Wädenswil

Anwohner wollen keine «obere Stadt» in Wädenswil

Der revidierte kommunale Richtplan der Stadt sorgt für Zündstoff. Nebst dem Aufruhr in der Bevölkerung gegen die drei Hochhauszonen, regt sich auch Widerstand aus den Quartieren oberhalb des Stadtzentrums. Sie wehren sich gegen die geplanten Verdichtungsgebiete südlich der Speerstrasse.

Dass die Rötibodenstrasse bald zu einem der geplanten Verdichtungsgebiete gehören soll, damit wollen sich die Anwohner nicht abfinden.

Dass die Rötibodenstrasse bald zu einem der geplanten Verdichtungsgebiete gehören soll, damit wollen sich die Anwohner nicht abfinden. Bild: André Springer

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Die Aufregung in Wädenswil ist weiterhin gross. Denn die Gesamtrevision des kommunalen Richtplans lässt mancherorts die Emotionen hochgehen. Eine Gruppe mit 120 Unterzeichnenden wehrt sich mit einer Einwendung gegen die geplanten Verdichtungsgebiete oberhalb der Speerstrasse. Der revidierte kommunale Richtplan lag bis zum 24. Juli öffentlich auf. 145 Einwendungen mit gesamthaft 600 Unterschriften gingen bei der Abteilung Planen und Bauen ein.

Die Mehrheit der Einwendungen beziehen sich zwar auf die drei vorgesehen Hochhauszonen für 40 Meter hohe Bauten – doch auch an den geplanten Verdichtungzonen oberhalb des Stadtzentrum stossen sich in erster Linie die Anwohner der betroffenen Quartiere. In ihrer Einwendung fordern sie den Stadtrat auf, auf das «Konzept einer «oberen Stadt» mit der Speerstrasse als Rückgrat zu verzichten».

Verdichtung aus dem Kern

«Wir hatten innerhalb von 10 Tagen rund 120 Unterschriften beisammen», sagt Patrick Blessing. Er war mit eine der treibenden Kräfte für die Einwendung ­ – und einer der Anwohner der betroffnen Gebiete.

Die Gruppe wehrt sich in erster Linie gegen eine geplante Verdichtung im Gebiet der Untermosen- bis zur Rötibodenstrasse, bergseitig der Speerstrasse. «Ich verstehe unsere Stadtplanung nicht», sagt Blessing. «Eine Verdichtung im und ausgehend vom Kern der Stadt macht viel mehr Sinn». Nicht aber an der direkten Grenze zu einem Naherholungsgebiet. Es gehe in diesem Falle auch um Landschaftsschutz.

Die vorgeschlagenen Quartiere hätten zudem eine Bausubstanz zwischen 5 und maximal 30 Jahren. In den nächsten 20 Jahren werde in diesen Gebieten daher keine Erneuerung der Bausubstanz erfolgen, «und darum wird bis dahin eine Verdichtung auch nicht möglich sein», sagt Blessing. «Zudem ergäbe eine Konzentration von Wohnraum in den zentrumsfernen Gebieten an Hanglage ein unschönes Stadtbild». Insbesondere wäre eine Verdichtung des Quartiers südlich der Speerstrasse, das von Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen geprägt sei und damit ein hohes Steuersubstrat darstelle, unschön, so Blessing.

Der Wädenswiler Stadttrat Heini Hauser (SVP) kann die Aufregung um die geplanten Zonen nur bedingt nachvollziehen: «Das erwähnte Gebiet gehört immer noch zum näheren Zentrum der Stadt, und städteplanerisch mache dort eine massvolle Verdichtung durchaus Sinn». Die Tatsache, dass es sich um Quartiere mit jüngerer Bausubstanz handelt, bestätigt Heini Hauser – entgegnet aber sogleich: «In dem Gebiet existieren mehrere Parzellen, die noch bebaut werden könnten».

Zerstörter Quartiercharakter

«Durch eine Verdichtung würde der Quartiercharakter zerstört», findet Oliver Hügli. Auch er ist Anwohner im betroffenen Quartier und hat die Unterschriftensammlung für die Einwendung zusammen mit Patrick Blessing vorangetrieben. Ebenfalls stören sie sich an den geplanten Hochhauszonen im revidierten Richtplan. «Ein Hochhaus im Gebiet Neubüel wäre unschön, brächte viel Mehrverkehr und niemand würde dort wohnen wollen», sagt Hügli. Sie seien nicht grundsätzlich gegen Hochhäuser, aber diese gehörten ins Stadtzentrum, ergänzt Patrick Blessing. «Denn wir sollten aus dem Kern wachsen und dort die bestehenden Strukturen nutzen», sagt Hügli.

Ein wenig anders sieht das Heini Hauser: «Im Zentrum zu verdichten ist zwar sinnvoll, und wird angestrebt». Doch die Möglichkeiten seien beschränkt wegen der Parks, der Grünräume unde des geschützten Ortsbildes . «Damit muss man vorsichtig umgehen. Zudem macht der Kanton Auflagen», erklärt Hauser. «Aus übergeordneter Sicht, kann ich daher mit gutem Gewissen hinter den Begründungen für die Verdichtungsgebiete im revidierten kommunalen Richtplan stehen».

Noch keine Stellungnahme

«Wir erwarten vom Wädenswiler Stadtrat, dass er unsere Anträge in der Einwendung umsetzt», sagt Patrick Blessing. «Und falls es nicht zu den gewünschten Änderungen kommt, werden wir das fakultative Referendum ergreifen», sagt Oliver Hügli.

Die Stellungnahme des Stadtrats zu den Einwendungen der Anwohner folge noch, sagt Hauser. «Wir nehmen jede Einwendung ernst und prüfen sie». (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 13.09.2017, 15:05 Uhr

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