Kilchberg

Bezirksrat pfeift Kilchberger Gemeinderat zurück

Die Sanierungsarbeiten an den drei Wohngebäuden des gemeindeeigenen Gutsbetriebs Uf Stocken laufen bereits. Einen Teil davon müssen die Stimmbürger aber noch bewilligen.

Dicke Post für den Gemeinderat: Der Bezirksrat, die Aufsichtsbehörde der Gemeinden, hat entschieden, dass die Kilchberger Stimmbürger den Kredit für den Innenausbau der Stockenstrasse 86 – des mittleren Gebäudes – noch gutheissen müssen.

Dicke Post für den Gemeinderat: Der Bezirksrat, die Aufsichtsbehörde der Gemeinden, hat entschieden, dass die Kilchberger Stimmbürger den Kredit für den Innenausbau der Stockenstrasse 86 – des mittleren Gebäudes – noch gutheissen müssen. Bild: Patrick Gutenberg

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Einmal mehr werden die Kilchberger über das Stockengut abstimmen. Im November wird die Gemeindeversammlung darüber befinden, ob das Gebäude Stockenstrasse 86 – eine von drei Wohnliegenschaften des gemeindeeigenen Bauernbetriebs Uf Stocken – für 350'000 Franken umgebaut werden darf oder nicht. Dies teilt der Gemeinderat mit.

Wäre es nach dem Gemeinderat gegangen, würde dieses Geschäft an keiner Gemeindeversammlung traktandiert. Doch der Bezirksrat, dem die Aufsicht über die Gemeinden obliegt, hat beschlossen, dass ein Teil der ­Sanierung der Liegenschaft Stockenstrasse 86 von den Stimmbürgern abgesegnet werden muss.

Und der Kilchberger Gemeinderat akzeptiert diesen Beschluss, wie er weiter mitteilt. Dies, obwohl die Sanierungsarbeiten der beiden angrenzenden Gebäude– Stockenstrasse 88, in dem traditionellerweise der Betriebsleiter wohnt, und Stockenstrasse 84– bereits im Gang sind.

Gebunden oder neu?

Wie ist es so weit gekommen? Es hat sich bereits länger abgezeichnet, dass die drei charakteristischen Wohngebäude, welche das Bild des Stockenguts von der Stockenstrasse her prägen und die im kommunalen Inventar für Heimatschutzobjekte aufgeführt sind, in die Jahre gekommen sind. Sie sind in den 1980er-Jahren letztmals renoviert worden, nachdem die Gemeinde den Hof 1982 erworben hatte.

2017 hat der Gemeinderat prüfen lassen, wie sinnvoll und teuer eine Sanierung der drei Gebäude zu stehen kommen würde. Die Prüfung habe ergeben, dass die beiden seitlichen Wohnhäuser vom Betrieb weiter genutzt werden könnten und das Wohnhaus an der Stockenstrasse 86– das Verbindungsgebäude– nach einer Anpassung des Grundrisses fremdvermietet werden könnte.

Im Dezember 2018 hat der Gemeinderat daher einen Kredit über 2,5 Millionen Franken gesprochen für eine Sanierung von zwei der drei Gebäude und eine Aussensanierung des dritten. In der Annahme, das liege in seiner Kompetenz, weil es sich um gebundene Ausgaben im Sinne von Substanzerhaltung handle.

Das sah ein Kilchberger Stimmbürger anders. Er gelangte mit einem Rekurs an den Bezirksrat. Mit dem Argument, bei der Sanierung handle es sich nicht um eine gebundene Ausgabe, die lediglich der Substanzerhaltung diene, sondern im Gegenteil um eine sogenannt neue Ausgabe, welche einer Wertvermehrung diene. Neue Ausgaben liegen gemäss Gemeindeordnung nicht in der Kompetenz des Gemeinderats, sondern müssen den Stimmbürgern unterbreitet werden.

Investitionen aufdröseln

Wie dem Beschluss des Bezirksrats, der dieser Zeitung vorliegt, zu entnehmen ist, gibt der Bezirksrat dem Rekurrenten teilweise recht: Sowohl die Aussensanierung des Gebäudes Stockenstrasse 88 als auch die Totalsanierung der Stockenstrasse 84 liessen sich zwar «als notwendige Unterhaltsarbeiten qualifizieren», heisst es im Beschluss. Die «Umgestaltung dreier Geschosse» der Liegenschaft Stockenstrasse 86 sei dagegen «nicht zwingend geboten».

Dort ist eine Veränderung der Grundrisse vorgesehen: Im Erdgeschoss sollen Nebenräume entstehen. Im zweiten und im Dachgeschoss sollen Einzelzimmer in zwei Wohnungen umgebaut werden. Wenn lediglich die Substanz erhalten würde– was als gebundene Ausgabe gälte–, müssten «die Grundrisse der ­Geschosse im Wesentlichen belassen und lediglich renoviert werden».

Mit seinem Beschluss hat der Bezirksrat den Kilchberger Gemeinderat aufgefordert, aufzudröseln, welche Sanierungsarbeiten «Unterhaltsfunktion» und welche eine «wertvermehrende Funktion» hätten, damit ermittelt werden könne, «über welche Investition der Gemeinderat und über welche die Gemeindeversammlung zu entscheiden» habe.

Gemeinderat ist nicht erfreut

Das hat der Gemeinderat nun eben gemacht. Er bezeichnet neu den Kredit von 350 000 Franken für den Umbau von sieben Einzelzimmern in zwei Wohnungen an der Stockenstrasse 86 als ungebunden– und legt ihn an der Gemeindeversammlung vom 26. November vor.

Wie der zuständige Hochbauvorsteher Christian Benz (GLP) auf Anfrage sagt, hat der Gemeinderat aus pragmatischen Gründen entschieden, den Beschluss des Bezirksrats zu akzeptieren. «Wir würden die Sanierung der drei Liegenschaften gern als ein Projekt durchziehen, nicht ein zweites Mal die ganzen Arbeiten vergeben, einen Bauleiter engagieren müssen und so weiter.»

Der Gemeinderat sei nicht erfreut über die entstandene Verzögerung. Man sehe sich aber «grundsätzlich gestärkt», da der Bezirksrat das Vorgehen für den grossen Teil des Projekts bestätigt habe. Der angedachte Umbau im Haus 86 verändere die Konfiguration der Wohnung, was offenbar für den Gemeinderat Grund genug gewesen sei für eine Aufsplittung des Kredits. «Unsere Haltung war und ist aber, dass wir vorher und nachher Wohnraum haben werden, und zwar einfachen.»

Christian Benz macht keinen Hehl daraus, dass er den Gang vor die Gemeindeversammlung als Umweg erachtet. Aber er gibt sich zuversichtlich, dass der Gemeinderat damit dasselbe Ziel erreicht: eine umfassende Sanierung aller drei Wohngebäude des Stockenguts. «Wir hoffen einfach, dass die Versammlung noch einmal Ja sagt zum Stockengut, damit im mittleren Haus auch wieder vermehrt Leben einkehrt.»

Erstellt: 10.09.2019, 21:15 Uhr

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