Ries begann seine Musikkarriere als Achtjähriger als Trompeter in der Knabenmusik in Zürich. Mit 16 Jahren wechselte er zur Metallharmonie Wiedikon, wo er auf dem Flügelhorn musizierte. Seit dem Umzug nach Richterswil spielt der 68-Jährige im Musikverein Richterswil Samstagern (MRS). Zuerst spielte er Kornett und seit rund 17 Jahren das Waldhorn, ein traditionsreiches Blechblasinstrument. Bernhard Ries sagt: «Das Waldhorn ist mein Wunschinstrument.» Für ihn besticht es durch seine Klangvielfalt, töne manchmal weich, ein andermal schmetternd und stark.

Seit Bernhard Ries’ Frühpensionierung vor fünf Jahren übt er jeden zweiten Tag ein bis zwei Stunden auf dem Waldhorn. Das müsse sein, findet er, andernfalls komme man musikalisch nicht auf einen grünen Zweig. In früheren Jahren amtete er als Präsident und als Aktuar des Vereins. Nun überlässt er diese Chargen anderen, erstellte aber die umfangreiche Chronik des Musikvereins. «Den Auftrag habe ich mir selber gegeben», sagt er. Er möchte die Fülle der Informationen den nachfolgenden Generationen weitergeben. Gerade aufgrund seines Engagements für ein «tolles Hobby» ist Bernhard Ries eine Frohnatur geblieben. Sein Motto heisst: «Ein Musiker kann auch im Leben in allen Tonarten spielen.»

Beherzte Vereinsgründer

Alles fing im Jahre 1869 an. Zwar nahm die Industrialisierung an Schwung auf, doch in Richterswil bestimmten Fuhrwerke, das ortsansässige Gewerbe, Pilger und Schiffsleute das tägliche Leben. Damals wurde auch die Musikgesellschaft Richtersweil, wie sich der Verein anfänglich nannte, gegründet. Die frühen Geschehnisse im Verein wurden aber erst anlässlich der 100-Jahr-Feier des Musikvereins im Jahre 1969 in einer Sonderbeilage der «Grenzpost am Zürichsee» veröffentlicht.

Schon geraume Zeit vor der Gründung des Vereins wurde inder Gemeinde musiziert und zum Tanze aufgespielt. Massgeblich gefördert wurde diese Tradition durch den Musiker Conrad Lüthi, der auch Kantor in der Kirche zu Richterswil war. Dieser forderte die Musiker auf, auch andere Musik als Tanzmelodien einzustudieren und sich zu regelmässigen Proben einzufinden. Diese Veränderungen ebneten den Weg zur Vereinsgründung vor genau 150 Jahren. Massgeblich beteiligt waren dabei: Jakob Burkhard, Sohn des ehemaligen Gemeindeweibels, Jakob Menzi, Wirt zum Spielhof, Th. Stocker und Alois Christen, Seidendrucker, sowie Heinrich Burkhard. Zum Kapellmeister wurde der 1. Trompeter Heinrich Burkhard bestimmt.

Finanzielle Sorgen

Nach der Gründung kam es zur Suche nach einem Übungslokal, die sich als schwierig herausstellte. Erst im Jahr 1889 konnten die Proben im Singsaal des Schulhauses Töss stattfinden. Auch finanzielle Sorgen plagten den Verein, sodass man sich zu einem Eintritt von 60 Rappen an den «Conzerten» entschloss. Erst nach mehreren Vorstössen war die Gemeinde bereit, den neuen Musikverein, der sich nun Verein Musikgesellschaft Richterswil nannte, mit einem namhaften Beitrag zu unterstützen.

Von grosser Bedeutung war ab dem Jahr 1903 Kapellmeister Max Ringeisen. Er wandelte die Musikgesellschaft von der Blechmusik in eine Harmoniemusik, in der auch Holzbläser auftreten. Zudem komponierte er viele rassige Märsche und neue Konzertstücke. Heute wird der 34-köpfige Musikverein Richterswil Samstagern von Carina Eschbach dirigiert. Die Musikerin ist in den 150 Jahren die erste Frau, die dem Musikverein vorsteht.

Jubiläum – 150 Jahre Musikverein Richterswil SamstagernVeteranenehrung: Freitag,12. April, 19.30 Uhr (Eintritt frei). Jubiläumskonzert: 13. April, 20 Uhr, Eintritt: 15 Franken, Mehrzwecksaal Samstagern.

Erstellt: 09.04.2019, 09:29 Uhr

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