Thalwil

Das Appenzellerland ist zu Gast im Ortsmuseum

Die Weihnachtsausstellung im Ortsmuseum hat den Titel «Heimatgefühle» und ist geprägt vom Appenzellerland. Unter anderem sind Bilder von der in Thalwil aufgewachsenen Verena Broger-Fässler zu sehen. Die Vernissage ist am Sonntag.

Sie haben die Weihnachtsausstellung im Thalwiler Ortsmuseum gestaltet: Christina Enderli-Fässler, Brigitta Gabban und Erika Wartmann (von links).

Sie haben die Weihnachtsausstellung im Thalwiler Ortsmuseum gestaltet: Christina Enderli-Fässler, Brigitta Gabban und Erika Wartmann (von links). Bild: David Baer

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In einer globalisierten Welt, in der sich alles immer schneller dreht, wächst die Sehnsucht nach Beständigem. Wurzeln und Heimat werden wieder wichtig. Und Traditionen helfen, zu ihnen zurückzufinden: So zumindest erleben es Christina Enderli-Fässler, Erika Wartmann und Brigitta Gabban, welche die diesjährige Weihnachtsausstellung im Ortsmuseum Thalwil kuratieren.

So verwundert es nicht, dass die Exponate ins Appenzellerland führen, denn «Heimatgefühle», so der Name der Ausstellung, gehören in diese hügelige und kleinräumige Landschaft mit dem urtümlichen Brauchtum. Die freischaffende Malerin Verena Broger-Fässler lebt seit 1972 in Appenzell, ist aber in Thalwil aufgewachsen. Ihr Vater war der Typograf und Maler Hans Bächer, dem vor acht Jahren eine grosse Ausstellung in Thalwil gewidmet war.

Die Tochter zeigt nun im Dorf ihrer Kindheit 81 Bilder im Stil der naiven Bauernmalerei, die im Appenzellischen beheimatet ist. Was da nicht alles zu sehen ist: Verschiedene «Stubete», idyllische Tanzveranstaltungen, traditionell gekleidete Sennen mit Tabakpfeife und «Ohrschuefe», Frauen in prächtigen Trachten, Bauernhäuser im lokalen Stil und Weihnachtliches in allen Facetten. Auch Tiere sind fast auf jedem Bild zu entdecken: Kühe und Geissen promenieren wie selbstverständlich durch die Strassen und auch der «Appezöller Bläss» taucht immer wieder auf. Den Betrachtenden wird bewusst, dass die Menschen im Appenzellerland in engem Kontakt mit den Vierbeinern leben und diese ganz selbstverständlich zu ihrem Alltag gehören.

Glaubwürdige Bilder

Für ihre Werke hat Verena Broger eine eigene Mischtechnik entwickelt: Zuerst trägt sie mit den Fingern eine weiche Schicht aus Fettkreide auf. Auf diese Grundierung skizziert sie mit Bleistift die gewünschten Motive sowie die ganze Szenerie. Details werden dann mit der Feder herausgekratzt. Diese «Verletzungen» haben für die Künstlerin sogar einen symbolischen Charakter. Sie sagt: «Niemand geht unverletzt durchs Leben». Für die Harmonie eines Bildes seien die Verletzungen aber kein Störfaktor, im Gegenteil: «Sie machen die Glaubwürdigkeit der dargestellten Geschichte aus», meint Broger.

In der Ausstellung in Thalwil kann man regelrecht ins weihnachtliche Appenzell eintauchen, wo das Brauchtum die Herzen höher schlagen lässt: Von grosser Bedeutung ist etwa der «Chlausezüüg», der Vorläufer des Christbaums im Kanton Appenzell Innerrhoden. Das pyramidenförmige Holzgestell wird bereits im Advent mit roten Äpfeln und mit «Deviisli», den lieblich bemalten Täfelchen aus weissem Mehlteig, geschmückt. Zu bewundern sind in der Ausstellung etwa Leihgaben der Deviisli-Künstlerin Jeannine Wetter. Einfach schön sind weiter die «Chlausebickli», die von Hand bemalten ungefüllten Lebkuchen und das «Filetbrood» - traditionelle Brotringe ohne Eier, die im Zopfmuster geflochten werden.

Inklusive «Fatschenkinder»

Wer mehr über das «Räuchle» in den Rauhnächten erfahren will, kann sich den Kurzfilm ansehen, den das Museum Appenzell dem Thalwiler Ortsmuseum ausgeliehen hat. Sehenswert sind auch die alten Schwarzweiss-Fotos aus den Fünfzigerjahren über die Appenzeller Weihnachtstraditionen.

Die in Thalwil wohnende Sammlerin Emilie Swoboda lieh dem Museum zudem sogenannte «Fatschenkinder» aus. Die Arbeiten entstanden im ehemaligen Kapuzinerinnenkloster «Maria der Engel» in Appenzell. Fatschenkinder sind kleine Andachtsbilder in Form eines in Bänder gewickelten Säuglings, der an das Jesuskind in der Krippe erinnert.

Vernissage: Sonntag, 19. November, 16 bis 19 Uhr, kurze Einführung um 16.30 Uhr. Die Ausstellung dauert bis am 7. Januar. Öffnungszeiten: Sonntag, 26. November, 3., 10.und 17. Dezember sowie 7. Januar, jeweils 14 bis 17 Uhr. Donnerstag, 14. Dezember, 18 bis 21 Uhr. Dienstag, 2. Januar, 12 bis 15 Uhr. www.ortsmuseumthalwil.ch. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 16.11.2017, 15:41 Uhr

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