Fussball

An Grümpis scheiden sich die Geister

Ein erstaunlicher Graben tut sich bei den Grümpelturnieren in den Seebezirken auf. Während die Turnieream rechten Zürichseeufer boomen, stagnieren am linken Ufer die Zahlen. Viele betonen das Lokale, um zu bestehen.

Nicht überall rennen die Sportler so engagiert dem Ball nach.

Nicht überall rennen die Sportler so engagiert dem Ball nach. Bild: Thomas Peter

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Grümpelturniere gehören in der Schweiz zum Sommer. Gut, nicht überall. Im Bezirk Horgen ist es längst nicht mehr so, dass jedes Dorf sein eigenes Fussballturnier hat. Gerade in grösseren Gemeinden werden zwar Schülerturniere durchgeführt, aber keine Plauschturniere für Erwachsene. Auffällig: Fast überall im Bezirk haben sich die Fussballclubs als Organisatoren zurückgezogen. In Wädenswil, Thalwil, Adliswil und Horgen müssen Fussballbegeisterte auf den Spass verzichten. Wobei das mit dem Spass ja auch so eine Sache ist. Übertriebener Ehrgeiz und Aggressionen haben mancherorts zur Einstellung der Grümpis geführt.

Die Veranstalter der verbliebenen Turniere im Bezirk Horgen betonen den lokalen Charakter, haben Kategorien für die jüngeren Kicker eingeführt oder setzen nicht nur auf Fussball. Beispielsweise in Langnau, wo es dieses Wochenende zur Sache geht. Hier organisiert ein privater Verein seit Jahren das Grümpi. Über 40 Teams seien früher dabei gewesen, sagt Präsident Jürg Zuberbühler. An diesem Wochenende werden es noch 34 sein. Einige kommen von weit her, aus Liestal hat sich dieses Jahr ein Team angemeldet. Um den Erhalt zu sichern, geht der Verein aktiv vor. «Man muss den Teams schon nachrennen. Vielen schreiben wir persönlich, um sie an das Grümpi zu erinnern», so Zuberbühler.

Die Öffnung gegen unten, also zu jüngeren Spielern, dürfte zur Sicherung beigetragen haben. So sind in Langnau Kategorien für unter 15-Jährige und unter 11-Jährige geschaffen worden. Punkto Aggressivität gibt es laut dem Präsidenten nur wenig zu berichten. Klar würden Vereinzelte mal austicken. Doch dann werde das Spiel unterbrochen und die Akteure beruhigt. Zuberbühler sieht das Turnier vielmehr als sehr integrativ an. Sie hätten auch schon Teams gehabt, die aus Flüchtlingen bestanden. Ein spezieller Punkt unterscheidet das Langnauer Grümpi von anderen: Neben Fussball müssen die Teilnehmer auch in den Kategorien Stelzenlaufen und Seilziehen bestehen. Ein Umstand, der Aggressivität herausnimmt, ist der Präsident überzeugt.

Man kennt sich

Der FC Oberrieden veranstaltet ebenfalls an diesem Wochenende das Dorf- und Schülerturnier. «Es war schon immer so, dass beides zusammen stattgefunden hat», sagt Präsident Mirco Baumann. Das Grümpi ist ausdrücklich ein Dorfturnier, es nehmen nur Teams mit Bezug zu Oberrieden teil. Laut dem Präsidenten schränkt das Aggressionen stark ein, schliesslich kennt man sich. «Grümpi-Touristen» sind so von Anfang an ausgeschlossen. Die Anzahl Teams sei immer etwa ähnlich, letztes Jahr waren es 13 am Erwachsenenturnier. Zusammen mit den zusätzlich bis zu 60 Schülermannschaften liege die Teilnehmerzahl jeweils bei gut 500 Fussballern. Ans Aufhören habe der FC nie gedacht, sagt Baumann. Das Turnier sei eine wichtige Einnahmequelle für den Verein. Auch an Helfern mangle es nicht. So würden stets auch Eltern mithelfen, damit das Turnier durchgeführt werden kann.

«Der Aufwand, um die Teams zu akquirieren, ist enorm.»Roli Buob, Präsident Ski- und Sportclub Richterswil-Samstagern

Harte Zeiten gibt es aus Richterswil zu vermelden, wo Mitte Juli gespielt wird. Der Aufwand, um die Teams zu akquirieren, sei enorm, so Roli Buob, Präsident des veranstaltenden Ski- und Sportclubs Richterswil-Samstagern. Er sagt, dass vor einigen Jahren noch bis zu 50 Teams in Samstagern dabei waren. Die Tendenz sei rückläufig, in den letzten Jahren kickten auch mal nur 15 Mannschaften mit. In diesem Jahr dürften es aber wieder bis zu 30 sein, was Buob positiv stimmt. Die einzigen anderen Turniere finden in Rüschlikon und im Hirzel statt.

Fünf Turniere im Bezirk

Im Bezirk Meilen stehen die Fussballclubs noch voll hinter den Turnieren. Da haben Hobby-Kicker dieses Jahr die Qual der Wahl: Fünf Vereine veranstalten – verteilt auf die letzten beiden Juniwochenenden – Grümpelturniere, die allen offenstehen. Einige verzeichnen so hohe Teilnehmerzahlen wie kaum zuvor.

