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Das Hochzeitskleid bleibt noch im Schrank

Zwei Paare aus dem Bezirk Horgen wollten am 4. April kirchlich heiraten. Dieser Traum ist nun geplatzt. Sie müssen die Hochzeit absagen und mit viel Aufwand auf ein anderes Datum verschieben.

Standesamtlich haben Jacqueline und Roy Spahr letztes Jahr geheiratet. Die kirchliche Trauung mussten sie vorerst absagen.
Standesamtlich haben Jacqueline und Roy Spahr letztes Jahr geheiratet. Die kirchliche Trauung mussten sie vorerst absagen.
pd

Das Datum war schnell gefunden. Nach der standesamtlichen Trauung im August des letzten Jahres wollten Jacqueline und Roy Spahr aus Horgen am 4. April sich kirchlich das Jawort geben. «Weil wir uns an einem 30. März kennen gelernt haben, dieses Datum aber in diesem Jahr auf einen Wochentag fällt, wählten wir den darauffolgenden Samstag», sagt Jacqueline Spahr.

Ein Jahr lang haben sie alles akribisch organisiert. Die kirchliche Trauung, den Apéro, die Schiffsfahrt auf dem Zürichsee und das Essen im Restaurant. Die Einladungen für die 100 Gäste zum Apéro und die 45 Gäste im Restaurant waren geschrieben und verschickt. Auch die Flitterwochen in Hongkong und in der Südsee sind gebucht. Doch dann kam das Coronavirus.

Mehr Zeit für den Tanz

«Lange haben wir gehofft, das Hochzeitsfest trotzdem durchführen zu können», sagt Jacqueline Spahr. Als sich die Lage zuspitzte, überlegten sie noch, das Fest mit den notwendigen Sicherheitsmassnahmen zu veranstalten. «Doch was ist das für eine Hochzeit ohne Umarmungen und Küsschen», sagt die Braut. Zudem hätte das Paar die besonders gefährdeten Gäste, also die Eltern, ausladen müssen.

Haben das Fest in den Herbst verlegt: Jacqueline und Roy Spahr.
Haben das Fest in den Herbst verlegt: Jacqueline und Roy Spahr.

Doch nun ist es definitiv: Ihr schönster Tag im Leben – ihre Hochzeit – ist abgesagt. «Wir waren fast erleichtert, als klar war, dass wir das Fest nicht durchführen können», sagt sie. Die Ungewissheit sei das Schlimmste gewesen. Jede Vorfreude auf das Fest sei damit zunichte gemacht worden.

Mit der Absage kann das Paar nun umgehen und hat bereits angefangen, das Fest in den Herbst zu verlegen. Restaurant, Coiffeur und auch die Gäste hätten vollstes Verständnis für die Absage gehabt. «Und wir haben jetzt mehr Zeit, um unseren Hochzeitstanz zu üben», scherzt Jacqueline Spahr. Sie versucht es mit Humor zu nehmen, denn es gebe derzeit Schlimmeres. Das Datum werden die beiden nicht so schnell vergessen. Zumal es bereits in die Ringe eingraviert ist. Ob sie die Inschrift umgravieren lassen, wissen sie noch nicht.

Die kirchliche Trauung von Mirjam Schenk und Marcel Isliker findet voraussichtlich erst im Herbst in Kilchberg statt. Bild: Manuela Matt
Die kirchliche Trauung von Mirjam Schenk und Marcel Isliker findet voraussichtlich erst im Herbst in Kilchberg statt. Bild: Manuela Matt

Der 4. April steht auch in den Eheringen von Mirjam Schenk und Marcel Isliker aus Oberrieden. Es ist das Datum, an dem sie vor vier Jahren ihr erstes Date hatten. Ihre kirchliche Trauung sollte ebenfalls an diesem Datum in der reformierten Kirche in Kilchberg stattfinden. Nach dem Apéro mit rund 200 Gästen sollte das grosse Fest in Arosa gefeiert werden. Auch ihr Fest ist dem Coronavirus zum Opfer gefallen. Der Apéro, der Coiffeurtermin und das Hotel haben sie bereits storniert. Der Schneiderin hat Mirjam Schenk gesagt, dass sie das Kleid wieder in den Schrank hängen könne. Die Anpassungen müssten später gemacht werden.

Hoffen auf Flitterwochen

«Vielleicht werden wir aber unsere standesamtliche Trauung am 1. April durchführen», sagt Mirjam Schenk. Anwesend sein dürfen dann allerdings nur die Trauzeugen. «Wenn wir uns jetzt standesamtlich trauen lassen, hätten wir die nötigen Unterlagen für unsere Honeymoon-Ferien auf den Seychellen», sagt sie. Die beiden haben die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sie Ende April ihre Reise antreten können, auch wenn ihnen bewusst ist, dass die Chancen mehr und mehr schwinden. Und dafür ohne Anwesenheit der Eltern heiraten? Es ist keine leichte Entscheidung für das Paar.

Das Hochzeitsdatum steht schon in den Ringen. Bild: Manuela Matt
Das Hochzeitsdatum steht schon in den Ringen. Bild: Manuela Matt

Auch ihnen ist die Vorfreude auf die Hochzeit vergangen. Zwar haben sie bereits einen Termin im Herbst ins Auge gefasst, doch die Motivation, nun alles neu aufzugleisen, fehlt ihnen derzeit noch. «Es ist schwierig, einen neuen Termin zu finden, an dem alle Zeit haben», sagt Mirjam Schenk. Die Fotografin habe am neuen Datum bereits einen Auftrag. Dennoch zeigt auch sie sich zuversichtlich: «Ob mit oder ohne Trauschein, wir lieben uns trotzdem.» Die Gesundheit der Hochzeitsgäste und ihre eigene stehe im Vordergrund. «Alles andere lässt sich nachholen.»

Beide Paare sind sich sicher: Auch wenn jetzt der Traum von der Hochzeit wie eine Seifenblase geplatzt ist, im Herbst wollen sie umso mehr feiern.

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