Rüschlikon

«Das Landschaftsbild wird erheblich beeinträchtigt»

Mehr Leitungsseile, höhere Masten: Gegenden Ausbau der Stromleitung im Längimoos wehrt sich die Gemeinde Rüschlikon zum zweiten Mal vor Gericht. Den Netzbetreibern wirft sie vor, Alternativen nicht genügend geprüft zu haben.

Die Stromleitung Samstagern–Zürich führt mitten durch das Rüeschliker Naherholungsgebiet Längimoos. Ihr Ausbau ist schon seit über zwei Jahrzehnten in Planung.

Die Stromleitung Samstagern–Zürich führt mitten durch das Rüeschliker Naherholungsgebiet Längimoos. Ihr Ausbau ist schon seit über zwei Jahrzehnten in Planung. Bild: Manuela Matt

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Und sie stehen noch immer da: die alten, 35 Meter hohen Masten der Stromleitung Samstagern–Zürich. Eigentlich hätten sie im Abschnitt zwischen Gattikon und Kilchberg schon vor ein paar Jahren durch neue, grössere Masten ersetzt werden sollen.

Diese würden eine höhere Betriebsspannung erlauben. Statt heute 150 Kilovolt wären es neu bis zu 380 Kilovolt. Das beabsichtigen das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (EWZ) und die Axpo. Und zwar schon lange. 1997 hatte das EWZ beim Bund ein Gesuch für den Neubau eingereicht. Seither haben sich unzählige Ämter, Politiker und Juristen mit der Materie befasst.

Streit seit über 20 Jahren

Letztere sind auch jetzt wieder gefragt. Denn das Projekt liegt nun schon zum zweiten Mal beim Bundesverwaltungsgericht in St. Gallen. Der über 20-jährige Stromleitungsstreit geht damit in eine neue Runde. Und das Vorhaben der Netzbetreiber verzögert sich weiter.

Zu den Gegnern des Projekts zählt die Gemeinde Rüschlikon. Sie wehrt sich gegen den Ausbau der Freileitung, die mitten durch ihr beliebtes Naherholungsgebiet Längimoos führt. Rüschlikon hat darum im Oktober Beschwerde vor dem Bundesverwaltungsgericht erhoben. Dies zusammen mit dem Verein Diakonie Nidelbad, der zwei Bauernbetriebe im Längimoos besitzt.

Auftrag: Alternativen prüfen

Rüschlikons Hauptkritik: «Die Netzbetreiber haben sich gar nicht an den Auftrag gehalten, den sie 2012 erhalten hatten», sagt Gemeindepräsident Bernhard Elsener (CVP). Damit spricht Elsener das erste juristische Urteil im langjährigen Streit an. Denn 2012 beauftragte das Bundesverwaltungsgericht EWZ und Axpo, eine Erdverlegungder geplanten Höchstspannungs­leitung vertieft zu prüfen.

Damit hiessen die Richter eine Beschwerde der Gemeinde Rüschlikon gut. Gleichzeitig bedeutete dies, dass das vom Bundesamt für Energie (BFE) bereits bewilligte Projekt wieder überarbeitet werden musste.

Die Netzbetreiber wollten dies allerdings nicht hinnehmen und zogen den Fall weiter vors Bundesgericht. Doch auch dieses ­verlangte im Jahr 2014 vom EWZ und von der Axpo, Alternativ­lösungen zu prüfen.

Seit diesem Herbst ist nun klar: EWZ, Axpo und das BFE halten an der oberirdischen Variante fest. Das geht aus der im September verfügten Plangenehmigung des BFE, also der Projektbewilligung, hervor. Eine komplette Erdverkabelung sei ohnehin nicht möglich, da auf den neuen Masten auch eine 132-Kilovolt-Leitung der SBB geführt werden wird. Und diese darf aus technologisch-physikalischen Gründen nicht in den Boden verlegt werden.

Bleibt also jene Leitung ohnehin oberirdisch, wäre eine teilweise Ver­kabelung «nicht wesentlich landschaftsverträglicher». Auch von Unverhältnismässigkeit ist in diesem Zusammenhang die Rede.

Leitung entlang der A 3?

«Gegen diese Logik wehren wir uns», sagt Bernhard Elsener. Dass die Leitung zwingend am selben Ort hindurchführen muss wie bis jetzt, sei gar nie gerichtlich bestimmt worden. Zur Überarbeitung des Projekts hätte nach Ansicht der Gemeinde Rüsch­li­kon darum auch gehört, andere Korridore in Betracht zu ziehen.

«Es wurde zum Beispiel nie evaluiert, ob die SBB-Leitung nicht auch entlang der Autobahn geführt werden könnte.» Solche und weitere Kritikpunkte finden sich nun in der Beschwerde. Die Gemeinde kämpft damit weiter für ihr Längimoos, denn: «Die ­geplante neue Freileitung würde mit ihren rund 55 Meter hohen Masten das Landschaftsbild erheblich beeinträchtigen und den Wert als Naherholungsgebiet schmälern», sagt der Gemeindepräsident.

Die Axpo will sich mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht zu Rüschlikons erneutem Gang ans Gericht äussern. Auch das EWZ macht keine konkreten Aussagen. Auf Anfrage heisst es lediglich, dass «bei Infrastrukturprojekten in diesem Ausmass immer damit zu rechnen ist, dass Rechtsmittel ergriffen werden». Die Beschwerde würde nun genau geprüft und anschliessend eine Stellungnahme abgegeben. Entscheiden wird letztlich – wieder einmal – das Gericht.

(Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 02.12.2018, 17:29 Uhr

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