Richterswil

Blei und Müll sollen jetzt verschwinden

Seit zehn Jahren schon will Richterswil einen Kugelfang und eine alte Mülldeponie sanieren. Nächstes Jahr soll es soweit sein. Ein drittes Projekt ist mittlerweile gestrichen worden.

Die Altlasten im Bereich des Mülibachs sind im Untergrund verborgen und beschäftigen Richterswil schon seit einem Jahrzehnt.

Die Altlasten im Bereich des Mülibachs sind im Untergrund verborgen und beschäftigen Richterswil schon seit einem Jahrzehnt. Bild: Sabine Rock

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Es sei nun Zeit zum Handeln, sagt Christian Stalder (SVP), Richterswiler Gemeinderat und Ressortvorsteher Werke. Denn das Projekt Altlastensanierung im Gebiet des Mülibachs steht in Richterswil seit zehn Jahren zur Diskussion. Konkret geht es um die drei Kugelfänge bei der alten Schiessanlage Mülitobel, wo sich schätzungsweise 18 Tonnen Blei im Boden befinden, sowie um eine alte Mülldeponie. Letztere wurde am selben Ort bei Sondierungsarbeiten per Zufall entdeckt.

Die Gemeinde Richterswil hat die Sanierungsarbeiten nun zur Vergabe ausgeschrieben. «Um das Sanierungsprojekt voranzutreiben, läuft die Vergabe parallel zum Genehmigungsverfahren beim Bundesamt für Umwelt (Bafu)», sagt Stalder. Er weist damit auf die Komplexität des Projekts hin. Denn nebst dem Bund sind gleich zwei Gemeinden und Kantone involviert: Während die alte Mülldeponie auf Richterswiler Boden liegt, befinden sich die Kugelfänge auf dem Gemeindegebiet von Wollerau im Nachbarkanton Schwyz. Das Grundstück ist aber im Besitz der Gemeinde Richterswil. Diese Konstellation mit vielen Akteuren sei Grund dafür, dass sich das Projekt derart verzögert habe, rechtfertigt Stalder.

In der ehemaligen Schiessanlage Mülitobel belasten 18 Tonnen Blei den Boden. Bild: Archiv Sabine Rock.

Kosten noch unklar

Ein drittes Teilprojekt war bis anhin der Bau eines Geschiebesammlers am selben Ort im Mülibach. Ein solcher solle verhindern, dass der Bach Unmengen von Kies ins Seebad schwemme, hiess es vonseiten der Gemeinde im letzten Jahr. «Der Geschiebesammler ist definitiv gestrichen», sagt Stalder jetzt. Dies, weil der Kanton in der Gesetzgebung zum Gewässerschutz eine Kehrtwende vollzogen habe. «Das Geschiebe im Mülibach wird nicht mehr als kritisch, sondern als wünschenswert betrachtet, etwa als neuer Lebensraum für Land- und Wassertiere.» Die Gemeinde würde nun sporadisch das Geschiebe im Seebad in den See hinausstossen lassen. Dies sei günstiger, als wie bis anhin das Kies alle fünf Jahre aus dem Auslauf des Mülibachs zu baggern und auf einer Deponie waschen zu lassen.

Nach wie vor steht die Frage im Raum, ob und wie sich die Kantone Zürich und Schwyz sowie der Bund an den Kosten des Sanierungsprojekts beteiligen. Im Winter des letzten Jahres sprach Stalder gegenüber dieser Zeitung von Kosten in der Höhe von rund 1,5 Millionen Franken, wovon Bund und Kantone einen Drittel übernehmen würden. Richterswil müsste also eine Million selber stemmen. Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen, sagt Stalder. Die definitive Kostenverteilung werde diesen Oktober bekannt, doch er rechne mit ähnlichen Zahlen. «Bis jetzt haben wir keinen negativen Bericht erhalten, dass die Ämter nicht mehr hinter der Sanierung stehen», sagt er.

«Der Geschiebesammler ist definitiv gestrichen.»Christian Stalder (SVP), Richterswiler Gemeinderat und Ressortvorsteher Werke

Anfragen bei den kantonalen Ämtern lassen ebenfalls darauf schliessen, dass Stalders Berechnung nach wie vor stimmt. Und dies, obwohl Richterswil diverse Fristen für Unterstützungsgelder verpasst hat. Stalder hofft auf Verständnis der kantonalen Ämter für die Komplexität des Projekts. Nach den Herbstferien wolle er den Kredit für den Richterswiler Anteil der Kosten vor den Gemeinderat bringen.

Baubeginn ab Mai möglich

Der Terminplan, der dem Vergabeschreiben für die Baumeisterarbeiten zu entnehmen ist, sieht vor, dass bis Mitte April 2020 alle Bewilligungen vorliegen. Mit dem Baubeginn sei ab Mai zu rechnen, bis Ende des Jahres müsse das Sanierungsprojekt abgeschlossen sein. «Falls es keine Einsprachen gibt und wir alle Bewilligungen erhalten, ist dieser Zeitplan korrekt», kommentiert Stalder. Die Chance dafür sieht er bei 50 Prozent.

Das Naherholungsgebiet rund um den Mülibach wird der Bevölkerung, bis die Arbeiten beginnen, noch uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Doch auch die Altlasten unter der Erdoberfläche werden noch nicht allzu rasch weggeschafft. Während der Bauarbeiten versuche die Gemeinde, «wenn immer baulich möglich der Bevölkerung das Gebiet zugänglich zu machen», sagt Stalder.

Erstellt: 20.09.2019, 16:02 Uhr

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