Thalwil

Aus Thalwiler Villa wird definitiv kein Museum

In seinem Testament hatte der ehemalige Verleger des «Thalwiler Anzeigers» verfügt, dass die Kunstsammlung in seiner Villa öffentlich zugänglich gemacht wird. Daraus wird nichts.

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Vier Jahre sind vergangenen, seit sich die Thalwiler an einer Gemeindeversammlung mit dem Tellenbach-Areal befasst haben: Sie stimmten damals einem privaten Gestaltungsplan zu, der es ermöglichte, auf jenem Areal seeseits des Bahnhofs zwei neue Wohnhäuser zu bauen. Eines würde an die Stelle der ehemaligen Druckerei des «Thalwiler Anzeigers» kommen. Das andere in den Garten der benachbarten Villa Tellenbach. Doch bis heute hat sich auf dem Areal nichts getan.

Auf dem Papier hingegen schon. Denn die Architekten haben den Gestaltungsplan inzwischen nochmals überarbeitet, wenn auch marginal: Die geplante Tiefgarage umfasst jetzt zwei zusätzliche Parkplätze für die künftigen Bewohner der alten Villa. Interessant ist dies deshalb, weil aus der Villa eigentlich ein Museum hätte werden sollen – und nicht ein Wohnhaus.

Über hundertjährige Villa

Das Museum war ein letzter Wunsch von Hans F. Tellenbach. Vor seinem Tod im Jahr 2006 hatte der einstige Verleger des «Thalwiler Anzeigers» nämlich verfügt, dass die Kunstsammlung von ihm und seinem Vater in der Villa öffentlich zugänglich gemacht werden soll. Bewerkstelligen sollte dies die Stiftung Hans F. Tellenbach. Um aus der über hundertjährigen Villa ein Museum zu machen, hätte die Stiftung Geld benötigt. Dafür wurden die beiden Neubauten mit rund 14 Mietwohnungen geplant.

Doch nun kommt es anders. Aus Tellenbachs ehemaligem Wohnhaus wird kein Museum. «Ein Gutachten hat gezeigt, dass die Gegenstände für ein Museum in keiner Weise geeignet sind», sagt Stiftungspräsident Martin Künzli. Dies decke sich auch mit der Einschätzung des Ortsmuseums Thalwil. Auch biete sich die Villa, die im kommunalen Verzeichnis schützenswerter Objekte eingetragen ist, für einen Museumsbetrieb nicht an.

«Nun haben wir die Mittel, um das öffentliche Kunstleben finanziell zu unterstützen.»Martin Künzli, Präsident Stiftung Hans F. Tellenbach

Die Stiftung liess die Kunstgegenstände deshalb von einem Auktionshaus versteigern. Auch die Villa und das Areal mit dem Druckerei-Gebäude hat sie vor einigen Monaten verkauft. Zu den Verkaufssummen äussert sich Künzli nicht. Klar ist aber: «Dank den Verkäufen haben wir nun die Mittel, um das öffentliche Kunstleben finanziell zu unterstützen», sagt Künzli. Denn auch dies entspreche dem Stiftungszweck.

Künstler, kulturelle Aktivitäten oder Institutionen sollen ab Anfang 2020 von den Zuwendungen profitieren. «Wir wollen die Gelder breit verteilen», sagt Martin Künzli, der sich sicher ist, dass bald entsprechende Gesuche gestellt werden. Diese Kunstförderung bewirke mehr als ein Kleinmuseum in der Villa, das kaum auf Interesse gestossen wäre. Das hätte Hans F. Tellenbach auch nicht gewollt, sagt der Stiftungspräsident.

Baubeginn frühstens 2020

Die Villa Tellenbach erworben hat Conrad P. Schwyzer, der Miteigentümer der benachbarten Überbauung des Färberei-Areals ist. Die Villa,die seit 2006 leersteht, sei stark sanierungsbedürftig, sagt Schwyzer. «Wir werden sie deshalb sorgfältig renovieren und wieder bewohnbar machen.» Anschliessend ziehe eine Familie ein.

Käuferin des restlichen Grundstücks ist die Leven Property AG aus St. Gallen. Wie vom Gestaltunsplan vorgegeben, wird sie darauf die beiden Neubauten realisieren. Im Moment sei man in der Projektierungsphase, sagt Inhaber Daniel Fässler. «Im Herbst wollen wir das Baugesuch einreichen.» Geplant seien 14 bis 15 Eigentumswohnungen. Die Verkaufspreise würden erst in den nächsten Monaten spruchreif. Baubeginn wäre frühestens nächstes Jahr. Bis dahin steht das Druckerei-Gebäude noch einigen Künstlern und Musikern zur Verfügung, die seit langem darin eingemietet sind.

Erstellt: 10.07.2019, 17:02 Uhr

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