Wädenswil

Bahnschranke in Wädenswil wird für kleinen Zirkus unüberwindbar

Der Minicirc gastiert seit 20 Jahren auf dem Seeplatz. Die Künstler mussten jeweils mit Wagen und Zirkusschwein die Gleise überqueren. Neue Sicherheitsauflagen verunmöglichen das in Zukunft.

Der Bahnübergang auf Höhe des Wädenswiler Hafens, direkt neben dem Bahnhof, ist für viele Veranstalter der einzige Zugang zum Seeplatz.

Der Bahnübergang auf Höhe des Wädenswiler Hafens, direkt neben dem Bahnhof, ist für viele Veranstalter der einzige Zugang zum Seeplatz. Bild: Sabine Rock

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Ein dressiertes Schwein, eine Handvoll Hühner und das kleinste Theaterzelt der Schweiz: Viel mehr braucht das Zirkusduo Irmi Fiedler und Stephan Dietrich nicht, um mit ihrem Kleinstzirkus Minicirc durch die Deutschschweiz zu touren. Seit 20 Jahren sind die beiden unterwegs und gastierten auch regelmässig auf dem Seeplatz in Wädenswil. Im Mai starten sie mit Zirkusschwein Trüffel von Schnüffel und den Hühnern Mesdemoiselles Poulettes ihre neue Tournee. In Wädenswil werden sie ihr Stück «Wo drückt der Schuh» aber nicht aufführen.

Denn der Schuh drückt beim Thema Bahnübergang. Der einzige Zugang, um mit dem Zirkuswagen auf den Seeplatz zu kommen, ist die Gleisüberquerung nördlich des Bahnhofs auf Höhe des Hafens. Der Übergang ist nicht öffentlich und wird nur überquert, wenn Material auf den Seeplatz zwischen Zürichsee und Bahngleise geliefert werden muss. Geöffnet sind die Schranken zum Beispiel jährlich für die Chilbiwagen. Um sein Material über die Gleise zu transportieren, musste der Minicirc der Stadt jeweils eine Gebühr entrichten, damit ein Angestellter mit einem Schlüssel die Bahnschranken öffnet. Die Gebühr für das Öffnen der Schranken ist wegen neuen Sicherheitsvorgaben der SBB nun gestiegen. Der Zirkus kann die Kosten nicht mehr stemmen.

Irmi Fiedler und Stephan Dietrich (hier in Stäfa) werden mit dem Minicirc vorerst nicht mehr nach Wädenswil kommen. Archivfoto: Sabine Rock

Nur noch in der Nacht

Wie ist es so weit gekommen? Um die Gleise zu passieren, müssen die Veranstalter ihre Wagen am Ende des Bahnübergangs zwischen dem See und einer Mauer durchzirkeln. Das braucht Zeit. Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember fehlt diese. Wegen des steigenden Bahnverkehrs gibt es gemäss SBB tagsüber keine Zeitfenster mehr, in denen eine Überquerung sicher ausgeführt werden kann. Daher darf der Bahnübergang nur noch nachts geöffnet werden. Wie es bei der Stadt heisst, werde zudem das bisherige Schlüsselsystem durch die SBB nicht weiter unterhalten und beim nächsten Defekt ausser Betrieb gesetzt. Neu müsse ein speziell ausgebildeter Sicherheitsverantwortlicher beigezogen werden.

Die Stadt hat niemanden gefunden, der über die notwendige Ausbildung verfügt und auch nachts zur Verfügung steht, weshalb nun ein Mitarbeiter eines Drittanbieters die Schranken öffnet. Das treibt die Kosten in die Höhe. Diese lagen bisher in der Regel im dreistelligen Bereich, jeweils abhängig vom Aufwand. Der neu benötigte Sicherheitsverantwortliche kostet für eine ganze Nacht 1500 Franken. Für den Minicirc ist der Seeplatz nicht mehr lukrativ.

Stadt suchte Gespräche mit den SBB

«Wir haben uns mit Wädenswil verbunden gefühlt und finden es schade, nicht mehr auftreten zu können», sagt Irmi Fiedler. Einen anderen Standort in Wädenswil habe der Zirkus nicht gefunden. Der Minicirc ist nicht der einzige Veranstalter, der unter den höheren Kosten leidet. Auch andere kleine Anbieter haben mit den neuen Auflagen zu kämpfen. Eine grössere Institution hat die Änderung ebenfalls beschäftigt. Anfang Jahr wies bereits der Verein Eisbahn Wädenswil auf die Problematik hin. Das Eisfeld konnte im letzten Winter aus verschiedenen Gründen nicht auf dem Seeplatz aufgestellt werden (diese Zeitung berichtete).

«Auch für die Stadt sind die neuen Vorgaben der SBB ein Ärgernis», sagt Stadtpräsident Philipp Kutter (CVP). Die Stadt habe mehrfach Gespräche mit den SBB geführt. «Ändern lassen sich die neuen Vorgaben nicht», sagt er. Auch im Parlament ist der Bahnübergang ein Thema. In einer Interpellation hat die CVP-Fraktion Fragen zu den neuen Vorgaben an den Stadtrat gestellt. Dieser antwortete, dass die neuen Auflagen der Sicherheit dienen und zu akzeptieren seien. Der Stadtrat arbeite aber an Massnahmen, um den Seeplatz als Veranstaltungsort wieder attraktiv zu machen.

Verschiedene Lösungsideen

Einerseits könnten bauliche Projekte den Zugang zum Seeplatz verbessern. «Das sind aber aufwendige und langfristige Massnahmen», sagt Kutter. Anpassungen wären im Zuge der Bahnhofserneuerung möglich. Bis dieser umgebaut wird, dürfte es aber 2035 werden. Um der Problematik früher entgegenzuwirken, überlege sich der Stadtrat, einen weiteren eigenen Mitarbeiter gemäss SBB-Vorgaben ausbilden zu lassen. So könnte die Stadt den Veranstaltern wieder selber jemanden zur Verfügung stellen. Wie die SBB mitteilen, haben diese der Stadt bereits eine entsprechende Schulung angeboten. Es besteht also doch noch eine Chance, dass der Minicirc einst wieder auf den Seeplatz zurückkehren wird.

Erstellt: 05.05.2019, 16:48 Uhr

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