Britischer Hochstapler nach Bundesgerichtsentscheid ausgeliefert

Mark Acklom galt als meistgesuchter Betrüger Englands. 2018 wurde er in Wädenswil verhaftet. Nun hat er sich gegen seine Abschiebung erfolglos gewehrt - trotz angeblicher Gefahren durch den Brexit.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mit einem spektakulären Sprung von seinem Wädenswiler Balkon, wollte sich Mark Acklom im vergangenen Juni vor seiner Verhaftung retten. Der Fluchtversuch misslang, Acklom konnte von Polizeibeamten niedergerungen werden. Die Verhaftung des 45-jährigen Briten sorgte weltweit für Schlagzeilen - denn Acklom galt als Englands meistgesuchter Betrüger und Hochstapler.

Die Liste der Vorwürfe ist lang: Unter anderem soll er in England einer 61-Jährigen Liebe vorgetäuscht haben. Doch eigentlich wollte er nur das Vermögen der Frau. Er gab ihr gegenüber an, er arbeite als Schweizer Banker und sei ein Spion des britischen Geheimdienstes MI6. Er erbeutete alleine in diesem Fall rund 850'000 britische Pfund (umgerechnet rund 1,1 Millionen Franken). In Wädenswil wohnte Acklom zusammen mit seiner Familie in eine Wädenswiler Luxussiedlung und gab sich - diesmal unter dem Namen Manuel Escolar - als «Hirn» des Elektro-Automobilherstellers Tesla aus.

Mitte November des letzten Jahres verfügte das Bundesamt für Justiz die Auslieferung an Grossbritannien. Gross Lust auf die Auslieferung scheint Acklom, der vom Bundesgericht auch mit acht weiteren Namen genannt wird, nicht zu haben. Er wehrte sich nämlich gegen seine Auslieferung. Jedoch ohne Erfolg.

Acklom versteht kein Deutsch

In seinen Eingaben macht Acklom im Wesentlichen geltend, er und seine Anwältin verstünden kein Deutsch. Sie sei für ihre Bemühungen im Auslieferungsverfahren auch nicht bezahlt worden, weshalb er die Beschwerde als «juristischer Laie» selber - auf Französisch und Englisch - einreiche.

Acklom hat laut dem Bundesgericht vermutet, «dass die schweizerischen Behörden seine Post öffnen oder teilweise gar nicht weiterleiten würden». Nach einem möglichen Austritt Grossbritanniens aus der EU - dem sogenannten «Brexit» - bestehe zudem die Gefahr, dass die europäischen Menschenrechtsgarantien in seinem Heimatland künftig nicht mehr gültig sein könnten. Das Bundesgericht kann dieser Argumentation wenig abgewinnen. Die Menschenrechtslage in Grossbritannien sei kein Auslieferungshindernis.

Anwältin versteht Deutsch

Wie sich laut dem Bundesgericht aus den Akten ergibt, verfüge seine Anwältin zudem auch über ausreichende Sprachkenntnisse. «Dementsprechend war sie in der Lage, dem Beschwerdeführer den Inhalt des deutschsprachigen Entscheides zu erläutern und - soweit nötig - zu übersetzen.» Ebensowenig nachvollziehen kann das Bundesgericht Ackloms Beschwerde wegen der angeblichen Postkontrolle.

«Dass die für die Auslieferungshaft zuständigen Behörden grundsätzlich die Post kontrollierten, um die Sicherheit des Gefängnisses sicherzustellen und allfällige Verdunkelungshandlungen zu unterbinden, ist bundesrechtskonform». Es gebe keine Anzeichen dafür, dass die Vollzugsbehörden die Briefkorrespondenz des Beschwerdeführers nicht weitergeleitet hätten.

Zu den Details der Auslieferung wollte das Bundesamt für Justiz am Donnerstag keine Angaben machen. Das entsprechende Verfahren sei noch pendent.

Am Freitagabend berichteten englische Medien, Acklom sei zurück in England. Er sei mit einem Flug von Genf nach Bristol gebracht worden.

Erstellt: 22.02.2019, 21:19 Uhr

Artikel zum Thema

Er steht auf der «Most wanted»-Liste: Brite in Wädenswil verhaftet

Die Polizei überwachte Mark Acklom seit Tagen, jetzt schlug sie zu. Der Hochstapler war mehrere Jahre auf der Flucht gewesen. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Haben Sie etwas Spannendes gesehen oder gehört?
Schicken Sie uns ihr Bild oder Video per E-Mail an webredaktion@zsz.ch oder informieren Sie uns telefonisch unter der Nummer 044 928 55 82. Mehr...

Inserieren

Anzeigen online aufgeben
Inserate einfach online aufgaben

Kommentare

Blogs

Michèle & Friends Midlife-Crisis? Nehm ich!

Von Kopf bis Fuss Diese Frau erinnert sich an alles

Abo

Eine für alle. Im Digital-Abo.

Die Zürichsee Zeitung digital ohne Einschränkung nutzen. Für nur CHF 25.- pro Monat. Jetzt abonnieren!