Horgen

Bis zum Schluss bleiben die wahren Pläne undurchsichtig

Ungeahntes kann dahinter stecken, wenn ein 80-jähriger Millionär eine 30-Jährige heiratet. Dies zeigt der Dramatische Verein Horgen mit «Laras Plan».

Argwöhnisch wird sie beäugt, die junge und gut aussehende Lara (ganz rechts, gespielt von Tamara Napoli), wie sie als zweite Frau im Haus des 50 Jahre älteren Eugen Hammerschmidt den Ton angibt.

Argwöhnisch wird sie beäugt, die junge und gut aussehende Lara (ganz rechts, gespielt von Tamara Napoli), wie sie als zweite Frau im Haus des 50 Jahre älteren Eugen Hammerschmidt den Ton angibt. Bild: Moritz Hager

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Sie gibt sich nicht gerade schüchtern. Sie, die Neue, die der Hausherr aus seinen Ferien auf den Bahamas mitgebracht hat. Als seine Ehefrau notabene. Dabei ist sie, Lara, mindestens 50 Jahre jünger als er, Eugen Hammerschmidt. Kaum also hat sie sich eingefunden in ihrem neuen Zuhause, da gibt sie auch schon durch, wer hier nun das Sagen hat. Bestimmt nicht ihre Schwägerin Adelheid, auch wenn die sich noch so wichtig zu machen versucht. Diese nennt Lara gleich schon mal in aller Überlegenheit und freimütig Heidi. Und auch die keifende Ex-Frau von Hammerschmidt hat das Nachsehen. Umso mehr, da Lara allein Hammerschmidts 50 Millionen erben soll.

Dieses wenig harmonische Familiengefüge ist die Ausgangslage des Stücks, das der dramatische Verein Horgen aktuell zeigt. «Laras Plan» heisst der Vierakter von Claudia Gysel. In dessen Verlauf zeigt Lara immer mehr ihre Unberechenbarkeit. Etwa in ihrem Verhalten gegenüber dem Privatsekretär Carlos Mendoza (Markus Weber). Oder gegenüber dem Dienstmädchen Iris (Marina Kunz). Eine Unberechenbarkeit, aus der zunehmend eine verwirrende Undurchschaubarkeit wird. Und von der auf ungeahnte Weise auch die weiteren Personen nicht ganz frei sind. Die gut 100 Zuschauer jedenfalls, die sich am Sonntagnachmittag im Saal der reformierten Kirchgemeinde eingefunden haben, zeigen sich bis zur letzten Pause gespannt über den Ausgang des Stücks.

Rollen werden zugeteilt

Die Hauptfigur Lara spielt die 29-jährige Tamara Napoli. Dies, nachdem die sechsköpfige Stückwahl-Kommission des Vereins die Besetzung der Charaktere entschieden habe, wie Regisseurin Karin Sifrig erklärt. «Wir überlegen uns jeweils schon bei der Wahl des Stücks, wer von den zur Verfügung stehenden Darstellern welche Rolle übernimmt.» Eine mitunter herausfordernde Aufgabe für die Kommission, bis alle Charaktere vergeben sein.

«Wir überlegen uns schon bei der Wahl des Stücks, wer von den zur Verfügung stehenden Darstellern welche Rolle übernimmt.»Regisseurin Karin Sifrig

Sie sei erst etwas unsicher gewesen, ob sie die Rolle der Lara treffend umsetzen könne, sagt Napoli im Gespräch nach der Vorstellung. «Denn von Natur aus bin ich eine ganz andere Person.» Hinterhältigkeit und das Anschreien anderer Leute zähle sie nicht zu ihren Charakterzügen, erklärt sie mit einem Lachen. Doch schnell habe sie sich in die Rolle hineingefunden, immer mehr Freude daran bekommen – und das Verkörpern fremder Wesenszüge sei ja das Faszinierende am Schauspiel. 2010 ist Napoli erstmals für den dramatischen Verein Horgen auf der Bühne gestanden. Nun ist sie, nach einer Pause, wieder dabei.

Pauken auf der Fähre

Die Begeisterung am Theater sieht man ihr auf der Bühne denn auch an. Von Unsicherheit jedenfalls ist da keine Spur. Souverän und bestimmt tritt sie im Hause Hammerschmidt auf, ist mal einschüchternd, mal freundlich, mal gibt sie sich reuig und dann wieder kaltblütig. Diese oft rasch aufeinander folgenden Gefühlswechsel finde sie an der Rolle die grösste Herausforderung, sagt Napoli. Auch, die Stimme stets laut zu behalten, wenn die Textstellen eine weichere Aussprache erfordern. «Wir machen bei den Proben entsprechend gezielte Stimmübungen», erklärt sie, die im normalen Leben als Kundenberaterin bei einer Bank arbeitet.

Dass ihr Arbeitsplatz auf der anderen Seeseite, in Meilen, liegt, kommt zuweilen dem Theater zugute. «Auf der Fähre kann ich die Zeit nutzen zum Auswendiglernen», sagt die gebürtige Horgnerin, die mittlerweile in Wädenswil wohnt. Es falle ihr leicht, die Textpassagen einzuprägen. Auch das ist bei ihrem Auftritt zu spüren.

Aber auch ihre Kollegen in «Laras Plan» zeichnen sich durch eine grosse Textsicherheit und Identifikation mit ihren jeweiligen Charakteren aus. Das Publikum zollt dem Ensemble denn auch einen entsprechend grossen Applaus – nachdem es die überraschende Wendung des Stücks doch noch erfahren hat.

Weitere Aufführungen: Täglich von Dienstag bis Samstag,26. Januar. Jeweils um 20 Uhr. Reformiertes Kirchgemeindehaus, Kelliweg 21, Horgen. Vorverkauf unter www.dvh.ch oder telefonisch unter 077 486 00 82 (montags 10 bis 11.30 Uhr und donnerstags 14 bis 16 Uhr). (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 21.01.2019, 20:53 Uhr

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