Sozialhilfe

«Das macht mich richtig wütend»

Ein Ehepaar hat die Wädenswiler Sozialhilfe um 100'000 Franken betrogen. Nun äussert sich die Sozialvorsteherin zum Fall.

Dreister Betrug durch Sozialhilfebezüger in Wädenswil: Sozialvorsteherin Astrid Furrer meldet sich zu Wort.

Dreister Betrug durch Sozialhilfebezüger in Wädenswil: Sozialvorsteherin Astrid Furrer meldet sich zu Wort. Bild: Archiv PD

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Astrid Furrer, ein Ehepaar hat die Wädenswiler Sozialhilfe um 100 000 Franken betrogen. Was geht Ihnen als Sozialvorsteherin da durch den Kopf?
Das macht mich richtig wütend.

Sie glauben also nicht an ein Versehen?
Nein, unsere Klienten wissen, was sie beim Antrag angeben müssen. Wir beraten Sie gut und bieten persönliche Hilfe an. Und sie unterzeichnen bei jedem Antrag die Rechte und Pflichten.

Was ist, wenn die Sozialhilfebezüger nicht gut Deutsch können?
Auch das ist keine Ausrede. Merken wir, dass die Leute Mühe mit der Sprache haben, arbeiten wir mit Übersetzern und bieten einen Schreibdienst an. Uns ist es wichtig, dass sie verstehen, worum es geht.

Man merkt, Sie fühlen sich betrogen.
Das ist ja auch juristisch abgestützt. Das Ehepaar wurde wegen Betrugs verurteilt. Bis es so weit kommt, muss der Sachverhalt kristallklar sein. Wir unterscheiden in drei Phasen: Vergessen, schwindeln und betrügen. Das erste kann mal passieren, das Geld muss aber zurückerstattet werden. Das zweite passiert schon mit Absicht und wird gebüsst. Vorliegender Fall ist aber ganz klar arglistig erfolgt, ein Betrug, und wurde auch entsprechend strafrechtlich verfolgt.

Ein Einzelfall?
Ja, das ist in den letzten Jahren so in Wädenswil nicht passiert.

«Wer betrügt muss mit einer Kürzung des Grundbedarfs und der Aberkennung anderer Zulagen rechnen.»Astrid Furrer

Welche Konsequenzen gibt es in solchen Fällen?
Wer betrügt muss mit einer Kürzung des Grundbedarfs und der Aberkennung anderer Zulagen rechnen.

Was ist mit den 100 000 Franken, die das Ehepaar der Stadt Wädenswil schuldet?
Die Fehlbaren müssen schon spüren, dass sie unrecht gehandelt haben. Neben der Verurteilung muss das Geld zurückbezahlt werden. Jeden Rappen werden wir wohl nicht zurückbekommen. Insgesamt wird es finanziell vom Betrug nicht profitieren.

Wie können sich die Mitarbeitenden der Sozialen Dienste gegen solche Betrügereien schützen?
Einmal jährlich gibt es eine Totalrevison der Unterlagen, wo alle Unterlagen wieder eingereicht werden müssen. Zwischendurch finden Gespräche statt. Wir sind nahe bei den Leuten, denn das Ziel ist, dass sie wieder arbeiten können. Sie klären alles ab, was möglich ist. Teilweise kommt ihnen da der Datenschutz in die Quere. Das ist auch der Grund, dass wir nichts von den IV-Renten wussten.

Plädieren Sie dafür den Datenschutz aufzuweichen?
Grundsätzlich sind wir im Austausch mit anderen Stellen, da man die Klienten miteinander berät. Er ist aber nicht automatisiert. Die meisten Sozialhilfebezüger sind ja nur temporär in der Sozialhilfe. Würde es aber regelmässig zu solchen Fällen kommen, müsste man sich einen automatischen Datenaustausch überlegen. Aber glücklicherweise ist das für uns ein Einzelfall. Wichtig ist mir noch zu sagen, dass solche Fälle unsere Mitarbeitenden sehr mitnehmen. Sie fühlen sich für die Ausgaben verantwortlich, wissen, dass es Steuergelder sind, und haben ein schlechtes Gewissen, auch wenn sie etwas nicht merken konnten. Ihre Einstellung ist nicht «das ist ja ein armer Tropf, das ist schon nicht so schlimm». Sie fühlen sich persönlich betrogen, wenn so etwas passiert. Das hat andernorts schon dazu geführt, dass Mitarbeiter der Sozialen Dienste krank wurden. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 01.02.2019, 16:28 Uhr

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