Thalwil

Als in Thalwil eine Paketbombe explodierte

Die Kultsendung «Aktenzeichen XY ... ungelöst» feiert ihr 50-Jahr-Jubiläum. In dieser Zeit wurden auch Fälle aufgerollt, die sich am linken Zürichseeufer ereignet hatten. In Thalwil sorgte eine Paket­bombe für Aufsehen, während in Pfäffikon SZ der Mord an einem Metzger­ bis heute nicht aufgeklärt werden konnte.

Eduard Zimmermann stand auch während der Sendung am 10. Oktober 1969 in direktem Kontakt mit der Polizeizentrale in Zürich.

Eduard Zimmermann stand auch während der Sendung am 10. Oktober 1969 in direktem Kontakt mit der Polizeizentrale in Zürich. Bild: Screenshot

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Von einem «heimtückischen und grau­sigen» Verbrechen berich­tete der «Allgemeine Anzeiger vom Zürichsee» am 2. Dezember 1964. Tags zuvor hatte sich in Thal­wil ein Bombenattentat ereignet. Fünf Jahre später wurden die Geschehnisse in der Fahndungssendung «Aktenzeichen XY ungelöst» rekonstruiert. Obwohl der Tathergang ziemlich genau nachvollzogen werden kann, ist bis heute unklar, wem der Anschlag­ gelten sollte und wer hinter der perfiden Tat steckt.

Bombe verletzt Thalwilerin

Die Familie Biedermann wohnt an der Dorfstrasse 79 in Thal­wil. Gegen 15 Uhr nimmt Carmen Biedermann die Post entgegen. Wegen des bevorstehenden Sami­chlau­ses ist der Bote ungewöhnlich spät dran. Unter den Briefen ist auch ein Päckchen für Gerold Biedermann. Als Carmen Biedermann die Verpackung öffnet, explodiert die im Paket versteckte Bombe. Ihre linke Hand wird abgerissen, die Finger der rechten Hand gebrochen. Sie erleidet innere­ Verletzungen und verliert ein Auge.

Während das Motiv und die Bezie­hung des Täters zum Opfer im Verborgenen blieb, konnten die Ermittler das Paket bis ins kleinste Detail rekonstruieren. «Damit haben wir heute mit Hilfe der Zuschauer vielleicht noch eine echte Chance», sagte Polizist Paul Furrer am 10. Oktober 1969 in der Sendung.

Die Einzelteile der Bombe, hier der Mikroschalter, wurden in der Sendung im Detail erläutert und gezeigt. Bild: Screenshot.

Die Einzelteile der Bombe stellten die Ermittler vor ein Rätsel. Während die Verpackung – eine Nähnadelschachtel, umwickelt in grünes Geschenkpapier –, zusammen mit dem Mikroschalter und der Batterie aus der Schweiz stammt, musste der Täter die weiteren Bestandteile im Ausland besorgt­ haben. So wurde etwa die verwendete Zahnpastatube in Öster­reich oder Deutschland hergestellt. Der Sprengstoff konnte nach England oder in die Vereinigten Staaten zurückverfolgt werden. Die Zündkapsel hatte ihren Ursprung ausserhalb Europas. «Es gibt sicher nicht viele Leute, die all diese Gegenstände gleichzeitig im Besitz haben konnten», sagte Aktenzeichen-Moderator Eduard Zimmermann. «Deshalb müsste es eigentlich möglich sein, den geheimnisvollen Konstrukteur des Bombenpakets zu lokalisieren.» Zimmermann täuschte sich: Trotz der ausgeschriebenen Belohnung von 6000 Franken blieb der Fall bis heute ungelöst.

Leiche von Metzger verbrannt

Nicht minder rätselhaft sind die Ereignisse, die sich am 9. März 1989 in Pfäffikon zugetragen haben. «Mann erschossen und verbrannt», schrieb die «Linth» am 13. März auf der Titelseite. Das Opfer, der 33-jährige Metzger Josef Broger, wurde auf dem Areal der Bauunternehmung Föllmi tot aufgefunden. Die verbrannte Leiche wies Schussverletzungen auf, die dem Opfer zugefügt worden waren, bevor es angezündet wurde.

Die Brogers hatten sich durch ihre sparsame Lebensweise in weni­gen Jahren ein ansehnliches Ver­mögen erspart. An jenem schick­salhaften Donnerstag verlässt Josef Broger die Metzgerei am Nachmittag, um ein persön­liches Geldgeschäft vorzubereiten. Von Zuhause holt er sein Bank­büechli, um bei der Bank in Eschen­bach 59 500 Franken abzuheben. Das Geld will er auf der Bank in Pfäffikon anlegen. Über die Details seiner Anlagegeschäfte informiert er seine Frau nicht. Fest steht: Das Geld hat er nie in Pfäffikon eingezahlt. Was er damit vorhatte, ist bis heute unklar.

