Verkehr

Bombardier-Pannenzug: Südostbahn will den SBB Züge vermieten

S-Bahn-Züge der Südostbahn und Wagen des Voralpen-Express könnten den SBB aus der Rollmaterial-Krise helfen.

Der neue Bombardier-Schnellzug ist das Sorgenkind der SBB.

Der neue Bombardier-Schnellzug ist das Sorgenkind der SBB. Bild: Keystone/Ennio Leanza

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Als «Pannenzug» und «Schüttelbecher» wird der neue Bombardier-Schnellzug der SBB seit Wochen bezeichnet. Verschiedene Störungen führen zu Verspätungen und Zugausfällen, auf der Paradestrecke von St. Gallen nach Genf wird der Zug gar nicht erst eingesetzt. Dank Softwareanpassungen in den vergangenen Wochen konnten immerhin die Türstörungen behoben werden, der Zug schüttelt dank Änderungen an den Radprofilen etwas weniger als zu Beginn.

Dennoch stehen derzeit nur 12 der 62 bestellten Züge im Einsatz, fünf weitere Kompositionen sollen in den nächsten Wochen folgen. Die grosse Herausforderung für die SBB: Bis zum Fahrplanwechsel im Dezember braucht das Bahnunternehmen 25 funktionierende Züge, um den Angebotsausbau stemmen zu können. Stehen nicht genügend Züge zur Verfügung, drohen den Pendler kürzere, ältere Kompositionen - und vor allem weniger Sitzplätze.

SOB könnte Züge vermieten

Dieses Horrorszenario wollen die SBB vermeiden. Wie Recherchen der «Zürichsee-Zeitung» zeigen, sind die SBB deshalb mit anderen Bahnunternehmen in Kontakt, um Alternativen zu prüfen. Die Südostbahn (SOB) bestätigt auf Anfrage, mit den SBB über eine Vermietung von Rollmaterial zu sprechen.

«Möglicherweise werden wir den SBB mit einer Mietlösung von ein bis zwei Flirt-Zügen aus dem regionalen Personenverkehr aushelfen können», sagt SOB-Mediensprecher Christopher Hug. Die Züge von Hersteller Stadler Rail verkehren derzeit etwa am Zürichsee auf der Strecke von Wädenswil nach Einsiedeln, von Rapperswil nach Einsiedeln, aber auch in der Region St. Gallen.

Die Südostbahn könnte ein bis zwei Flirt-Züge an die SBB vermieten. Bild: David Baer

Auch Voralpen-Express steht zur Verfügung

Die Südostbahn hat etwas mehr freie Rollmaterialkapazität, weil sie ab diesem Juni das neue Rollmaterial für den Voralpen-Express - auf der Strecke von Luzern über Rapperswil nach St. Gallen - sowie neue Ergänzungskompositionen für den S-Bahn-Verkehr in Betrieb nimmt. Die alten Wagen und Lokomotiven des Voralpen-Express stehen öffentlich zum Verkauf. Die Südostbahn erwartet, dass einzelne Occasions-Wagen noch problemlos mehrere hunderttausend Kilometer rollen können, bis wieder eine Revision notwendig wird. «Wir prüfen die technischen Voraussetzungen für eine Teilweiterverwertung von Wagen des heutigen Voralpen-Express», sagt Hug. Auch dieses Rollmaterial könne Teil einer Mietlösung für die SBB sein.

Steht zum Verkauf und könnte ebenfalls an die SBB vermietet werden: Das Rollmaterial des Voralpen-Express. Bild: Kurt Heuberger

Nicht früher fahren

Nicht infrage kommt für die Südostbahn, gewisse Linien früher von den SBB zu übernehmen. Ab Dezember 2020 betreibt die SOB die Strecken von Bern-Olten-Zürich-Wädenswil nach Chur sowie die Panoramastrecke über den Gotthard. Auch dafür beschafft die SOB Rollmaterial, das aber noch nicht zur Verfügung steht.

SBB halten sich bedeckt

Die SBB wollen die Mietlösung nicht im Detail kommentieren - auch nicht, ob die SBB mit weiteren Bahnunternehmen wie etwa der Berner BLS oder Partnerbahnen im Ausland wie der Deutschen Bahn und den österreichschen ÖBB im Kontakt für Mietlösungen von Rollmaterial steht. SBB-Sprecher Reto Schärli sagt: «Bombardier und SBB setzen alles daran, dass für den Fahrplanwechsel genügend zuverlässig funktionierende Züge zur Verfügung stehen.» Ziel der SBB sei es, dass ab Fahrplanwechsel das geplante Angebot gefahren werden könne. «Deswegen werden derzeit auch mögliche Alternativen geprüft.»

Erstellt: 08.05.2019, 14:37 Uhr

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