Langnau

Bühnenszenen für die Ewigkeit

Für mehr als 60 verschiedene Theatergruppen hat Fotograf Bernhard Fuchs während 40 Jahren Bilder gemacht. Einen Teil davon stellt er nun im Turbine-Theater aus.

Nur selten steht Bernhard Fuchs vor der Kamera. Lieber ist er derjenige, der die Personen im Rampenlicht fotografiert.

Nur selten steht Bernhard Fuchs vor der Kamera. Lieber ist er derjenige, der die Personen im Rampenlicht fotografiert. Bild: Michael Trost

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Lassen Sie sich gerne ­fotografieren?
Bernhard Fuchs: Nein, überhaupt nicht. Ich bleibe lieber im Hintergrund. Aber ich stehe auch nicht auf der Bühne.

Warum haben Sie sich auf die Theaterfotografie spezialisiert?
Wenn man ein Theaterstück fotografiertm trifft man auf eine Ateliersituation. Es ist alles fertig eingerichtet, die Bühne ist perfekt ausgeleuchtet und die Schauspieler sind geschminkt. Man muss sich um nichts mehr kümmern. Das liegt mir sehr. Etwas selber zu inszenieren, macht mir Mühe, das habe ich nicht gelernt.

Das Klicken der Kamera kann aber das Publikum stören.
Das stimmt, deshalb fotografiere ich, wenn es irgendwie geht, während einer der letzten Proben. Da kann ich mich frei bewegen und störe niemanden.

In Gastspieltheatern, wie zum Beispiel das Theater Ticino eines ist, gibt es aber meistens keine Generalproben.
Das ist so. Da kann ich während der Vorstellung natürlich nicht herumgehen. Meistens sitze ich in der ersten Reihe und fotografiere vom Knie aus, um die Kamera nicht hochnehmen zu müssen. Inzwischen sind diese aber so leise geworden, dass kaum noch ein Klicken zu hören ist. Meine analoge Kamera habe ich früher sogar in einen Pullover eingewickelt, damit keine Rückspulgeräusche zu hören waren.

Kam es öfter zu schwierigen ­Situationen für Sie als Theaterfotograf?
Nein, eigentlich nicht. Manchmal traf ich, vor allem noch in der Zeit der Analogfotografie, aber auf Beleuchtungssituationen, die ein Fotografieren fast verunmöglichten. Was immer wieder vorkam, waren zeitliche Ungenauigkeiten bei Proben. Einen diesbezüglichen Extremfall erlebte ich einmal, als ich auf 15 Uhr bestellt worden war und erst gegen 21 Uhr mit Fotografieren beginnen konnte. Weil ein Schauspieler stundenlang verzweifelt versuchte einem Bühnenhirsch ein Geweih zu montieren.

Ist es nicht schwierig, Personen, die sich auf der Bühne bewegen, zu fotografieren?
Die Schauspieler leben ihre Rolle, sie bewegen sich. Ich versuche deshalb, Spielsituationen festzuhalten, die ruhig sind. Das ist beim Tanztheater ganz anders. Dort leben die Bilder von der Bewegung.

Sie waren hauptberuflich Lehrer. Haben Sie jemals daran gedacht die Fotografie zu Ihrem Beruf zu machen?
Nein, nie. Das waren für mich immer zwei Welten. Primarlehrer war mein Beruf, den ich sehr gerne ausgeübt habe. Das «Gewusel» der Kinderschar habe ich immer sehr geliebt, das fehlte mir nach der Pensionierung dann doch ein wenig. Daneben aber fotografierte ich, was mir vor die Linse kam: die Familie, Jungwacht, Gebäude, Tiere. 1968 erhielt ich die Gelegenheit, als Lokalfotograf für den «Sihltaler» zu arbeiten. Damit emanzipierte mein Hobby zum Nebenberuf.

Wie kam es, dass Sie sich auf Theaterfotografie spezialisiert haben?
Der Bruder meiner Frau Lisa, Regisseur Jean Grädel, war Gründer des Theaters «Die Claque» in Baden. Er fragte mich, ob ich Fotos seiner Theaterinszenierungen in Baden machen könnte. Ich sagte zu und so begann 1970 meine Tätigkeit im Theater. Da man mit meiner Arbeit zufrieden war, wurde ich dann weiterempfohlen. Nur bei ein paar wenigen Veranstaltungen hatte ich selber angefrag.

Sie haben während 40 Jahren für 60 verschiedene Theater fotografiert. Wie viele sind es heute noch?
Während gut 40 Jahren habe ich, neben meinem Lehrerberuf, für insgesamt 60 verschiedene Theatergruppen aus der freien Szene fotografiert und während 17 Jahren auch als Theaterfotograf an der Theaterhochschule Zürich (heute ZHdK) gearbeitet. Heute fotografiere ich nur noch für das Theater Ticino in Wädenswil und das Sogar-Theater in Zürich.

Warum ausgerechnet diese ­beiden?
Weil beide sehr familiär sind. Insbesondere das Theater Ticino, für das ich seit den 1990er-Jahren die Gastspielvorstellungen dokumentiere. Es sind beides Theater, wo ich mich zu Hause und willkommen fühle. Mit beiden Theatern haben Lisa und ich einen Deal: Ich mache alle Fotos von den Aufführungen gratis, dafür müssen wir keine Eintrittskarten bezahlen. Solange ich noch eine Kamera ruhig halten kann und noch brauchbare Fotos entstehen, werde ich für die beiden Theater fotografieren.

Haben Sie ein Lieblingsbild?
Das auf der Einladungskarte zur Ausstellung, die am 21. April im Turbine-Theater stattfindet. Das Foto ist an einem speziellen Ort entstanden: in der Tiefgarage im Migros-City an der Löwenstrasse in Zürich. Dort fahren die LKW mit einem Lift in den Untergrund, werden auf einer Drehscheibe rangiert, um so an die Rampe zum Auslad zu fahren. Hier unten spielten die Theaterstudenten zusammen mit dem Theater an der Sihl die «Antigone». Die Drehscheibe wurde in das Stück integriert, sodass die Schauspieler regelrecht an mir vorbeifuhren. Ich musste nur im richtigen Moment auf den Auslöser drücken.

Das Foto ist auch an der ­Ausstellung zu sehen.
So wie weitere Theaterfotos zwischen 1992 und 2009. Das war die Zeit, als ich viel für das Theater der Künste, der heutigen Zürcher Hochschule der Künste, fotografiert habe. Damals war Peter ­Danzeisen Rektor dieser Theaterhochschule. Er hat sich freundlicherweise bereit erklärt, an der Vernissage die Laudatio zu halten.

Vernissage: Donnerstag, 21. April,18 bis 20 Uhr, ca. 19 Uhr Laudatio, anschliessend Lounge-Betrieb bis 23 Uhr. Öffnungszeiten: 22. April von 17 bis 23 Uhr, 23. und 24. April von 14 bis 18 Uhr, Turbine-Theater, Spinnereistrasse 19, Langnau.

Erstellt: 19.04.2016, 15:19 Uhr

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