Wahlsonntag

Die Gewinner, die Verlierer: Das müssen Sie zu den Wahlen am Zürichsee wissen

Eine neue Nationalrätin – Grün siegt auch am See – Absteiger Mörgeli – sinkende Wahlbeteiligung

Judith Bellaiche (Grünliberale) schafft den Sprung nach Bern.

Judith Bellaiche (Grünliberale) schafft den Sprung nach Bern. Bild: Reuters/PD

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Die Wählerinnen und Wähler haben entschieden, wie sich die eidgenössischen Räte in den nächsten vier Jahren zusammensetzen. Die grosse Übersicht, wie am Zürichsee gewählt wurde.

Das sind die Themen:

Das sind die Gewählten vom Zürichsee

Die Umwälzungen im Nationalrat – die regelrecht grüne Welle – sind nach den Erneuerungswahlen gross. Das hat auch Einfluss auf die Kandidatinnen und Kandidaten vom linken und rechten Zürichseeufer. Die Fraktion vom linken und rechten Seeufer umfasst weiter sechs Personen.

Obwohl die SVP zwei Sitze verlor, schaffte Roger Köppel (Küsnacht) die Wahl problemlos. Als Spitzenkandidat angetreten erhielt er auch am meisten Stimmen der SVP-Kandidaten. Thomas Matter (Meilen) verlor einen Platz, holte als Fünfter aber dennoch einen der zehn SVP-Sitze.

Für die FDP sind im Nationalrat ebenfalls weiterhin zwei Politiker aus der Zürichseeregion präsent. Beat Walti (Zollikon) überflügelte in der Hierarchie Hans-Peter Portmann (Rüschlikon), sie schafften es auf Platz zwei respektive drei und können damit weitere vier Jahre in Bern politisieren. Auch der fünfte Bisherige vom See, Philipp Kutter (Wädenswil), bleibt Nationalrat. Er holt, als Spitzenkandidat angetreten, den einzigen Zürcher Sitz für die CVP.

Kilchberg ersetzt Horgen

Erhalten bleibt der GLP eine Vertretung aus der Region Zürichsee. Die als Listenfünfte Judith Bellaiche (Kilchberg) erhielt zwar nur am sechstmeisten Stimmen. Weil die Zürcher GLP aber drei zusätzliche Mandate gewann und somit zu sechst den Kanton Zürich vertritt, schaffte es Bellaiche trotzdem. Indirekt beerbt Bellaiche damit Thomas Weibel (Horgen), der nach zwölf Jahren im Parlament nicht mehr angetreten ist. Ihren Triumph kann Bellaiche kaum fassen. Sie stellt sich auf eine lange Feiernacht ein, wie sie im Interview sagt: «Vielleicht muss ich von der Wahlparty direkt in den Kantonsrat».

Beinahe hätte auch Anika Brunner (Hombrechtikon) den Sprung in die grosse Kammer geschafft. Denn auch die Grünen gewannen drei Sitze und können neu fünf Vertreter nach Bern schicken. Weil die auf Listenplatz 5 geführte Brunner aber von Meret Schneider überflügelt wurde, verpasste sie den Einzug in den Nationalrat dennoch knapp. Brunner ist dennoch nicht enttäuscht, wie sie im Interview mit der ZSZ sagt: «Es war extrem spannend und ich war ständig hin- und hergerissen. Aber ich werde heute Abend gut schlafen.»

In den Ständerat zog Daniel Jositsch (SP, Stäfa) souveran im ersten Wahlgang ein. Die übrigen Kandidaten müssen in die zweite Runde.

So hat der Bezirk Horgen gewählt

Am linken Zürichseeufer konnte die SVP den starken Stimmenverlust der Kantonsratswahlen - im Frühling verlor die Partei fast fünfeinhalb Prozent - etwas eindämmen. Mit einem Minus von 4,3 Prozent ist der Verlust aber immer noch grösser als im ganzen Kanton Zürich. Immerhin bleibt die SVP mit einem Wähleranteil von 26,98 Prozent deutlich stärkste Partei.

Die FDP verliert mit 1,2 Prozent vergleichsweise wenig und landet bei einem Wähleranteil von 18,13 Prozent. Die SP büsst wie auch an der Goldküste fast vier Prozent ein und verfügt noch über einen Wähleranteil von 14,40 Prozent. Immerhin konnte sie sich hier vor der GLP behaupten. Diese verzeichnet ein Plus von über fünf Prozent und kommt auf 13,44 Prozent. Die Grünen kommen dank eines Plus’ von über 6 Prozent neu auf einen Wähleranteil von 11,68 Prozent.

Sechststärkste Kraft ist die CVP. Sie gewinnt ein halbes Prozent und landet bei 7,63 Prozent. Der Wähleranteil ist damit deutlich höher als im ganzen Kanton (4,41 Prozent) - vielleicht ein «Philipp Kutter-Effekt», denn der Wädenswiler Stadtpräsident war Spitzenkandidat bei der kantonalen CVP, und in Wädenswil, der einwohnerstärksten Kommune im Bezirk, konnte die CVP einen Wähleranteil von fast 10 Prozent verzeichnen.

Während die EVP bei konstanten 3,08 Prozent verharrt, kassiert die BDP auch im Bezirk Horgen starke Verluste - minus zwei Prozent auf noch 1,54 Prozent.

