Thalwil

Anwohner verhindern voluminösen Neubau in Thalwil

Sechs Stockwerke hoch, zwei mehr als die Nachbarhäuser, hätte der Neubau an der Gartenstrasse werden sollen. Das Bundesgericht folgt jetzt der Ansicht von Anwohnern und entscheidet: Der Neubau passt nicht ins Ortsbild.

Das Bundesgericht hat entschieden, dass das Haus an der Gartenstrasse 11-13 (rosa) nicht durch ein voluminöses Mehrfamilienhaus ersetzt werden darf. Dieses würde nicht ins denkmalgeschützte Ensemble der Arbeiterhäuser (orange und gelb) passen.

Das Bundesgericht hat entschieden, dass das Haus an der Gartenstrasse 11-13 (rosa) nicht durch ein voluminöses Mehrfamilienhaus ersetzt werden darf. Dieses würde nicht ins denkmalgeschützte Ensemble der Arbeiterhäuser (orange und gelb) passen. Bild: David Baer

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Sich zu wehren hat sich für die Anwohner gelohnt: Das Bauprojekt an der Gartenstrasse kann nicht in der geplanten Form verwirklicht werden. Das hat das Bundesgericht entschieden. Die Thalwiler Immobilienfirma Ragar AG plante, an Stelle des Mehrfamilienhauses an der Gartenstrasse 11 - 13 einen Neubau mit 32 Wohnungen auf fünf Geschossen und einem Attikageschoss zu bauen. Sie lancierte einen Architekturwettbewerb, den das Büro Adrian Streich Architekten aus Zürich gewann.

Der Neubau hätte das Bild des Quartiers in der Nähe des Friedhofs grundlegend verändert. Im Quartier stehen etliche Arbeiterhäuser, darunter drei farbig verputzte längliche Gebäude, welche die Firma Weidmann vor 120 Jahren für ihre Arbeiter errichtete. Das Ensemble, das sich um einen gemeinsamen Garten gruppiert, steht unter kommunalem Denkmalschutz. Der Neubau hätte das Ensemble ergänzen sollen.

Wie das Bundesgericht in seinem Urteil festhält, wäre der Neubau jedoch voluminöser und höher geworden als die Nachbarhäuser: Das Gebäude «ist deutlich grösser als dasjenige aller umliegenden Baukörper und sprengt das in der näheren Umgebung Übliche bei Weitem». Daher sei es vertretbar, heisst es im Urteil weiter, «wenn die Vorinstanzen die Beziehung zum Ortsbild übereinstimmend als nicht gelungen qualifiziert haben». Das Bundesgericht lehnt die Beschwerde der Immobilienfirma Ragar deshalb ab. Diese muss die Gerichtskosten übernehmen und den Gegnern eine Entschädigung zahlen.

Massstab für verdichtetes Bauen

Wie aber reagiert die Gemeinde darauf, dass das Bundesgericht ihre Baubewilligung aufhebt? Die Planungs- und Baukommission (PBK) habe das Volumen des neuen Gebäudes im Bewilligungsverfahren 2014 kontrovers diskutiert, räumt Bauvorstand Richard Gautschi (parteilos) ein. Die PBK habe sich dann entschieden, zu Gunsten von mehr Grünfläche, und um der Hofsituation mit den Pflanzgärten gerecht zu werden, Zugeständnisse in der Gebäudehöhe zu machen.

Die Argumente der Wettbewerbsjury bezüglich Mehrvolumen, Umgang mit dem benachbarten Schutzobjekt und Einordnung ins Quartier war für die PBK nachvollziehbar, sagt Gautschi. Das Bundesgericht habe letzteres nun aber anders beurteilt. Gautschi hält das vorliegende Urteil für «wertvoll als Massstab für verdichtetes Bauen». Es zeige auf, wie viel Interpretationsspielraum die Gemeinde in Bezug auf verdichtetes Bauen habe. Denn das Planungs- und Baugesetz oder die kommunale Bau- und Zonenordung gäben darauf nicht immer eine abschliessende Antwort.

Ob und in welcher Form an der Gartenstrasse 11 - 13 gebaut wird, ist nicht bekannt: Von der Firma Ragar war wegen Ferienabwesenheit niemand zu sprechen. (Zürichsee-Zeitung)

Erstellt: 07.08.2018, 15:44 Uhr

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