Der FC Meilen wiederum konnte den Anlass vor drei Jahren neu aufgleisen, sodass er gerade eine neue Blüte erlebt. Zwischen 2009 und 2013 waren die Teilnehmerzahlen am Meilemer Grümpi stark gesunken. In der Folge hat der Verein zwei Jahre lang kein Grümpi organisiert. Aus den Reihen der Senioren 40+ hat sich dann aber ein neues OK-Team gebildet und das Turnier wieder ins Leben gerufen. Nun konnte man stetig steigende Teilnehmerzahlen verzeichnen, sagt Sammy Matter, Präsident des OK-Teams. Dieses Jahr sind es über alle Tage verteilt rekordhohe 142 Teams gewesen, wovon knapp 70 Mannschaften auf das parallel laufende Schülerturnier entfallen. Man habe sich einiges einfallen lassen, um möglichst viele Leute anzusprechen. So gab es heuer erstmals ein Penalty-Team-Turnier, das besonders für ältere oder verletzungsanfällige Fussballbegeisterte eine vernünftige Option ist. «Da ist die Verletzungsgefahr gleich null und es kann sogar der Opa mitmachen», sagt Matter. Auch sonst biete man einiges, wie zum Beispiel ein attraktives Lotterie-Spiel sowie einen Bar- und Partybetrieb mit DJ. Laut Matter steht und fällt der Erfolg von Grümpelturnieren mit dem OK-Team. «Man muss heute definitiv mehr machen, damit die Leute kommen.» Die Bereitschaft zur Mithilfe innerhalb des Vereins sei mittlerweile wieder vorhanden. «Es ist allen klar, dass es eine wichtige Einnahmequelle für den Verein ist.»

Neuer Teilnehmerrekord

In Zollikon kickten vergangene Woche und in Herrliberg an diesem Wochenende gut 140 Teams um die begehrten Trophäen und Essensgutscheine. «So viele waren es noch nie», sagt FC-Herrliberg-Geschäftsführer Benjamin Benz. In den letzten Jahren sei die Zahl der Teams stetig leicht angestiegen – obwohl der FCH sein Schülerturnier separat im Winter veranstaltet. Zum Vergleich: In Zollikon sind rund die Hälfte der Teams Teilnehmende des zeitgleich stattfindenden Schülerturniers. So führt SC-Zollikon-Präsident Ferry Hermida die positive Entwicklung unter anderem auch auf die steigenden Schülerzahlen zurück – und auf die gute Lage Zollikons. «Da wir auch von der Stadt schnell erreichbar sind, kommt man wohl gerne nach Zollikon.» Ausserdem sei der Anlass in der Gemeinde sehr etabliert. «Wir sehen das Turnier in erster Linie als Event für die Gemeinde und die Schüler», sagt Hermida. Es gehe nicht darum, einen möglichst grossen Gewinn zu machen, auch der Barbetrieb am Abend findet eher im kleinen Rahmen statt.

«So viele Teams wie dieses Jahr waren es noch nie.»Benjamin Benz, Geschäftsführer FC Herrliberg

Dass das Herrliberger Turnier auf grossen Anklang stösst, erklärt sich FCH-Geschäftsführer Benz unter anderem mit dem Spielmodus: «Bei uns spielt man nur auf einem Viertel des Kunstrasenfelds mit je vier Feldspielern plus Goalie, dies gefällt vielen.» Ausserdem sei es dank der kleinen Teams leichter, eines zu stellen. Er relativiert die hohe Anzahl Teams aber auch: «Es gibt Herrliberger, die spielen in bis zu vier Teams.» Weitere Erfolgsfaktoren sind für Benz das OK-Team, das seit Jahren ein enormes Engagement zeige, und der grosse Zusammenhalt innerhalb des Vereins. «Dieser zeichnet viele Vereine bei uns im Bezirk aus.» So sei für FCH-Mitglieder klar, dass man am Grümpi mithelfe. Ein System, das Mitglieder, die nicht anpacken wollen, zu einem höheren Beitrag zwingt, wie es andere Vereine eingeführt haben, brauche es daher nicht.

Vom Dorf- zum Vereinsevent

Ebenfalls seit Jahrzehnten zu den Grümpi-Veranstaltern gehören der FC Männedorf und der FC Stäfa. Nach einer kürzeren Baisse sei in Stäfa die Anzahl Teilnehmer wie auch der finanzielle Erfolg wieder angestiegen, sagt Präsident Roger Küng. Der Männedörfler Roger Düggelin, seit 20 Jahren für die Organisation des Grümpi zuständig, berichtet hingegen als Einziger im Bezirk von weniger Interesse am Plauschturnier. Früher habe man ein Rahmenprogramm mit hochstehenden Konzerten gehabt, doch weil irgendwann weniger Besucher kamen, musste das Budget gesenkt werden. «Es war mal ein Dorffest, heute ist es eher ein Vereinsfest», fasst er zusammen. Er sieht den Grund in der gesellschaftlichen Entwicklung mit mehr Möglichkeiten und gleichzeitig mehr Verpflichtungen. Ausserdem komme es kaum mehr vor, dass Firmen ganze Teams stellen, zu gross sei das Risiko von Verletzungen. Für den Verein sei der Anlass aber eine wichtige Einnahmequelle: «Ohne das Grümpi und die Chilbi müssten wir den Mitgliederbeitrag wohl verdoppeln», sagt Düggelin.

Erstellt: 29.06.2019, 10:14 Uhr

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