So hat der Bezirk Meilen gewählt


Bei den Parteienstärken im Bezirk Meilen zeigt sich auf den ersten beiden Plätzen das erwartete Bild. Wählerstärkste Partei bleibt die SVP, sie verliert allerdings - wie im ganzen Kanton - fast vier Prozent und hat noch einen Wähleranteil von 27,74 Prozent.. Auch die FDP verliert an Boden, nämlich fast drei Prozent und landet noch bei 23,62 Prozent. Schon bei den Kantonsratswahlen im März hatten beide Parteien ähnlich grosse Verluste im Bezirk notieren müssen. Der Wähleranteil liegt aber immer noch um fast 10 Prozent höher als im gesamten Kanton.

Den dritthöchsten Wähleranteil hat am rechten Zürichseeufer neu die GLP mit 15,32 Prozent. Sie hat um über fünf Prozent zugelegt, ähnlich stark also wie im gesamten Kanton Zürich. Sie überholt damit die SP, die neu noch auf einen Wähleranteil von 11,97 Prozent kommt (minus vier Prozent). Nur knapp dahinter folgen die Grünen, die um fast sechs Prozent zulegen konnten auf 10,65 Prozent.

Konstant hält sich die CVP mit 4,12 Prozent. Die EVP verfügt über einen Wähleranteil von 2,36 Prozent, und weiter in den Keller ging es mit der BDP mit einem Anteil von nur noch 1,30 Prozent.

So haben die einzelnen Kandidaten aus dem Bezirk Horgen abgeschnitten

19 Ränge aufgeholt und dennoch weit weg von einer Wahl: Dieses Fazit kann Nicole Schmidlin-Kappeler ziehen. Die CVP-Kandidatin aus Adliswil hat in den beiden Seebezirken den grössten Sprung auf der Wahlliste gemacht. Sie startete auf Platz 26 und schloss auf dem 7. Platz ab.

Im Bezirk Horgen hat sich Jonas Erni (Wädenswil) am zweitweitesten nach vorne gearbeitet. Der Kantonsrat überholte neun Mitbewerber und belegt jetzt den 16. Platz auf der SP-Liste. Edith Häusler (Kilchberg) machte bei den Grünen fünf Plätze gut. Die Kantonsrätin ist nun als Siebte sogar zweite Ersatzfrau der Zürcher Grünen für den Nationalrat.

Nicht alle profitierten von Bekanntheitsbonus eines Kantonsrats. Davide Loss (Adliswil) büsste gegenüber seiner Ausgangslage auf der SP-Liste fünf Ränge ein. Der Adliswiler Stadtpräsident und Kantonsrat Farid Zeroual (CVP) verlor zwei Plätze, sein Parteikollege Aurèle Greter sogar vier.

So haben die einzelnen Kandidaten aus dem Bezirk Meilen abgeschnitten

Im Bezirk Meilen geht der erste Preis bei der Publikumsgunst ebenfalls an eine Frau. Nina Fehr Düsel (SVP, Küsnacht) überholte dank Kumulieren und eventuell auch Panaschier-Stimmen wie schon im Frühling bei den Kantonsratswahlen einige Männer und machte einen Sprung vom 25. auf den 14. Platz. Auch Kantonsrat Lorenz Schmid (Männedorf) erhielt auf der CVP-Liste zusätzliche Stimmen, was ihn um 5 Plätze vorrücken liesse. Sein Meilemer Parteikollege Willy Bischofberger machte sogar sieben Ränge wett.

Die grössten Absteiger am rechten Zürichseeufer sind zwei Prominente aus Stäfa: Sowohl alt-Nationalrat Christoph Mörgeli (SVP) als auch Kantonsrat Peter Vollenweider (FDP) verloren je fünf Ränge.

Nur einen Platz rutschte Annika Brunner (Hombrechtikon) zurück. Aber genau das kostete sie die Wahl. Hätte die Grüne ihren fünften Listenplatz behalten, wäre sie nun Nationalrätin.

Die beliebtesten Politiker am Zürichsee

Ein vertiefter Blick in die Ergebnislisten zeigt zudem, welches die beliebtesten Politiker am Zürichsee sind. Am linken Ufer ist es einer vom rechten Seeufer. Aufgefallen sind zudem patriotische Wädenswiler und eine Gemeinde im Bezirk Meilen, die den Kandidaten aus der eigenen Wohngemeinde überraschend schlecht berücksichtigte.

Die Wahlbeteiligung am Zürichsee sinkt

Die Wahlbeteiligung am See hat sich - ebenso wie im ganzen Kanton Zürich - rückläufig entwickelt. Politologen gingen im Vorfeld der Wahlen davon aus, dass die Stimmbeteiligung ähnlich hoch sein wird, wie vor vier Jahren. Manche hatten gar gehofft, dass die Beteiligung dank Frauenstreik und Klimabewegung steigen könnte. Immerhin: Im Bezirk Meilen leben die fleissigsten Wähler im Kanton. Aber nicht nur zwischen den Bezirken, auch innerhalb dieser gibt es deutliche Unterschiede.

Im Fokus stand am Wahlsonntag auch Wädenswil. Die Stadt am See brauchte nämlich sehr lange mit Auszählen. Um 19 Uhr wartete der ganze Kanton nur noch auf zwei Zürcher Stadtkreise - und Wädenswil. Sogar Winterthur war schneller. Warum das so war und ob es Parallelen zu einem Vorfall im Jahr 2014 gibt, dazu nimmt Stadtschreiberin Esther Ramirez Stellung.

Erstellt: 20.10.2019, 22:20 Uhr

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