Adliswil

Altersdurchmischtes Lernen steht auf der Kippe

Die Schulpflege prüft, das Schulmodell für alle Adliswiler Primarschulen zu vereinheitlichen. Das könnte das Ende für das altersdurchmischte Lernen bedeuten.

Ein Streit in der Schule Zopf im vergangenen Jahr führt nun dazu, dass die Schulpflege ein einheitliches Schulsystem prüft.

Ein Streit in der Schule Zopf im vergangenen Jahr führt nun dazu, dass die Schulpflege ein einheitliches Schulsystem prüft. Bild: Moritz Hager

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In wenigen Tagen startet das neue Schuljahr. Ein Teil der Adliswiler Primarschüler wird wieder mit Gleichaltrigen die Schulbank drücken. Ein anderer Teil der 1. bis 6. Klässler teilt das Schulzimmer mit älteren und jüngeren Kameraden. Das hängt ganz davon ab, ob der Schüler oder die Schülerin in einer Mehrjahrgangsklasse ist oder nicht. Dies wird an den Adliswiler Primarschulen nämlich unterschiedlich geregelt.

Während sich die Schule Sonnenberg/Wilacker ausschliesslich in üblichen Jahrgangsklassen organisiert, führen die Schulhäuser Werd, Dietlimoos und Zopf Zweijahrgangsklassen, die Schule Kopfholz gar Dreijahrgangsklassen.Die unterschiedliche Organisation sei unter anderem eine Folge des schnellen Bevölkerungswachstums in Adliswil, schreibt die Schulpflege in einer Mitteilung.Dass es überhaupt zu den unterschiedlichen Strukturen kam, geht auch auf einen Entscheid der Schulpflege zurück. Gemäss diesem dürfen die einzelnen Schulkonferenzen, also die Lehrer und Mitarbeiter in den Schulhäusern, selber über die Klassenstrukturen bestimmen.

Der Entscheid liegt Jahre zurück. Relativ neu im Amt hingegen ist der 2018 gewählte Stadtrat und Schulpräsident Markus Bürgi (FDP). Er möchte nun prüfen, ob ein einheitliches Schulsystem in Adliswil nicht sinnvoller wäre.

Ergebnis bis 2021

Eine Überprüfung des aktuellen Schulsystems hat aber noch andere Gründe. «Der Lehrplan 21, stark wachsende Schülerzahlen, neue Schulhäuser, pädagogische Überlegungen sowie verschiedene Reaktionen aus der Bevölkerung haben gezeigt, dass Klärungsbedarf vorhanden ist», sagt Bürgi. Mit letzterem spricht er auch die Kritik am Unterricht und der Kommunikation der Schule Zopf an, die Eltern Anfang letzten Jahres geäussert hatten. Kritik wurde unter anderem am Modell der Mehrjahrgangsklassen beziehungsweise am altersdurchmischten Lernen (AdL) geübt. Der Unterschied: In den Mehrjahrgangsklassen sind zwar mehrere Klassen in einem Raum, in den meisten Fächern unterrichtet der Lehrer die einzelnen Jahrgänge aber separat. Beim Konzept des AdL lernen Schülerinnen und Schüler unabhängig ihres Alters gemeinsam und differenziert nach ihrem Entwicklungs- und Lernstand.

«Wir werden nun prüfen, ob wir den bisherigen Ansatz unterschiedlicher Schulmodelle weiterführen sollen.»

Markus Bürgi, Schulpräsident (FDP)

Nicht nur in Adliswil auch in Thalwil wurde das AdL in Frage gestellt. Dort wurde ein Pilotprojekt im Schulhaus Sonnenberg letztes Jahr wieder gestoppt, weil die Ressourcen zu knapp und keine ausreichenden Vorteile nachweisbar waren.

«Wir werden nun prüfen, ob wir den bisherigen Ansatz unterschiedlicher Schulmodelle weiterführen oder vereinheitlichen sollen», sagt Markus Bürgi. Dafür will sich die Schulpflege Zeit lassen. Einen Entscheid kündigt sie auf Februar 2021 an. Dann werden Mitarbeitende und Bevölkerung über die Ergebnisse informiert. «Da wir zahlreiche Faktoren berücksichtigen müssen, wollen wir auf keinen Fall blindlings oder überstürzt handeln», sagt er. Daher werden auch die Schulleitungen und Schulkonferenzen miteinbezogen. Wie die Strukturüberprüfung konkret verlaufen soll, wird die Verwaltung in einem Projektplan bis Ende September ausarbeiten.

Kompetenzen neu geregelt

Ob die rund 2000 Schüler Adliswils künftig nur noch Jahrgangs- oder Mehrjahrgangsklassen besuchen könnten, kann Bürgi noch nicht sagen. «Wir prüfen alle möglichen Strukturen ergebnisoffen», sagt er. «Beide Varianten haben Vorteile.» Zudem würden wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bei Schülern aus Jahrgangs- wie Mehrjahrgangsklassen keine markanten Leistungsunterschiede bestünden. Empfehlungen seitens Kantons gibt es für die Gemeinden und deren Schulen keine, wie das Volksschulamt auf Nachfrage mitteilt.

Was aber bestimmt geändert wird, ist die Zuständigkeit für künftige Entscheidungen. Während bisher die Schulkonferenz über die Klassenstrukturen entschied, wird dies in Zukunft die Schulpflege tun. Die Kompetenz verschiebt sich, weil die aktuelle Regelung dem kantonalen Volksschulgesetz widerspricht. Gemäss diesem leitet und beaufsichtigt die Schulpflege die Schulen und nicht die Schulkonferenz. «Diese Widersprüchlichkeit soll aufgehoben werden, indem die Schulkonferenz zwar nicht mehr alleine entscheiden darf, jedoch das Recht erhält, Anträge zu stellen», sagt Bürgi.

Erstellt: 12.08.2019, 15:49 Uhr

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