Horgen

Das See-Spital baut einen neuen Trakt für 100 Millionen Franken

Das See-Spital packt das teuerste Projekt seiner Geschichte an. Für gegen 100 Millionen Franken will es in Horgen einen neuen Spitaltrakt bauen. Damit wird es seine Kubus-Grösse verdoppeln und sein medizinisches Zentrum erneuern. Es schafft aber kein einziges neues Spitalbett.

Der neue Spitaltrakt Neo (links) ersetzt den 120-jährigen Altbau. Das See-Spital plant im Neubau ein modernes medizinisches und therapeutisches Zentrum einrichten.

Der neue Spitaltrakt Neo (links) ersetzt den 120-jährigen Altbau. Das See-Spital plant im Neubau ein modernes medizinisches und therapeutisches Zentrum einrichten. Bild: zvg/Visualisierung BSS Architekten, Schwyz

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Das See-Spital plant am Standort Horgen den grossen Wurf: Es will den neuen Spitaltrakt D bauen und hat für das als Neo bezeichnete Projekt am Freitag ein Baugesuch eingereicht. Die Spitalstiftung investiert 90 bis 100 Millionen Franken. Der neue Trakt wird den 120-jährigen Altbau (Trakt A) ersetzen.

Der Altbau ist mehrfach um- und ausgebaut worden. «Er hat jetzt ausgedient», sagt Stiftungsratspräsident Lorenzo Marazzotta. Die alten Räume stünden einem modernen Spitalbetrieb je länger je mehr im Weg. Das Gebäude sei nicht flexibel nutzbar und könne sich den medizinischen Fortschritten nicht anpassen. Das führe dazu, dass sich die Wege für Patienten und Personal verlängerten und sich die Abläufe erschwerten. Zudem genüge der Altbau auch energetisch nicht mehr, sagt Marazzotta.

Neue Visitenkarte des Spitals

Der geplante Trakt D ist sowohl die Visitenkarte wie auch das medizinische Zentrum des See-Spitals. Einerseits wird dort der neue Empfang eingerichtet. Die Patienten und Besucher treten also im neusten Gebäudeteil ins Spital ein. Andererseits sind im Neubau zentrale medizinische und therapeutische Abteilungen eingeplant. So werden die Operationssäle, die Intensivstation und die Spital-Notfallstation integriert. Der ambulante Bereich wird dort gegenüber heute ausgebaut. Zudem wird Platz geschaffen für die administativen Bereiche und die Direktion, die jetzt in einem Nebengebäude untergebracht sind.

Neue Notfallpraxis geplant

Mit dem Projekt Neo verdoppelt das See-Spital seine Kubus-Grösse. Dies, ohne dass ein zusätzliches Spitalbett geschaffen wird. Der Bettentrakt, der 2005 eröffnet wurde, bleibt unangetastet. Inbegriffen ist im Projekt Neo hingegen ein unterirdisches Parkhaus mit direktem Zugang in den neuen Notfall.

Das See-Spital weitet auch sein Angebot aus. So plant es eine Notfallpraxis, wo leichtere Notfälle ohne Voranmeldung behandelt werden. Ob das Spital diese Notfallpraxis wie geplant mit den Hausärzten der Region betreiben wird, sei noch offen, sagt Lorenzo Marazzotta.

Das Verhältnis zwischen dem See-Spital und den Hausärzten der Region ist angespannt, seit das Spital seine Pläne für eine Walk-in-Praxis am Standort in Kilchberg bekannt gab. Die Hausärzte werfen dem Spital vor, es schaffe am Standort Kilchberg über ihre Köpfe hinweg ein neues Angebot, das nicht nötig sei. Darauf brachen die Hausärzte die Verhandlungen mit dem See-Spital ab. Dieses hat Gespräche angeboten, die in der Zwischenzeit stattgefunden haben. Seitens See-Spital sei man guten Mutes, dass man mit den hausärzten eine gute Lösungen finden und die Zusammenarbeit stattfinden werde, sagt Lorenzo Marazzotta.

