Hirzel

Auf dem Hirzel ist Ruhe eingekehrt

Seit Montag ist der Hirzelpass für fünf Wochen gesperrt. Die Anwohner freuen sich über die Ruhe. Kleinere Betriebe müssen aber mit Einbussen rechnen.

Die Absperrungen an der Kreuzung Morgental sind nicht zu übersehen

Die Absperrungen an der Kreuzung Morgental sind nicht zu übersehen Bild: André Springer

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Bei der Kreuzung Morgental auf dem Hirzel ist es so still, dass man dem Vogelgezwitscher lauschen kann. Die Sperrung der Zugerstrasse über den Hirzelpass ist zumindest für Naturfreunde und Ruhe Liebende eine willkommene Abwechslung zum sonst täglichen Strassenverkehr und dessen Lärmemissionen.

Ein kühles Lüftchen weht über den öffentlichen Parkplatz des Restaurants Morgental. Dort wo sich Zuger-, Schönenberg- und Dorfstrasse kreuzen und normalerweise die Autokolonne steht, sind nun Absperrungen angebracht. Das Lichtsignal ist ausgeschaltet. Die wenigen Autos, die auf der Zugerstrasse unterwegs sind, biegen nach links in Richtung Schönenberg ab.

Die meisten Leute scheinen über die Sperrung der Strasse bestens informiert zu sein. Nur ein paar wenige haben die Mitteilung bezüglich der Passsperre nicht mitbekommen und wohl auch die Hinweistafeln auf der Strecke in Richtung Hirzel eisern ignoriert. Ausgeschildert sind die Sperrung der Strasse und die Umfahrung gut. Schon am Kreisel beim Neubüel in Wädenswil weist eine erste Tafel auf die Sperrung hin. Die orangen Pfeile zeigen die Umleitung nach Zug klar an.

Der Hirzelpass ist ab der Kreuzung Morgental über die Sommerferien gesperrt.

Die Fahrer dreier Autos mit deutschen Nummernschildern müssen, auf dem Pass angekommen, einsehen, dass an ein Weiterkommen nicht zu denken ist. Sie kehren um. Ein Lastwagen hingegen findet seinen Weg durch die Absperrung und fährt, wahrscheinlich seinem Navigationsgerät folgend, unbeirrt weiter in Richtung Sihlbrugg.

Schleichwege werden genutzt

Für rund fünf Wochen wird die Hirzler Passstrasse gesperrt sein. Wegen Sanierungsarbeiten und der Erweiterung des Veloweges müssen die Autofahrer einen bis zu 23 Kilometer langen Umweg via Gattikon in Kauf nehmen. Die Strassensperre beeindruckt aber nicht alle. «Die Leute vom Hirzel und die Horgner kennen die Schleichwege und nutzen diese auch rege», erzählt der Hirzler Oliver Kälin. Auch in den sozialen Medien kursieren Informationen zu Umfahrungen über Waldwege oder Höfe.

«Es ist aber schon heute deutlich spürbar, dass sich weniger Kundschaft durch die Ortschaft bewegt.»Claudia Stadelmann vom Volg Hirzel

Auch wenn der Weg ins Dorf möglicherweise etwas aufwändiger ist – die Anwohner freuen sich über die neu gewonnene Ruhe. Im Schnitt bewegen sich pro Tag über 17'000 Fahrzeuge über den Hirzel. «Laut ist es vor allem zu Stosszeiten. Aber durch unser Dorf fahren den ganzen Tag viele Lastwagen», sagt Anwohnerin Sandra Herzog.

Das verminderte Verkehrsaufkommen sorgt aber nicht nur für weniger Lärm, sondern auch für weniger Kunden in den Läden. «In unserem Laden kaufen viele Stammkunden ein, es ist aber schon jetzt deutlich spürbar, dass sich weniger Kundschaft durch die Ortschaft bewegt», sagt Claudia Stadelmann vom Volg Hirzel. Man sei gespannt, wie sich die Situation entwickle und auch, ob die Lieferungen pünktlich auf dem Hirzel ankommen.

Strassentunnel ist existenzbedrohend

An der Zugerstrasse hat die Bäckerei Kleiner ihre Öffnungszeiten angepasst. Die Geschäftsinhaber öffnen ihre Türe in den kommenden fünf Wochen nur bis 13 Uhr. Die Kombination Strassensperre und Schulferien führe bei der kleinen Bäckerei mit Café zu einem starken Umsatzeinbruch: Mindestens 50 Prozent der Einnahmen werden in den kommenden Wochen fehlen, prognostiziert Ingo Kleiner. «Das Znüni heute ist aber gut gelaufen, wir hatten viele Bauarbeiter zu Besuch», ergänzt Regula Kleiner.

Die kleine Bäckerei musste vor ein paar Jahren um ihre Existenz bangen, als der Hirzel für acht Monate gesperrt war. «Da hätten wir beinahe den Schlüssel drehen und den Laden schliessen müssen», sagt Ingo Kleiner. «Die fünf Wochen nehmen wir jetzt hin, die werden rasch vorbei sein.» Die Geschäftsinhaber Kleiner sind klar gegen einen Strassentunnel durch den Hirzel. «Wir könnten unseren Laden dicht machen, wenn der Tunnel gebaut würde», sagt Ingo Kleiner.

Erstellt: 16.07.2019, 16:28 Uhr

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