Thalwil

Auf der Suche nach Turnschuhen und einer neuen Heimat

In Thalwil lasen drei von der Literaturförderung des Kantons ausgezeichnete Autoren aus ihren – teils unfertigen – Büchern vor. Mit Gabriela Kasperski war auch eine Thalwilerin mit dabei.

Gabriela Kasperski präsentierte dem Publikum in Thalwil Auszüge aus ihrem noch nicht fertiggestellten Buch «Einfach Yeshi», worin sie die Geschichte eines äthiopischen Mädchens erzählt.

Gabriela Kasperski präsentierte dem Publikum in Thalwil Auszüge aus ihrem noch nicht fertiggestellten Buch «Einfach Yeshi», worin sie die Geschichte eines äthiopischen Mädchens erzählt. Bild: André Springer

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Moderatorin Fatima Moumouni versicherte dem Publikum im Thalwiler Kulturraum, dass die Fachjury, welche für die Auszeichnung des literarischen Schaffens im Kanton zuständig ist und dafür jährlich alle Publikationen und eingesandten Projekte durchliest, äusserst kompetent sei. Immerhin werde sie vom Regierungsgrat gewählt, fügte Moumouni verschmitzt an.

Elf Autorinnen und Autoren fertiger oder noch in Bearbeitung befindlicher Buchprojekte erhielten in diesem Jahr Werk- oder Anerkennungsgaben. Seit dem 20. September tourten diese elf Glücklichen durch den Kanton und lasen an vier Orten aus ihren Werken – zuletzt am Samstagabend im Kulturraum. Musikalisch begleitete die singende Kontrabassistin Anna Trauffer die Lesungen.

Ein Kinderromanfür Erwachsene

Heimvorteil hatte die Autorin Gabriela Kasperski, welche in Thalwil aufgewachsen und dort bis zum Übertritt ins Gymnasium zur Schule gegangen ist. Sie erhielt einen Werkbeitrag für ihren noch unvollendeten Kinderroman «Einfach Yeshi» – die Geschichte eines neunjährigen äthiopischen Mädchens auf der Suche nach ihren Turnschuhen und einer neuen Heimat.

Das mit dem Wort Kinderroman sei so eine Sache, sagte Laudator Robert Leucht, Mitglied der erwähnten kantonalen Kulturförderungskommission und Dozent am Deutschen Seminar der Universität Zürich. Der Roman handle thematisch von einem Kind, sei aber für Erwachsene besonders ansprechend. Im anschliessenden Interview mit Moumouni sagte Kasperski, der Anlass zum Schreiben dieses Buches sei ihre Adoptivtochter Samira, die am Projekt mitarbeite. Sie hätten stets nach Literatur gesucht, die auf Samiras Situation zutreffe, aber seien nicht fündig geworden. Also legte Kasperski, die bis dahin «vier Krimis und einen Frauenroman», wie sie selber sagt, geschrieben hatte, selber Hand an.

Ist das die Zukunftder Schweiz?

Einen Anerkennungsbeitrag erhielt Benjamin von Wyl für sein Buch «Land ganz nah». Der zwischen Basel und Zürich pendelnde, freischaffende Dramaturg, Journalist und Autor hat sich in seinem Werk ein spezifisches Szenario ausgedacht: In einer Durchgangsetage des Hauptbahnhofs Zürich kommt es zur Eskalation, weil dort einerseits ein Flüchtlingscamp errichtet worden ist und andererseits eine Wahlveranstaltung der SVP stattfindet.

Von Wyls Text ist sehr dicht, Leucht beschrieb ihn als einen Mix zwischen Komischem und Rhythmischem. Ausserdem sei der Autor auch ein «Arrangierer», da er verschiedene Stimmen aus der Politik, den Medien oder der Popmusik in seinen Text einflechte. Der Titel «Land ganz nah» impliziere eine zeitliche Nähe – sieht so die Zukunft der Schweiz aus? Die Moderatorin Moumouni sah im Roman nicht nur SVP-Kritik, sondern auch eine Kritik am «linken Kuchen». Es sei viel zu einfach, in einem Buch mit der SVP abzurechnen, sagte von Wyl. Lieber konfrontiere er sich als Autor selber mit der Thematik.

«Informiertes Raten»im Faktenroman

Der dritte Lesende war Stephan Truninger mit seinem ebenfalls noch in Arbeit befindlichen Romanprojekt «Der Hamlet-Befehl. Ein Faktenroman». Die Geschichte handelt von der Erstaufführung «Hamlets», welche nicht etwa in London, sondern auf einem Schiff der Britischen Ostindien-Kompanie vor Sierra Leone stattgefunden haben soll – durchgeführt von einfachen Matrosen.

Truninger spielt in seinem Roman mit der Grenze zwischen Fakten und Fiktion, ganz nach Mark Twain: «Man muss die Fakten erst kennen, bevor man sie verdrehen kann.» Die historische Faktenlage seiner Geschichte sei eben sehr dünn, weshalb er mit fortschreitender Handlung auf ein «informiertes Raten» habe ausweichen müssen. Glasklar sei aber stets sein Sprachgebrauch und unablässig die Spannung, sagte Leucht und überreichte einen Werkbeitrag. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 08.10.2018, 08:53 Uhr

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