Heute existiert am See-Spital Horgen eine Notfallstation, die eigentlich für schwere Fälle vorgesehen ist. Doch immer mehr Patienten mit leichten Verletzungen und Krankheiten suchen direkt die Notfallaufnahme auf, wo die Fälle gemäss ihrem Schsweregrad triagiert werden. Inskünftig sollen die eher leichten Fälle in der neuen Notfallpraxis versorgt werden, die entweder von Hausärzten oder dem See-Spital betrieben wird. Die dringenderen, ernsten Fälle werden in der Notfall-Station behandelt.

Bau während Spitalbetrieb

Geplant sei auch eine Kinderarztpraxis, sagt Marazzotta. Weiter baue das Spital gemäss dem kantonalen Leistungsauftrag seine Röntgenabteilung aus. Heute arbeitet es im Bereich Magnetresonanz Imaging (MRI) mit dem externen Unternehmen Rodiag zusammen. Den vierstöckigen Neubau geplant hat das Schwyzer Architekturbüro BSS. Geschäftsleitungsmitglied Hermann Heussi sagt, es entstehe ein einladender Eingangsbereich. Die Zugänge und Anfahrten würden entflechtet. Heute treffen Rettungssanitäter und Besucher am gleichen Ort ein und stehen sich manchmal im Weg.

Der Neubau wird bei laufendem Spitalbetrieb erstellt. Vor Baubeginn werden die Ambulatorien und Praxen aus dem Altbau (Trakt A) in ein zweistöckiges Provisorium untergebracht, das im Park aufgestellt wird. Danach wird der Altbau abgebrochen und an seiner Stelle der Neubau erstellt. Wenn alles nach Plan läuft ist der Trakt D im Sommer 2022 bezugsbereit und das Provisorium wird wieder entfernt. Ende 2023 sollen auch die Verbindungsbauten zum Bettentrakt fertig sein. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 09.02.2018, 16:20 Uhr

Das See-Spital ersetzt den Altbau durch «Neo»

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100 Millionen Franken für Neo

Das Bauprojekt für den neuen Trakt D trägt den Namen Neo und soll in dreieinhalb Jahren bezugsbereit sein. Der Stiftungsrat hat eine Investition von 90 bis 100 Millionen Franken bewilligt. «Mit dem Projekt Neo soll im See-Spital eine neue Ära anbrechen», sagt Lorenzo Marazzotta. Von den geplanten Investitionen werden etwa 50 Millionen für den Neubau verwendet. Es entstehen weitere Kosten für die Sanierung des Eckbaus zwischen dem Trakt D und dem Bettentrakt.

In Einrichtung investieren

Zudem investiert das See-Spital in die Modernisierung seines Betriebs und rüstet bei der medizinischen Einrichtung auf. Einberechnet sind zudem die Ausgaben für den Bau eines unterirdischen Parkhauses. Die Stiftung setzt Geld aus ihrem Eigenkapital ein und wird einen Kredit in Form einer Anleihe aufnehmen.

Die Gemeinden und der Kanton werden sich hingegen nicht primär an der Finanzierung der 90 bis 100 Millionen beteiligen. Man sei jedoch mit den Gemeinden bezüglich einer Optimierung der Finanzierung im Gespräch, sagt der Stiftungsratspräsident. Es gehe dabei um bestehende Kredite des See-Spitals bei den Gemeinden. Das See-Spital strebe an, dass diese gegenüber dem Bankkredit nachrangig erklärt werden. Zudem würde während der Dauer des Bauvorhabens die Verzinsung und Amortisation der Kredite ausgesetzt.

In Zukunft investieren

Der Betrag von 90 bis 100 Millionen Franken möge hoch erscheinen, sagt der Stiftungsratspräsident. Die Kosten seien aber im Vergleich zu anderen Spitalprojekten tief. «Wir wollen keinen Palast bauen.» Der Stiftungsrat habe alles drei bis vier Mal hinterfragt. Er sei überzeugt, dass es den Neubau brauche. «Wir benötigen Neo, wenn wir die Spitalversorgung im Bezirk Horgen erhalten wollen», sagt Marazzotta. Es sei überlebenswichtig, dass das See-Spital eine moderne Medizin anbieten könne. Sonst verliere es Patienten an nahe gelegene, modernere Spitäler. (Daniela Haag)

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