Horgen

Auf der Pirsch nach den Leuchtsignalen, die den Männchen den Weg weisen

Der Naturschutzverein Horgen organisierte am Freitagabend eine Glühwürmchenpirsch. Sie stiess auf grosses Interesse.

Ein Glühwürmchenweibchen leuchtet im Gras.

Ein Glühwürmchenweibchen leuchtet im Gras. Bild: Manuela Matt

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Es wurde von Pro Natura zum Insekt des Jahres gekürt, ist Gegenstand internationaler Literatur und deutscher Schlager: das Glühwürmchen. Der Leuchtkäfer wird zwar immer seltener, aber wenn man genau hinschaut, kann man ihn auch in der Region Zürichsee entdecken. Am Freitagabend organisierte der Naturschutzverein Horgen eine Glühwürmchenpirsch. An die 60 Personen, darunter viele Kinder, waren zur kleinen Nachtwanderung aufgebrochen. Treffpunkt bei Einbruch der Dunkelheit am Wührenbach am Horgenberg.

Unter dem schwachen Schein einer Laterne am Waldrand erzählt Vizepräsidentin Vreni Rothacher Wissenswertes über Glühwürmchen. «In der Schweiz leben vier verschiedene Glühwürmchenarten.» In Horgen könne man den Grossen Leuchtkäfer beobachten. Das Besondere an dieser Art sei, dass nur die Weibchen leuchten, diese aber nicht fliegen können. Vom Schlüpfen bis zum Tod leben Glühwürmchen zwei bis drei Jahre. Sie leuchten aber nur in der Schlussphase, etwa zwei Wochen lang.

Angestrengte Suche

«Das weiss ich schon von einer CD», ruft ein kleines Mädchen aus der ersten Reihe eifrig und klärt die anderen Besucher auf über alles, was sie sonst noch über die leuchtenden Käfer weiss. «Und wie können die sich verlieben?», fragt ein anderes Mädchen interessiert. Mit einem Schmunzeln antwortet Vreni Rothacher, dass die Weibchen auf dem Boden warten und mit ihrem Licht die fliegenden Männchen anlocken. Nach der Paarung legen die Weibchen circa 60 bis 80 Eier und sterben bald darauf.

Als alle Fragen geklärt sind, macht sich der ganze Trupp auf zum Bergweiher. Es sind verhältnismässig viele Personen. «Sonst kommen zwanzig bis dreissig», sagt Rothacher. Dass es nun so viele seien, habe sie überrascht, aber natürlich freue sie sich über das Interesse.

Es ist mittlerweile dunkel geworden, die Blitze vom heranziehenden Gewitter spiegeln sich im Wasser des Weihers. Angestrengt werden die Wegränder nach den kleinen leuchtenden Insekten abgesucht. Vor dem Abmarsch hatte Rothacher noch betont: «Keine Taschenlampen und den Weg nicht verlassen.» Die Glühwürmchen können ihr Licht nach Belieben ein- und ausschalten. Tritt man in die Wiese, könne es sein, dass man eins zertrampele, ohne es zu bemerken.

Auch im Dorf zu sehen

«Das ist eins», hört man den ersten Ausruf. Im Gras ist ein schwaches Leuchten zu erkennen. Bevor alle es anschauen können, hat es sein Licht schon wieder ausgestellt. Doch das nächste lässt nicht lange auf sich warten. Die Weibchen sind nur zwischen 15 und 20 Millimeter gross. Doch bei genauerem Hinschauen sieht man deutlich, wie sie den hinteren Teil ihres Körpers nach oben strecken, um die Männchen anzulocken.

Mit einer einfachen Falle, bei der sie eine kleine batteriebetriebene Lampe in einen abgeschnittenen PET-Flaschen-Boden eingebaut hat, kann Vreni Rothacher zwei männliche Glühwürmchen anlocken. Nachdem alle die fliegenden Käfer bewundern konnten, lässt sie sie jeweils bei einem der leuchtenden Weibchen wieder frei.

«Glühwürmchen kann man nicht ansiedeln oder anlocken», erklärt sie. Man solle sie auch nicht versuchen zu fangen. Eigentlich könne man sie auch im Dorf beobachten. «Aber wer geht schon in der Nacht in den Garten?» Sie ermutigt alle, es einmal bei einem nächtlichen Gartenspaziergang zu versuchen.

Nachdem die Strecke am Weiher abgesucht worden ist, gehen die Besucher wieder nach Hause. Gerade noch rechtzeitig, bevor sich die anziehenden Gewitterwolken über dem Bergweiher entladen.

Erstellt: 23.06.2019, 18:41 Uhr

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