Verkehr

Das ist der neue Zimmerbergbus

Am Zimmerberg verkehren sieben neue Busse. Die Dieselmotore der neuen Fahrzeuge haben eine elektrische Unterstützung und sollen künftig Treibstoff einsparen.

Mit grösseren Fenstern und einem geräumigeren Innenraum verkehren die neuen Zimmerbergbusse vor allem zwischen Horgen-Thalwil sowie Adliswil.

Mit grösseren Fenstern und einem geräumigeren Innenraum verkehren die neuen Zimmerbergbusse vor allem zwischen Horgen-Thalwil sowie Adliswil. Bild: Patrick Gutenberg

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Auf den ersten Blick verläuft der Montagmorgen am Bahnhof Horgen wie gewohnt. Wer aber aufmerksam ist, kann erkennen, dass der Zimmerbergbus auf der Linie 145 nach Thalwil moderner ausgestattet ist. Der rot-schwarze Bus ist neu mit grösseren Glasfenstern und geräumigerer Innenausstattung unterwegs. Doch nicht nur das: «Die neuen Fahrzeuge sind mit einem Efficient-Hybrid-System ausgestattet», sagt Peter Freudiger. Freudiger ist Geschäftsführer der AHW Busbetriebe AG – ein Tochterunternehmen der Zugerland Verkehrsbetriebe AG, welche einen Teil der Zimmerbergbusse betreibt.

Der Dieselmotor des neuen Busses wird insbesondere beim Start von einem Elektromotor unterstützt. Laut ihm sollte diese Technologie zu einer Kraftstoffeinsparung von acht bis zehn Litern Diesel pro 100 Kilometer führen. Die Praxis werde noch zeigen, wie viel tatsächlich eingespart wird. «Aufgrund der Topografie des Gebiets Zimmerberg, das Steigung und Gefälle aufweist, ist ein Bus, der vollständig durch einen Elektromotor betrieben wird, noch nicht ideal», sagt er.

Die indirekte LED-Beleuchtung sorgt für angenehmes Licht.

Die Man Lion’s City-Busse werden in Polen von der Firma Man produziert. Sieben neue Busse sollen die alten Fahrzeuge ersetzen. Fünf Gelenkbusse mit einer Länge von rund 18 Metern und zwei Standardbusse mit einer Länge von 12 Metern hat die AHW erworben. Ein solcher Gelenkbus kostet das Verkehrsunternehmen rund eine halbe Million Franken. Die neuen Modelle werden schweizweit zum ersten Mal im Zimmerberggebiet eingesetzt und verkehren vorwiegend auf den Strecken Horgen-Thalwil und Thalwil-Adliswil.

Bremsvorgang liefert elektrische Energie

Im Innern des neuen Gelenkbusses der Linie 145 fällt insbesondere der grosse Einfall des Tageslichts auf. Die Fenster sind grösser und indirektes LED-Licht sorgt für angenehme Beleuchtung. Die Türen des neuen Fahrzeuges sind elektrisch betrieben. Es wird sich zeigen, ob dieses System tatsächlich weniger störungsanfällig ist. Sieben Kameras und Spiegel sorgen dafür, dass der Buschauffeur den Überblick über den Fahrzeuginnenraum behält.

«Rund acht bis zehn Liter Diesel sollen auf 100 Kilometer eingespart werden.»Peter Freudiger, Geschäftsführer
AHW Busbetriebe AG

Auf der Fahrt in Richtung Thalwil füllt sich der Bus zunehmend. Die Strecke ist bei Pendlern beliebt. Viele Passagiere bemerken jedoch nicht, dass sie auf neuen Sitzen Platz nehmen. «Ich sehe aber, dass die Passagierabsperrung beim Chauffeur einfacher zu umgehen ist», sagt Betti Maess. Ihre Begleiterin Gret Tschanz schmunzelt, «uns ist es aber bis jetzt gar nicht aufgefallen, dass es ein neuer Bus ist». So geht es den meisten Passagieren. Werden sie darauf aufmerksam gemacht, dass sie mit einem ganz neuen Fahrzeug unterwegs sind, reagieren die Passagiere jedoch erfreut. «Das neue Dachfenster ist schön. Und unbewusst habe ich gemerkt, dass der Bus bei jeder Haltestelle den Motor ausstellt», sagt Remi Francard.

Buschauffeur Vito Italo geniesst das neue Fahrgefühl.

Der Grund für das Ausschalten des Dieselmotors an Haltestellen liegt darin, dass so der Kraftstoffverbrauch gesenkt werden kann und die Schadstoff- und Geräuscheemissionen vermindert werden. Jeder Bremsvorgang im neuen Fahrzeug der Zimmerbergbusse wird in elektrische Energie umgewandelt. Diese Energie kommt insbesondere beim Start des Busses zum Einsatz, wird aber auchwährend der Fahrt genutzt. So muss der Dieselmotor weniger Energie generieren. «Der Chauffeur muss, sobald die Passagiere eingestiegen sind, nur noch das Gaspedal drücken, der Motor startet dann von alleine», erklärt Freudiger. Einzig Schüler Marc Zimmerli bemerkt, dass er in einem neuen Bus sitzt: «Das Fahrzeug hat sich äusserlich etwas verändert, die Bildschirme im Innern sind neu und der Raum ist gemütlicher».

Weniger Erschütterungen wahrnehmbar

Für Buschauffeur Vito Italo weist der neue «Mild-Hybrid Bus» ein neues Fahrgefühl auf. Er ist seit Juni bei den Zimmerbergbussen angestellt und sagt: «Das Fahrzeug fährt viel ruhiger und man merkt, dass die neue Technologie grosse Verbesserung bringt». Jedoch bringe es nochmals mehr Verantwortung mit: Die Teilverglasung an der Aussenseite des Busses wolle er lieber nicht verkratzen. Deshalb sei für die Chauffeure immer wichtig: «Gut zu essen und gut zu schlafen», um die nötige Konzentration im Verkehr mitzubringen. Die Verglasung des neuen Fahrzeuges besteht aus Verbundsglas und sollte auch bei einer Kollision nicht splittern.

Bei jeder Haltestelle wird der Motor des neuen Gelenkbusses der AHW Busbetriebe AG ausgeschaltet.

Ab Thalwil verkehrt die Linie 145 unter der Nummer 156 bis nach Adliswil, um dann wieder nach Horgen zurückzukehren.Was während der Fahrt auffällt: Im Innern sind weniger Erschütterungen wahrnehmbar. Jedoch macht sich die Heizung bemerkbar. Diese ist ausgeschaltet, wenn die Türen geöffnet werden. Sie heizt den Raum im Anschluss jedoch immer wieder auf die gewünschte Temperatur auf – das Geräusch der Lüftung ist deutlich zu hören. «Wir müssen nun testen, ob dieses System geeignet ist», sagt Freudiger.






Erstellt: 09.12.2019, 16:26 Uhr

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