Richterswil

Das Seeufer an der Grenze soll wieder natürlicher werden

Statt Bäumen und verbautem Ufer soll in Richterswil ein Flachufer erstellt werden. Diese Massnahme ist Teil des Projekts Entlastungsstollen in Thalwil.

Das verbaute Ufer in Richterswil soll nach dem Willen des Kantons flacher werden. Die Baumreihe, die sich über mehrere Hundert Meter erstreckt, würde verschwinden.

Das verbaute Ufer in Richterswil soll nach dem Willen des Kantons flacher werden. Die Baumreihe, die sich über mehrere Hundert Meter erstreckt, würde verschwinden. Bild: Manuela Matt

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Die Planung des Entlastungsstollens von der Sihl in den Zürichsee kommt gut voran. Im nächsten Jahr soll die öffentliche Auflage durchgeführt werden. Im März will der Regierungsrat dann die Öffentlichkeit über das 135-Millionen-Projekt informieren. Dieses soll die Stadt Zürich vor Hochwasser schützen.

In den Hallen der Versuchsanstalt für Wasserbau der ETH sprudelt und zischt derzeit das Wasser durch zwei Modelle des Einlauf- und des Auslaufbereichs des Stollens. Dort ist etwa der Nutzen der Toskammer zu beobachten, die das Wasser im Hang oberhalb der Seestrasse bremsen soll. Nur so kann verhindert werden, dass die Wassermassen regelrecht in den See hinausschiessen.

Planen muss der Kanton Zürich auch mehrere ökologische Ersatzmassnahmen. Diese werden unter anderem an der Sihl umgesetzt. Bekannt war bisher auch schon, dass es in Richterswil zu Änderungen kommen wird. Recherchen der Zürichsee-Zeitung zeigen jetzt, was der Kanton in Richterswil vorhat. Das Seeufer soll in der Garnhänki renaturiert werden. Der Abschnitt zwischen dem Hafen und der Grenze zu Bäch ist heute unnatürlich verbaut. Der Seeweg führt nahe am Wasser vorbei, gesäumt von 39 Kastanien. Der Haken: Diese Bäume fallen der Renaturierung zum Opfer.

Denn geplant ist ein Flachufer mit Schilfgürtel. Der Weg würde nahe an den Geleisen vorbeigeführt und erhöht, um den Blick auf den Zürichsee zu gewährleisten. Die Gemeinde Richterswil ist in die Planung involviert. Christian Stalder (SVP), Vorstand Werke, wurde am Donnerstag über den neusten Stand informiert. Er bedauert die Fällaktion, auch wenn die Kastanien keine einheimische Baumart seien.

An die Bevölkerung denken

Zwei Punkte dürften letztlich entscheidend sein für die Unterstützung des Projekts durch Richterswil. Die Gemeinde pocht einerseits auf überschaubare Kosten, andererseits will sie auch der Bevölkerung etwas geben. Als Beispiel nennt Stalder einen Zugang zum See über einen Holzsteg oder via Kiesweg. «Die Natur soll geschützt werden, aber auch die Bevölkerung soll etwas davon haben», sagt er. Denn mit der Verlegung des Weges sind Spaziergänger dem See nicht mehr nahe. Damit die Garnhänki nicht ganz so kahl wird, schlägt der Gemeinderat eine neue Baumreihe mit Sitzmöglichkeiten an der Grenze zu Bäch vor.

Am Donnerstag haben die Projektleiter des Kantons dem Gemeinderat vier Varianten präsentiert. Gegenüber diesen ist Stalder weniger skeptisch als noch bei der ersten Version. Konkreteres wird er aber erst Ende Januar sagen können.

IG Baumfreunde informiert

Richterswil kann auf diesem Weg auch etwas nachholen, was beim Bau des Hafens 2004 versäumt wurde. Damals hätte ebenfalls eine ökologische Ersatzmassnahme umgesetzt werden müssen. Das Projekt des Kantons ist gross genug, um diese zu integrieren.

Dem Kanton ist offensichtlich bewusst, dass die Massnahme nicht nur auf Gegenliebe stossen wird. So haben die Behörden die IG Baumfreunde schon vorinformiert. Adrian Stucki vom Awel ist für das gesamte Projekt des Entlastungsstollens verantwortlich. Er hat kürzlich an einem öffentlichen Vortrag davon gesprochen, dass es einen Ort geben soll, an dem Spaziergänger zum Wasser gelangen können. Er bezeichnete die Massnahme als «herausfordernd», da die Kastanien sicher bei vielen Leuten beliebt seien.

Umgekehrt würde das Seeufer wieder in seinen natürlichen Zustand versetzt, wie es bis etwa 1930 der Fall gewesen war. Das sei aus naturschützerischer Sicht ein wichtiges Anliegen. «Da prallen Welten aufeinander», meinte der Projektleiter.

Sollte der Gemeinderat der Renaturierung zustimmen, kommt die Umsetzung nicht automatisch. Letztlich werden die Richterswilerinnen und Richterswiler entscheiden, wie ihr Seeufer aussehen soll. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 21.12.2018, 17:10 Uhr

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