Sihlwald

Auf virtueller Spurensuche im Sihlwald

Die Maturandin Rosina Weiss hat für ihre Abschlussarbeit eine App entwickelt. Das Krimispiel führt auf einem Rundgang quer durch den Sihlwald.

Rosina Weiss mit dem Fussabdruck des Mörders. Foto: Patrick Gutenberg

Rosina Weiss mit dem Fussabdruck des Mörders. Foto: Patrick Gutenberg

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Die Idylle im Sihlwald trügt. Eine Leiche wird erschossen am Ufer aufgefunden. Sie liegt blutüberströmt im kalten Wasser der Sihl. In Frage kommen vier Verdächtige. Die Polizei ist vor Ort und versucht Licht ins Dunkel zu bringen. Doch sie braucht Hilfe der Bevölkerung. Das alles könnte so oder ähnlich passiert sein, ist aber der Fantasie der 17-jährigen Maturandin Rosina Weiss aus Langnau entsprungen.

Sie hat für ihre Maturaarbeit eine App entwickelt. Mit der Krimiapp «Das Notizbuch» können sich Besucher des Sihlwalds auf die Spurensuche in einem imaginären Mordfall begeben und die Polizei mit physikalischem Wissen unterstützen. Einzige Voraussetzung: Die Nutzer der App sind älter als zwölf Jahre, gut zu Fuss und im Besitz eines iPhones, da die App mit dem iOS Betriebssystem läuft.

Der zwei bis dreistündige Rundgang quer durch den Wald startet beim Bahnhof Sihlwald. Der digitale Krimi kann nicht vom Sofa gelöst werden, sondern führt mitten durch die Natur und bringt die Nutzer am Ende auch wieder zum Bahnhof zurück.

«Ich wollte für meine Abschlussarbeit mal was ganz anderes machen.»

«Ich wollte für meine Abschlussarbeit mal was ganz anderes machen», sagt die frisch gebackene Maturandin. Die junge Frau ist musikalisch interessiert, besuchte das musische Profil an der Kantonsschule Wiedikon und spielt in ihrer Freizeit Cello.

Da sie selber naturverbunden sei, gerne Gesellschaftsspiele spiele und oft auf Wanderungen Posten der Geocaching-App gesucht habe, hatte sie die Idee eines Krimispiels mit versteckten Stationen.

Für ihr Projekt hat sie kurzerhand die Programmiersprache Swift gelernt. Weg von der Musik also und hin zur Informatik: «Schon länger hatte ich die Idee, eine eigene App zu entwickeln. Doch hätte ich das einfach mal probiert, wäre die App nie fertig geworden. Im Rahmen einer Maturarbeit muss man das Projekt aber zu Ende bringen, auch wenn es schwierig wird», sagt Weiss. Unterstützung erhielt sie von ihrem Physiklehrer und einem Kollegen, der sich auskennt bei der Programmierung von Apps.

Mehrfach prämiert

Für ihre Maturaarbeit ist Rosina Weiss mehrfach ausgezeichnet worden. Unter anderem wurde sie an ihrer Schule und beim digitalen Jugendwettbewerb Bugnplay prämiert. Dort gewann sie den Best Graduation Paper und den DART Next Gen Award. Die Arbeit wurde auch an der Universität und ETH Zürich ausgestellt. «Ich bin stolz auf mich. Ich freue mich jeweils auch, dass die Leute am Ende des Spiels diskutieren müssen, wer nun der Täter sein könnte. Das Spiel ist also weder zu leicht noch zu schwer», sagt Weiss.

Die App «Das Notizbuch» ist aufwändig: An neun Stationen im Sihlwald hat Rosina Weiss Posten versteckt, wo man in kleinen Kisten Notizen des Opfers findet oder Hinweise, die den Tathergang klären. An anderen Posten müssen beispielsweise Papierflieger gebastelt oder mit Lupen Aufgaben zur Optik gelöst werden.

Die Eckdaten der möglichen Täter, die gesammelten Hinweise, die Aufgaben und der Fortschritt im Spielverlauf werden im digitalen Notizbuch auf dem Handy festgehalten. Beim zweitletzten Posten muss mithilfe eines Fussabdrucks in einer Steinplatte das Gewicht des Täters berechnet werden. «Den Fussabdruck in die Betonplatte zu drücken hat mir Spass gemacht», sagt die Maturandin lachend und erzählt begeistert, dass es ihr auch grossen Freude bereitet hat, die App mit Personen und der Szenerie des Tatorts zu bebildern. Denn die Fotografie ist eine weitere Leidenschaft der 17-Jährigen. In ihrer Freizeit geht sie oft in den Wildnispark im Sihlwald und fotografiert dort die Wildtiere. «Ich freue mich immer sehr, wenn der Bär rauskommt», sagt Rosina Weiss.

Für die Bilder der Leiche im App hat sich ihr Englischlehrer ins kalte Wasser gelegt und bei der Polizei organsierte sich Weiss Nummerntafeln und Absperrband. «Ich habe viel gelernt und musste sehr selbständig sein», sagt Weiss, als sie von den Telefonaten mit der Polizei und den Rangern des Sihlwaldes berichtet.

Zukunft der App ungewiss

Seit Anfang 2019 sind die Posten im Wald positioniert. Das Gesicht von Rosina Weiss verfinstert sich, als sie erzählt, dass ihr letzter Posten verschwunden sei. «Das ist schade. Die Kiste hatte ein ganz spezielles Schloss mit einer Zahlenfolge, die die Nutzer auf dem Weg durch den Wald finden müssen. Irgendjemand hat die Kiste wohl mitgenommen», sagt Weiss. Nicht nur deswegen überlegt sich die Maturandin, das Projekt zu beenden.

Der Unterhalt vom Notizbuch ist mit Aufwand verbunden. Einmal im Monat muss Rosina alle Stationen ablaufen, die Kisten kontrollieren und Papier auffüllen. Die Bewilligung für die Posten im Sihlwald müsste auf das Jahr 2020 verlängert werden. Die Maturandin findet auch immer noch Dinge, die an ihrer App verbessert werden müssten, was Zeit in Anspruch nimmt. «Ich weiss noch nicht, wie es mit dem Notizbuch weitergeht. Entweder werde ich es gross aufziehen und Werbung dafür machen oder aber die Posten aus dem Wald entfernen», sagt Weiss.

Für die junge Frau ist aber klar, wie es für sie nach dem Sommer weitergeht. Sie beginnt mit einem Studium in Maschinenbau an der ETH. «Das Programmieren war cool, aber das jeden Tag zu machen, liegt mir nicht. Ich interessiere mich unter anderem für Roboter und bin im Maschinenbau besser aufgehoben», sagt Weiss.

Erstellt: 10.07.2019, 16:26 Uhr

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