Horgen

Verlotterte Villa: Anwohner haben genug

Seit Jahrzehnten verlottert im Horgner Ortsteil Arn ein ehemaliges Restaurant. Die Anwohner wollen nicht länger zusehen und protestieren – auch weil sie Angst um ihre Kinder haben.

Das ehemalige Restaurant Wiesenau im Horgner Arn sorgt bei den Anwohnern seit Jahren für viel Gesprächsstoff.

Das ehemalige Restaurant Wiesenau im Horgner Arn sorgt bei den Anwohnern seit Jahren für viel Gesprächsstoff. Bild: Conradin Knabenhans

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Jetzt reicht es den Anwohnern am Horgner Bockenweg endgültig. Sie haben genug, dem Verfall des einstigen Restaurants Wiesenau im Weiler Arn unterhalb der A3 zuzusehen. Am Wochenende haben sie zum Schulstart ein Plakat am Treppenaufgang montiert: «Es reicht». Darunter hängt ein weiteres Papier mit mehreren Dutzend Unterschriften, auf Facebook haben sie zudem am Montag ihrem Ärger öffentlich Luft gemacht.

Anwohner um Quartiervereinspräsident Thomas Isler sind überzeugt, dass ihr Kampf erfolgreich sein wird. Foto:ckn

Eigentlich hätte den Anwohnern der Kragen schon viel früher platzen können, denn das Haus verlottert seit dem Ende der 1970er-Jahre. Damals war der Besitzer ins Welschland gezogen. Anfang der 2000er-Jahre machte das Grundstück schweizweit Schlagzeilen, weil zwar ein Bauvorhaben aufgegleist wurde, dieses nach der Anzahlung der potenziellen Käufer aber einfach nicht weiterging. Mit Kopfschütteln erzählen sich Anwohner noch heute von dieser Geschichte.

Ziegel weggeräumt

Inzwischen hat das ehemalige Restaurant einen neuen Übernamen. «Villa Heb di fest» nennt es Nachbarin Elsbeth Christen. Schon mehrfach musste sie Teile der Fassade und des Daches wegräumen, die herunterstürzten. Zum Beweis zeigt sie die vielen Glasscherben die inmitten von hohen Brennnesselstauden liegen.

Doch das ist noch nicht alles: Seit den Sommerferien steht die Fassade schief. «Es wirkt wie ein Bierbauch, der zu platzen droht», sagt Thomas Isler. Er wohnt im Haus gegenüber und ist Präsident des Quartiervereins Arn. «Unverantwortlich», nennt er das, was auf dem Grundstück passiert. Auch weil das verlotterte Haus am Schulweg vieler Kinder steht. Jederzeit könnten wieder Ziegel herunterfallen. Was passiert, wenn ein Stück Haus ein Kind treffen würde, will man sich gar nicht ausmalen. Isler hatte dem Besitzer des Grundstücks schon vor Jahren ein Kaufangebot gemacht, sogar schon ein Projekt ausgearbeitet. Doch der Kauf kam nicht zustande.

Tochter Fabienne Isler kennt das Grundstück seit Kindstagen. Früher, da sei sie aus Abenteuerlust noch in der angebauten Scheune spielen gegangen. Heute geht das nicht mehr, längst ist die Scheune eingestürzt. Dem Haus droht dasselbe, vor Jahren sei einmal der Kachelofen vom ersten Stock in den Keller gestürzt, weil die Etagenböden morsch seien, erzählen sich die Anwohner. Schon seit längerem klafft auch ein Loch im Dach. Fabienne Isler, heute selbst Mutter, hat auch schon gehört, wie Kinder über das Haus sprachen. Halloween wäre nicht mehr so interessant, wenn das Haus abgerissen würde, erzählten diese offenbar. Das Haus versprüht zwar tatsächlich den Reiz eines Geisterhauses, betreten wäre aber lebensgefährlich.

Im Dach des Hauses klafft ein Loch. Foto:ckn

Dem pflichten mehrere Anwohner bei: «Mit den Unterschriften gehe ich jetzt zum Bauamt», sagt Elsbeth Christen. Jetzt müsse endlich etwas passieren. Mindestens vor herunterstürzenden Fassadenteilen müsste man die Kinder schützen. Ihr Mann meint: Besser gleich plattmachen.

Problem bekannt

Bei der Gemeinde Horgen ist das Haus bekannt. Vor mehreren Jahren hat man das Haus aus dem Inventar schützenswerter Bauten entlassen. Der Verfall war schon damals im Jahr 2010 ein Thema. Laut Quartiervereinspräsident Thomas Isler wurden schon mehrere Gespräche mit den Behörden geführt. Die Gemeinde habe den Besitzer vor den Risiken gewarnt und ihm auch ein Kaufangebot für das Grundstück unterbreitet. Zudem sei das Thema der Fassadensicherung diskutiert worden. Sichtbar passiert ist aber auf dem Grundstück nichts – und das, obwohl die Behörden bei einer Gefahr für die Öffentlichkeit auch auf Privatgrundstücken Massnahmen anordnen kann.

Weder die Gemeinde Horgen noch der Besitzer des betreffenden Grundstücks waren am Montag für eine Stellungnahme erreichbar.

Erstellt: 19.08.2019, 21:57 Uhr

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