Nach seinem Bankbesuch in Eschen­bach fährt Broger zurück in die Metzgerei. Den Abend verbringt er mit Arbeitskollegen in einer Beiz in Freien­bach. Dort zeigt er sich gross­zügig und zahlt die gesamte Rechnung. Gegen 20 Uhr wird er das letzte Mal lebend gesehen. Nach Hause gefahren ist er nicht – wohin er unterwegs war, konnte nicht ermittelt werden. Bekannt ist aber, dass er den Geldumschlag bei sich hatte. Noch vor Mitternacht wird seine Leiche auf dem Gelände der Baufirma Föllmi an der Kantonsstrasse zwischen Pfäffikon und Schwyz abgelegt. Vorher ist er an einem unbekannten Ort durch zwei Schüsse getötet worden. Der einzige Hinweis auf den Täter – ein grüner Benzinkanister – führte zwar zu Hinweisen, nicht aber zum gewünschten Erfolg. Mittlerweile ist auch dieser Fall verjährt. Neuen Hinweisen werde nicht mehr nachgegangen, heisst es vonseiten der Kantonspolizei Schwyz.

Erstellt: 20.02.2018, 16:31 Uhr

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Die Sendung

«Aktenzeichen XY...ungelöst»

Am 20. Oktober 1967 ging «Aktenzeichen XY ungelöst» zum ersten Mal auf Sendung. Seither hat das Fahndungsformat einen Kultstatus erreicht. In den über 500 Sendungen wurden mehrb als 4000 Fälle rekonstruiert. 40 Prozent davon konnten dank der Sendung gelöst werden. Die Idee stammt von Eduard Zimmermann, der von den Zuschauern auch «Ganoven-Ede» genannt wurde. Nach über 300 Sendungen als Moderator trat er 1997 zurück, als er an Demenz er­krankte. Seit 2002 moderiert Rudi Cerne die Sendung.

Das Schweizer Fernsehen beteiligte­ sich von 1969 bis 2003 an der Sendung. In den letzten 50 Jahren wurden 463 Schweizer Fälle gezeigt, fast die Hälfte davon konnte aufgeklärt werden. In der vom ZDF produzierten Sendung werden weiterhin Schweizer Fälle gezeigt.(lko)

Marc Besson, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich

«Sendung als letzte Möglichkeit»

Können Fahndungssendungen wie «Aktenzeichen XY» der Polizei bei den Ermittlungen helfen?
Marc Besson: Ein Beitrag bei «Ak­ten­zeichen XY» kann für dringende Fahndungen hilfreich sein. Bei Kapitalverbrechen sehen wir die Sendung als letzte Möglichkeit, neue Hinweise zu erlangen.

Die Aufklärungsquote der Sendung beträgt 40 Prozent. Gab es auch im Kanton Zürich Fälle,zu denen die Sendung den entscheidenden Hinweis liefern konnte?
Entscheidende Hinweise aufgrund der Sendung, die zur Lösung eines Falls führten, konnten wir bis anhin nicht verbuchen. Hinweise nach einer Sendung sind mehrheitlich Ratschläge – etwa, dass wir prüfen sollen, ob der Täter auf Facebook ist.

Ein Blick ins Archiv zeigt, dass auch schlimmen Verbrechen wie Mord früher kaum mediale Beachtung geschenkt wurde. Heute werden auch kleinere Fälle prominent abgehandelt. Wie beeinflusst das die Polizeiarbeit?
Die Medienberichterstattung kann sich auf eine Strafuntersuchung negativ auswirken, indem diese die Wahrnehmung von Beteiligten oder Zeugen verändert. Medien können unter Umständen auch Täter oder Parteien zu einer unüberlegten Handlung bringen oder sich in Urteilen strafmindernd auswirken. Darum ist es wichtig, dass die Medienarbeit immer­ in enger Zusammenarbeit mit unserer Pressestelle erfolgt.

Die SRG ist 2003 aus der Produktion von «Aktenzeichen XY» ausgestiegen. Würde die Polizei es begrüssen, wenn man die Sendung wieder ins Programm aufnehmen würde?
Wir können auch heute problemlos mit der TV-Produktion des ZDF Kontakt aufnehmen und Fahndungsbeiträge einbringen. Die Sendung wird vor allem vom älteren Publikum konsumiert. Junge Leute bewegen sich in den sozialen Medien.

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