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Bundesgericht bestätigt mildes Urteil für Vergewaltiger

30 Monate Gefängnis: Diese Strafe bleibt für einen Nigerianer, der in Adliswil eine Frau vergewaltigt und gewürgt hat. Eine Niederlage für die Staatsanwaltschaft, die acht Jahre Gefängnis gefordert hatte. Doch, dass er am selben Abend seine Ex-Freundin vergewaltigt hat, ist nicht zu beweisen.

Das Urteil des Zürcher Obergerichts wurde nun vom Bundesgericht bestätigt: Der Nigerianer, der in Adliswil eine Frau vergewaltigte muss nach wie vor nur für 30 Monate ins Gefängnis.
Das Urteil des Zürcher Obergerichts wurde nun vom Bundesgericht bestätigt: Der Nigerianer, der in Adliswil eine Frau vergewaltigte muss nach wie vor nur für 30 Monate ins Gefängnis.
Keystone

Dramatische Szenen müssen sich vor gut zwei Jahren in einer Wohnung in Adliswil abgespielt haben. Am frühen Morgen hat ein Nigerianer die Kollegin seiner damaligen Freundin geweckt und den Geschlechtsverkehr erzwungen. Dabei hat er sie so stark gewürgt, dass es zu Stauungsblutungen kam.

Diesen Sachverhalt hat nun auch das Bundesgericht anerkannt. Eine Beschwerde des Mannes gegen das entsprechende Urteil des Zürcher Obergeichts lehnen die höchsten Richter ab. Doch diese teilbedingte Strafe von 30 Monaten Gefängnis hat auch die Staatsanwaltschaft nicht zufriedengestellt. Denn vorgeworfen wurde dem 39-Jährigen zusätzlich die Vergewaltigung seiner Ex-Freundin sowie die mehrfache Vergewaltigung einer weiteren Ex-Freundin. An der ersten Ex-Freundin soll er sich in derselben Nacht in der Adliswiler Wohnung vergangen haben. Er habe sie gewürgt und geschlagen. Nachdem die Frau aus der Wohnung fliehen konnte, soll sich der Mann der Kollegin zugewendet haben.

Die zweite Ex-Freundin aus der Innerschweiz hatte wiederum bei der Staatsanwaltschaft ausgesagt, der Nigerianer habe sie ein- bis zweimal pro Woche vergewaltigt und gewürgt.

Komplott nicht beweisbar

Das Bezirksgericht Horgen hielt die drei Frauen für glaubwürdig. Einzig bezüglich Gefährdung des Lebens sprach es den Nigerianer in einem Fall frei. Es verurteilte den Mann zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren. Das Obergericht misstraute den Aussagen der Frauen stärker. Sowohl die angeblich regelmässigen Vergewaltigungen der einen Ex-Freundin, als auch die Vergewaltigung der anderen Ex-Freundin hielt das Obergericht nicht für beweisbar. Die Aussagen seien teilweise unstimmig und wirr gewesen.

Der Beschuldigte hatte stets geltend gemacht, dass er Opfer eines Komplotts geworden sei. Die beiden befreundeten Frauen hätten sich gegen ihn verschworen. Dass das Obergericht eine der Beiden als wenig glaubwürdig ansieht, reicht den Bundesrichtern aber nicht, um die Komplott-Geschichte zu glauben. Bezüglich der Taten gegenüber der Kollegin gebe es objektive Sachbeweise, etwa DNA-Spuren. Zudem stehe die Glaubhaftigkeit ihrer Aussage im Vordergrund, nicht die generelle Glaubwürdigkeit. Dass der Beschuldigte zum Tatzeitpunkt stark alkoholisiert war, habe die Vorinstanz bei der Strafzumessung berücksichtigt, findet das Bundesgericht.

Zweifelhaftes Verhalten

Chancenlos blieb die Staatsanwaltschaft mit ihrem hohen Antrag. Zwar habe die Ex-Freundin bis zum Tattag kein Motiv gehabt, ihren Partner anzuschwärzen. Doch ihr Verhalten während des Notrufs und in den ersten Einvernahmen liessen Zweifel an ihrer Glaubwürdigkeit aufkommen. Sie wies keine Würgemale auf. Und im Vaginalbereich fanden sich keine DNA-Spuren des Beschuldigten. Dass solche Spuren an der Oberschenkelinnenseite und unter den Fingernägeln der Frau gefunden wurden, lasse sich durch andere Berührungen erklären. Es blieben letztlich gewisse Bedenken, der Beschuldigte wird wegen Zweifeln freigesprochen.

Zu gross waren die Zweifel auch an den Aussagen der Ex-Freundin aus der Innerschweiz. Diese habe noch nicht mal selber Anzeige erstatten wollen, so das Bundesgericht. Auch habe sie schon während des Verfahrens ihr Desinteresse erklärt.

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