Horgen

Das Bockengut öffnet zum Jubiläum seine Türen

Auf dem Landgut Bocken in Horgen lebte einst die Familie Schwarzenbach, heute tagen dort Firmen. Das exklusive Hotel gewährt am Sonntag der breiten Öffentlichkeit Einblick.

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Im Empfangsbereich des Seminarhotels Bocken oberhalb von Horgen spielt an diesem Morgen sanfte Loungemusik, es geht ruhig zu und her. Am Sonntag soll sich das ändern. Dann nämlich veranstaltet das Hotel einen Tag der offenen Tür. «Wir wissen nicht, ob 200 oder 2000 Leute kommen, sind aber gut vorbereitet und heissen jeden Interessierten willkommen», sagt Hoteldirektor Stephan Schué, der dem Journalisten schon vorab eine Führung durch das Areal gibt. Das Seminarhotel bietet in erster Linie Platz für Firmen, die Tagungen durchführen, sowie für Hochzeiten.

Seit 25 Jahren gehören das Grundstück und die darauf stehenden Gebäude der Credit Suisse AG (CS), das Jubiläum gibt Anlass zur Feier. Die Grossbank hat 1993, damals noch unter dem Namen Schweizerische Kreditanstalt, ein Seminargebäude mit Übernachtungsmöglichkeit dazugebaut und diverse Räume für Konferenzen und Tagungen umbauen lassen. Ein Jahr später erfolgte die Eröffnung. «Bis ins Jahr 2000 wurde im Reitgebäude, wo sich jetzt die Rezeption befindet, tatsächlich noch geritten», sagt Schué.

Seidene Tapete

Auf dem Spaziergang über das Gelände liefert Schué Fakten: 28 Hochzeiten sind es pro Jahr, 40 Gäste kann das Hotel über Nacht beherbergen. Das Hotel macht keine Werbung, ausser in Form von jährlich bis zu 600 Regenschirmen, die die Gäste «versehentlich» mitnehmen. Die Hälfte der Seminare sind solche der CS, doch auch andere internationale Firmen tagen hier. Im grössten Seminarraum finden 350 Personen Platz, gar Dolmetscherkabinen sind vorhanden.

«Der Salon Bleu ist der exklusivste Raum und für die Öffentlichkeit nur auf Anfrage zugänglich.»Stephan Schué, Hoteldirektor

Der Rundgang führt ins Landhaus. Historisch betrachtet ist es das interessanteste Gebäude der denkmalgeschützten Anlage. Ab 1912 diente es dem Seidenindustriellen Alfred Schwarzenbach und seiner Gattin Renée Schwarzenbach-Wille als Domizil. Deren Tochter, die Journalistin und Autorin Annemarie Schwarzenbach, wuchs hier auf. Heute ist es der «Salon Bleu», der mit seiner blauen Seidentapete das Herzstück des Gebäudes bildet. Im Oktober würden die mittlerweile 100 Jahre alten Tapeten erneuert, was sich die CS einiges kosten lasse, sagt Schué. «Es ist der exklusivste Raum und für die Öffentlichkeit nur auf Anfrage zugänglich», sagt er. Ausser eben an besagtem Sonntag, wenn ein Fotoautomat für Selfies im Salon stehen wird.

Kanonen gegen Horgen

Im Untergeschoss des Landhauses befindet sich ein Gewölbekeller, der riesige Fässer und eine alte Saftpresse beherbergt. Apfel- und Birnenmost seien früher darin gelagert worden, sagt Schué. «Am Sonntag gibt es hier eine Champagnerbar», sagt der Hoteldirektor. An der Wand hängt das Wirtshausschild des Gasthofs «Zum Bären». Das Gasthaus wurde im frühen 19. Jahrhundert errichtet, als der Chirurg Johannes Stocker das Grundstück besass und es zu einem Kur- und Badeort umfunktionierte.

Das Landgut Bocken und insbesondere der Gasthof wurden zum Schauplatz des Bockenkriegs von 1804. Während der Mediation erhoben sich Teile der Landbevölkerung wegen der Einführung neuer Gesetze gegen die Zürcher Obrigkeit. 600 Mann vom linken Seeufer und dem Knonauer Amt zogen unter der Führung des Horgner Schuhmachers Hans Jakob Willi gegen Zürich und besiegten auf Bocken die Regierungstruppen. Gar die Zürcher Kriegsflotte war zum Einsatz gekommen und hatte Kanonen auf Horgen gerichtet. Willi wurde bei einem Gefecht im Gasthaus verletzt. Nach Abnahme der Kampfbereitschaft verurteilte ein Kriegsgericht Willi zum Tode und richtete ihn in Zürich hin. Für den Blick in diese Vergangenheit wird am Sonntag ein Vortrag sorgen.

Tag der offenen Tür am Sonntag, 18. August, 10 bis 17 Uhr, im Seminarhotel Bocken, Bockenweg 4, Horgen. Infos: www.bocken.ch

Erstellt: 16.08.2019, 09:01 Uhr

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